Die zunehmende, mittlerweile offensiv und transparente Zensur und Unterdrückung missliebiger Meinungen, Inhalte und Weltanschauungen in sozialen Netzwerken des Internets, ist nur ein weiterer Schritt auf dem immerwährenden Weg der Meinungsdiktatur. Getragen und initiiert werden diese Maßnahmen wie immer von mächtigen Interessensgruppierungen, elitären Zirkeln und von deren Willkür abhängigen Regierungen, ausgeführt perfiderweise häufig von zivilgesellschaftlichen Verbänden, Privatunternehmen und Individuen, die gegen die Interessen und die Freiheiten ihrer Mitmenschen im Dienste der Herrschaft agieren. Doch die Zensur in sozialen Netzwerken ist nur der Anfang einer großangelegten Säuberungsaktion im gesamten Internet, wie wir es kennen. Historisch betrachtet, hat man ähnliche Verfahren bereits erfolgreich im Bereich der gedruckten und televisionellen Massenmedien implementiert, wo die “öffentliche Meinung” erfolgreich von einigen wenigen supranationalen Monopolen und deren Einflüsterern gesteuert wird. Ebenso zählen die nahezu jedes Jahrhundert stattgefundenen Vernichtungen von Bibliotheken und deren darin enthaltenem Wissen zu dieser Verengung und Kanalisation gesammelten, menschlichen Wissen, einfach weil dieses Wissen dem Zeitgeist und bestimmten hegemonialen Ideologien widersprach. Daher wird der Mensch im viel zitierten “Zeitalter der Digitalisierung” nicht daran vorbeikommen, eine Alternative zu unserem herkömmlichen Internet zu entwickeln. Eine Alternative, die tatsächlich dezentral, anonym und weisungsungebunden funktioniert und über die keine Meinungsdiktate, sondern freies Wissen transportiert und ausgetauscht wird. So unangenehm das für manche Gruppierungen auch sein mag.

Das Internet als zweischneidiges Schwert

Das Internet als virtueller Raum der Begegnung, hat uns zunächst eine ungeahnte Vielfalt an Möglichkeiten zur Verfügung gestellt. Möglichkeiten sich zu vernetzen, auszutauschen, Dinge zu tun, die im “realen” Leben vielleicht nicht möglich waren oder aber auch einen wirklich freien Markt des Güter- und Wissenaustausches zu etablieren. Es galt daher am Beginn seiner Massentauglichkeit Mitte der 1990er Jahre und noch ein paar Jahre danach nicht unbegründet als anarchistischer Gegenentwurf , als Hoffnungsmodell einer utopistischen, libertären Gesellschaftsordnung. Einer der wohl wichtigsten Aspekte war dabei der freie Meinungsaustausch. Dass dieser jedoch transnational, ungehindert und ungefiltert stattfand, wurde den herrschenden Meinungsmachern rasch zum Verhängnis. Spätestens als die etablierten Manipulationsmaschinerien zu versagen und in die Bedeutungslosigkeit abzudriften drohten (Massenmedien, Konsumismus, Propaganda und die Teile-und-Herrsche-Strategie), holte man zum Gegenschlag aus. Wie aus dem Nichts entstanden vermeintlich heilsbringende soziale Netzwerke, Suchmaschinen, Lexika und Märkte, die allesamt in ihren Unternehmensstrukturen zentralistisch und undurchsichtig zusammengesetzt sind, deren Eigentümer und Gönner zumindest fragwürdig und deren wahre Intentionen nur nach und nach ans Tageslicht kommen (Stichwort Datensammlung und absolute Überwachung). Soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube und Twitter zensieren und löschen ungehindert alles, was nicht dem Zeitgeist entspricht, Lexika wie Wikipedia werden von Geheimdiensten und Interessensgruppierungen betrieben, um “die eine Wahrheit” zu propagieren und Marktplätze wie Amazon diktieren, was gelesen und gekauft werden darf und was nicht. Die Beispiele ließen sich natürlich noch endlos fortsetzen. Nicht zu erwähnen auch die rasch eingeführten Sondersteuern auf jegliche Nutzung des Internets und den Handel in ihm. Das massentaugliche Internet avancierte so zu einem willkommenen Werkzeug für Staaten und Regierungen zur Schaffung umfassender Überwachungs- und Kontrollsysteme. Das beweisen nun auch jüngst “Hass-Sprache” oder “Fake-News” im Internet, die allesamt künstlich und gezielt aufgebauschte Pseudo-Phänomene darstellen, um möglichst rasch die Grundlage für eine weitgehende Zensur im virtuellen Raum zu ebenen, mit Straftatbeständen (immerhin “Verbrechen” ohne Opfer!) für das alltägliche Leben. Dass es jedoch in der Eigenverantwortung eines jeden Nutzers selbst liegt, Dinge im Internet zu konsumieren und in sein Leben zu lassen, mitsamt den Konsequenzen, wird weitgehend ausgeblendet. Der paternalistische Staat greift auch hier wieder um sich. 

