Für viele Bürger scheint es schier unmöglich, dass gewisse staatliche Aufgaben auch von privat organisierten Unternehmen und anderen Zusammenschlüssen übernommen werden können. Und das, obwohl die meisten Aufgaben in prä-staatlichen Zeiten von den Menschen ohnehin in Eigenregie selbst übernommen wurden. Das reicht von der Gesundheitsversorgung über die Bildung und Verteidigung bis hin zur Infrastruktur. Es sind die Totschlagargumente in einer jeden Diskussion zwischen Statisten/Staatsgläubigen und Libertären/Anarchisten. Wer soll Straßen in Stand halten bzw. bauen, den Bürger verteidigen oder Spitäler betreiben, gäbe es keinen Staat? Dass der Staat in all diesen eben genannten Aufgaben nahezu immer kläglich scheitert und ihnen nur dann nachgehen kann, wenn er das Individuum knechtet, etwa durch Zwang und Gewalt (Steuern etc.), liegt auf der Hand. Weder für adäquate Infrastruktur und Gesundheitsversorgung, die Sicherheit, noch eine wissensvermittelnde Bildung abseits ideologischer Indoktrination kann er sorgen. Dennoch entrechtet der Staat seine Untertanen wo es nur geht, durch die Beschneidung der Eigenverantwortung, die Enteignung des Privateigentums und die Zerstörung der Freiheit.

Ramponierte Straßen und kostenintensive Transportwege, die schlechte Qualität öffentlicher Spitäler und der Boom privater Ärzte wie Krankenversicherungen, die steigende Beliebtheit privater Bildungseinrichtungen, das schwindende Vertrauen in staatliche Sicherheitsorgane und die zunehmende Selbstorganisation der Bürger in unterschiedlichsten Bereichen…all das verdeutlicht die Ineffizienz des Staates und letztlich den Anachronismus Staatlichkeit. Wie es auch anders funktionieren kann, beleuchtete ich jüngst in meinem Beitrag über post-staatliche Alternativen, etwa freie Privatstädte, sowie in der wissenschaftlichen Abhandlung über den Agorismus, als eine Gegenwirtschaft zur staatlich gelenkten. Und auch aus den USA erreicht uns ein kurioses wie ebenso richtungsweisendes Beispiel privatwirtschaftlicher Organisation, die bei offensichtlichem Staatsversagen einspringt und Möglichkeiten aufzeigt, wie es auch ohne willkürliche Autorität und die Hegemonie einer kleinen elitären Kaste in unserem alltäglichen gesellschaftlichen Leben funktionieren kann.

Ohne Staat, wer baut unsere Straßen? Der beste Anbieter!

Das Problem kennen mit Sicherheit viele Menschen. Ein massiver Großteil des Einkommens wird durch den Steuerzwang an den Staat transferiert, seine Regierung sollte damit dann für unser “Gemeinwohl” sorgen. Gerade bei Straßen funktioniert dieses äußerst fragwürdige Konzept – bei welchem niemals eine aktive Zustimmung zu dieser Enteignung von den Betroffenen eingeholt wird – oftmals nicht so Recht, Stichwort Schlaglöcher. In den USA hat sich daher nun die Pizzakette Domino’s dazu entschieden, nicht länger auf die Untätigkeit des Staates zu setzen und Schlaglöcher ab jetzt auf eigene Faust im Rahmen der Kampagne “Pflastern für Pizzen” zu reparieren. Und die Aktion kam innerhalb der traditionell eher libertär ausgerichteten US-Bevölkerung sehr gut an. 

Zum Hintergrund: So banal es klingen mag, das Fast-Food-Unternehmen hat mit den Schlaglöchern auf den tausenden Straßen in den USA seit geraumer Zeit massive Probleme. Denn die unwegsamen Straßenverhältnisse gehen zu Lasten der Qualität ihrer Pizzen – da etwa der Käse auf den Kartons kleben bleibt oder Pizzen verloren gehen –  was wiederum zu einer massiven Beschwerde- und Reklamationsflut von Seiten der Kunden führte. So musste die Ware oft zwei oder dreimal produziert werden. Daher ging das Unternehmen nun die Wurzel des Übels an: die maroden Straßen. Die Kampagne verspricht den lokalen Gemeinden das nötige Geld, um ihre bröckelnde Infrastruktur zu reparieren, sollten sie vom Unternehmen ausgewählt werden. Partizipanten, die diese außergewöhnliche Gelegenheit nutzen möchten, müssen nur online auf die Webseite von Domino’s gehen und ihre eigenen Nachbarschaftsstraßen für eine “Reparatur” nominieren. Bisher wurden so US-weit (Kalifornien, Texas, Delaware) bereits über 50 Schlaglöcher durch die Finanzierung des Pizzagiganten ausgebessert bzw. repariert. Eine Aufgabe, für die bürokratiebelastete staatliche Organe mindestens Monate, wenn nicht Jahre gebraucht hätten. 