Dabei finden wir bereits die Ursprünge des virtuellen Raums – wie bei vielen anderen Dingen auch – in staatlichen und geheimdienstlichen Strukturen. Ausgehend von theoretischen Arbeiten zu Kommunikationsnetzen in den frühen 1960er Jahren, entstand das Internet mit ARPANET, einem Netzwerk, das von der “Defense Advanced Research Projects Agency” des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten entwickelt wurde. Das Kernkonzept hinter dem Internet ist eine spezielle Form der Kommunikation, bei der Schallwellen und andere Daten in digitale Formsätze von 1s und 0s umgewandelt werden. Diese Kommunikation wird dann in “Pakete” zerlegt, welche wiederum von einem verteilten Netzwerk an ihre Empfänger übertragen werden. Nicht verwunderlich, dass diese technologische Errungenschaft zunächst den Machtinteressen des herrschenden Apparates entsprang.

Eine absehbare Übernahme

Ehemals dezentral, läuft heute fast der gesamte Datenverkehr des Internets über einige zentrale Knotenpunkte, deren Kontrolle natürlich auch Macht bedeutet. Die Infiltration und letztliche Übernahme dieser Struktur durch ideologisch gesteuerte Interessensgruppierungen, Staaten und Regierungen war somit absehbar. Vielen Freiräumen vor dem virtuellen erging es bereits so, sei es nun Wissenschaft, Spiritualität oder Familie, um nur einige Beispiele zu nennen. Die Meinung muss in bestimmte Bahnen gelenkt, der Austausch zwischen Individuen unter gewisse Kontroll- und Zwangssysteme gestellt werden. Es ist der immerwährende Drang der Anti-Freiheit nach Zentralisierung und Vereinheitlichung. Was für die “reale” Welt des Alltags gilt, hat eben auch für die virtuelle Welt zu gelten. Nicht nur in meiner Reihe zu “Liberaler Intoleranz und linker Zensur” bin ich auf vielfältige Ausläufer dieser Tatsache ausführlich eingegangen.

Wie bereits erwähnt, stellen die robusten, raschen und anonymen Kommunikationskanäle, die durch das Internet ermöglicht werden, seit jeher eine Bedrohung für auf Herrschaft basierende Strukturen dar. Staaten und Regierungen überall auf der Welt sehen sich durch das Potenzial bedroht, dass durch das Internet politische und soziale Organisationen mit weit mehr Möglichkeiten befähigt werden, gegenläufige Meinungen, Konzepte und Reformen zu entwickeln und zu propagieren, die in letzter Konsequenz bestehende Herrschaftsregime stürzen könnten. Das kommunistische China – mit seinen aktuell wieder omnipräsenten Straflagern, die hier bereits “gewürdigt” wurden – ist neben den USA weltweit wohl ein Worst-Case-Szenario, was Internet-Monitoring und Zensur betrifft. Kommunistische Bemühungen, die Macht des Internets zu brechen, kulminierten unter anderem in der “Great Firewall”, die so gut wie alles blockieren kann, was der Staatspropaganda im Netz zuwiderläuft . China ist mittlerweile aber bei weitem nicht das einzige Land, das die Internetkommunikation kontrolliert oder das Internet als Instrument der politischen und sozialen Kontrolle nutzt.  

Das Internet wurde zudem ein Raum für kriminelle Planung und kriminelle Handlungen, meist von staatlichen Behörden selbst benutzt, um ihre perfiden Geschäfte (War on Drugs, War on Terror, etc.) zu verschleiern. Die US-Regierung zapft via der NSA im Namen des “Krieges gegen den Terror” mittlerweile sämtliche Internetverbindungen auf diesem Planeten an, meist mit Billigung der betroffenen Staaten. Aufgrund der digitalen Revolution stehen den Strafverfolgungsbehörden und den Interessen der “nationalen Sicherheit” mehr Informationen als je zuvor zur Verfügung, obwohl einige verwendete Kommunikationsmethoden der Verschlüsselung und Weiterleitung Informationen vor dem Zugriff Dritter immer noch schützen können. In meinem Artikel “Darknet, virtuelle Schwarzmärkte und staatliche Willkür” habe ich darüber berichtet.

In vielerlei Hinsicht fungiert das Internet auch wie ein riesiger Kopierer, der Informationen von Zeit zu Zeit wiedergibt, während er von Computer zu Computer fließt. Viele Anwendungen des Internets verstoßen gegen das Urheberrecht, das den Urhebern kreativer Werke das Recht einräumt, das Kopieren und damit die Verbreitung und Nutzung ihrer Werke zu kontrollieren. Meist wird das Urheberrecht jedoch nur von Großkonzernen genutzt, um Konkurrenz möglichst rasch zu unterdrücken. Ein Antwort darauf war die “Open Source” -Softwareentwicklung, die anstatt die Erstellung aufeinanderfolgender Kopien zu kontrollieren, Software zum Kopieren frei zur Verfügung stellt, vorbehaltlich der Einschränkung, dass weitere Kopien oder abgeleitete Werke ebenfalls zum Kopieren und zur freien Verwendung unter den gleichen Bedingungen verfügbar sind. Doch auch Open-Source-Lösungen geraten im herkömmlichen Internet zunehmend ins Hintertreffen, alleine weil die Finanzkraft der Copyright-Industrie fehlt. 

Anonymität ade

Ein weitere zentraler Aspekt, der mit den negativen Entwicklungen des herkömmlichen Internets zusammenhängt, sind die Bereiche Anonymität und Datensicherheit. Denn das Internet und die Online-Kultur stellen individuelle Gewohnheiten und Erwartungen, wie zum Beispiel die Privatsphäre, massiv in Frage. Mit dem Internet verbundene Computer senden häufig persönliche Informationen über ihre Benutzer hin und her. Analoge Formate der Kommunikation aus der Vergangenheit, wie zum Beispiel das Drucken auf Papier, gestalteten es noch schwierig Informationen zu kopieren, zu übertragen und zu speichern. Die gesellschaftlichen Erwartungen in Bezug auf die Privatsphäre entwickelten sich entsprechend mit. Die durch das Internet nun zur nahezu unbegrenzten Verfügung stehende Datensammlung bedroht die Privatsphäreerwartungen eines jeden Individuums, auch wenn es den meisten Menschen nach dem Prinzip “wer nichts zu fürchten hat, muss nichts verbergen” oftmals egal zu sein scheint. 

Eine weitere Herausforderung, die das Internet sowohl Einzelpersonen als auch Institutionen abverlangt, ist die Datensicherheit. Denn das rasante Wachstum von Online-Diensten sowie virtueller Kommunikation und virtuellem Informationsaustausch führte rasch zu nicht unerheblichen Lücken bei technischen Infrastrukturen wie Computern, Routern und Software, die alle angesichts der Verwendungszwecke relativ unsicher sind. Generell sind virtuelle Infrastrukturen anfälliger für Attacken als reale Infrastrukturen, wie Gebäude, Leitungen, Tresore, Schränke und Zäune, die allesamt materielle Besitztümer sichern. Dabei sind die Methoden zur Sicherung der Dinge in der materiellen Welt in einem historischen Prozess langsam entstanden und die Gesellschaften hatten hunderte von Jahre Erfahrung mit der Sicherung ihrer physischen Infrastruktur. Bisher sind aber nur wenige Jahrzehnte in die Arbeit der Sicherung von virtueller Infrastruktur geflossen.

Bei den Beispielen der Geld-Transaktionen und der Informationsübermittlung, die über das Internet getätigt werden, zeigt sich immer wieder die Fragilität und Risikobehaftung dieser Methoden. Ganz abgesehen von der Gefahr einer kompletten Verlagerung geistigen wie physischen Eigentums in einen virtuellen, von Energie und Infrastruktur abhängigen Raum. Mit den Argumenten, für Sicherheit und gegen Verbrechen oder Betrug vorzugehen, werden so seit langem schon alle Benutzer bei der Nutzung des Internets genau identifiziert. Dieser Prozess attackiert jedoch wichtige Werte wie die Redefreiheit, das Recht auf Information und die Möglichkeit, das Internet als anonymen, dezentralen Ort zu nutzen. 

Mesh-Netzwerke und USB-Stick-Internet: Die Alternative liegt an uns

Alternativen sind am Horizont des Internets nur spärlich erkennbar, doch es gibt sie. Ein Beispiel sind sogenannte Mesh-Netzwerke. Diese aus mehreren Geräten verbundene, dezentralen Netzwerke sind nicht nur in Krisensituationen und bei Naturkatastrophen eine alternative Möglichkeit der Internetnutzung, sondern sie kommen auch dem ursprünglichen Grundgedanken des Internet sehr nahe, es für alle zugängig zu machen, ohne dass Staaten oder große Provider darauf Einfluss nehmen können.

Die Idee hinter Mesh-Netzwerken ist, dass sich möglichst viele Geräte untereinander vernetzen, die dann jeweils einen eigenen kleinen Knotenpunkt darstellen. Dafür wird vor allem kostengünstige Hardware mit leicht bedienbarer Software benötigt, so dass sich wirklich jeder an den Netzwerken beteiligen kann und diese eine entsprechende Größe und Reichweite erlangen. Soll ein solches Ad hoc-Netzwerk allerdings auch Zugang zum Internet bieten, wird mindestens ein Knoten benötigt, der eine physikalische Verbindung zu einem der großen Knoten besitzt um die restlichen Geräte zu versorgen. “Unter anderem aus diesem Grund ist es allerdings auch unrealistisch, dass Mesh-Netzwerke das Internet jemals komplett ablösen werden. Allerdings kann durch den Ausbau das Maß an Kontrolle der Regierungen und Telekommunikationsunternehmen über das Internet reduziert werden.”, wie auch das Netzpiloten-Magazin in einem lesenswerten Artikel dazu anmerkt.  

Andere Möglichkeiten sind ebenfalls dezentrale Projekte wie Freos. Hier fungiert ein USB-Stick als Netzwerk, der auf jedem beliebigen PC über Tor und dem Linux-basierten Betriebssystem Tails läuft und somit der Anonymität größtmöglichen Platz einräumt. Natürlich bleibt hier kritisch zu hinterfragen, wie sinnvoll es ist, gleichzeitig auf digitale Kryptowährungen umzusteigen, die wiederum leichter nachzuverfolgen und zu kontrollieren sind. 

Letztlich bleibt dem kritischen Bürger natürlich immer noch die Abkehr von Informationstechnologien und deren meist negativen Auswirkungen auf unsere Aufmerksamkeit und somit unseren Geist. Die Stille, der Rückzug in sich selbst oder die Natur, ist mit Sicherheit eines der besten und probatesten Mittel, um Frieden mit sich und der Welt zu finden. Über die Jahrhunderte haben nahezu alle großen (und kleinen) Denker, Philosophen und Religionen die Stille als Weg zur “Erleuchtung” beschrieben. Sie können nicht irren…dennoch kann man den Grundgedanken und Möglichkeiten des Internets als freiheitsliebender Mensch viel abgewinnen, weshalb an Alternativen immer und mich nachdruckt gearbeitet werden sollte. 

Beitragsbild: TheDigitalArtist/pixabay, gemeinfrei

Kommentieren Sie den Artikel