Alle Straßen führen zum (freien) Handel

Dieses Beispiel verdeutlicht also, dass der freie Markt durchaus in der Lage ist, staatliche Aufgaben nicht nur zu übernehmen, sondern diese auch rascher und kostengünstiger im Sinne der Verbraucher, Produzenten und Kunden durchzuführen. Siehe auch den Konterrevolution-Beitrag “Monopolismus, freier Markt und der Staat”. Öffentliche Güter bleiben so in der Hand freier Individuen, die sich über Kompetenz und Eigeninitiative anstatt Zwang organisieren, wesentlich besser aufgehoben. Der Libertarismus als Philosophie der Freiheit gibt hier somit die richtige Antwort. Die Annahme, der Mensch sei ohne Vorgaben einer Zwangsgewalt untätig und faul ist nicht nur schlichtweg falsch, sondern auch eine Verhöhnung der geistigen Kreativität jedes Einzelnen. Denn wo Arbeitskraft und Handel entstehen, entstehen auch Lösungen, um diese zu organisieren und zu vermarkten. 

Gerade Straßen wurden in der Vergangenheit als öffentliches Gut angesehen. Als Produkt oder Dienstleistung definiert, die ausschließlich Bürgern von Staaten zur Verfügung gestellt wird, um sicherzustellen, dass die Nutzung für alle zugänglich ist. Dies hat dazu geführt, dass viele Menschen der Meinung sind, die Regierung sei das einzige Unternehmen, das Straßenmanagement betreiben kann und auch darf (siehe das Monopol der Asfinag in Österreich). Und obwohl Mautstraßen und andere Formen privater Durchfahrtsstraßen als lebende Gegenbeispiele existieren, meist in viel besserem Zustand als öffentliche Straßen, gibt es immer noch viele Menschen, die sich an das Monopol der Regierung auf Straßen (und viele andere Dinge, wie etwa die Sicherheit) klammern. Diese verengte Sichtweise wirft jedoch mehrere Probleme auf. Denn ein Staat und seine Regierung haben keine wirkliche Verpflichtung, im Interesse ihrer Bürger zu agieren und auch keine echten Konsequenzen zu befürchten. Nachzulesen in einigen Beiträgen auf dieser Seite, für all jene, die sich fragen, warum dies so sein könnte. Denn der Staat wird im Endeffekt jede Regierung überleben und dank seiner Verfassung auch nach jeder Katastrophe in der einen oder anderen Form weiterexistieren. 

Auf dem freien Markt wissen private Unternehmen, die Erfolg haben wollen, wiederum, dass sie auf Verbrauchernachfragen reagieren und guten Service anbieten müssen, um überleben zu können. Ein Dachdecker würde beispielsweise auf dem Markt nicht überleben, wenn er Arbeit verspricht, dann aber nicht umgehend auf die Notsituationen, für die er engagiert wurde, reagiert. Staatliche Leistungen brauchen hingegen oft Jahre, bis sie beim Endverbraucher ankommen oder diesem zugute kommen. Sei es durch Willkür oder die schier überbordende Bürokratie. Da der Staat gewaltsam mit Zwang und Alternativlosigkeit arbeitet, spielt die Zufriedenheit der Verbraucher letztlich keine Rolle in seiner Existenz.

Der private Sektor hingegen hat ein starkes Interesse daran, lokale Straßen so schnell wie möglich zu erhalten, wie das Beispiel Domino’s jetzt beweist. Die Nachfrage auf dem Markt führt zu Kreativität und Effizienz. Mit der Entscheidung, Geld in die Reparatur der Straßen in den vielen Liefergebieten zu investieren, greift Domino’s nicht nur die Wurzel des Problems an, sondern erzielt auch wichtige Reputation bei den Verbrauchern und lokalen Gemeinschaften. Der Verbraucher hat so nicht nur bessere Chancen auf eine schön intakte Pizza, sondern profitiert auch von der verbesserten Infrastruktur in seiner Wohngegend. Dies führt wiederum zu neuen Kunden für Domino’s. Jeder gewinnt also in dieser Situation. Nur der Staat steht ziemlich blass da. 

Da viele Unternehmen auf Straßen angewiesen sind, um ihre Geschäfte zu tätigen, gibt es ein enormes Potenzial für private Unternehmen, hier eine Vorreiterrolle bei Innovationen im Bereich der Infrastruktur einzunehmen. Ähnliche Logiken kann man zudem auch auf andere alltägliche gesellschaftliche Bereiche ableiten. Ich möchte an dieser Stelle nur private Sicherheitsdienste oder Bürgerwehren erwähnen, die schon jetzt besser für die Sicherheit vieler Bürger als der Staat sorgen, dem diese herzlich egal ist. Der Staat ist also keineswegs für Straßen und Co. von essenzieller Bedeutung. 

Beitragsbild: Editor5807/Wikimedia (CC BY 3.0)

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2 Kommentare

  1. Obwohl ich den Artikel mag:
    Es gibt aber auch x Beispiele, wo Private nur Interesse haben, Geld zu nehmen aber nicht zu leisten.
    Z. B. bei der privaten A1 zwischen Bremen und Hamburg.
    Oder wie oft mogeln ind betrügen Private, ind erst der Staat kontrolliert und sanktioniert.

    Sorry, obwohl ich für einen schlanken, aber effektiven Stast bin: die Welt ist nicht so schwarz und weiß, wie der Artikel denken lässt.

    • Ihr Einwand ist sicherlich richtig, aber dieser Betrug durch Private geschieht meistens mit dem Staat als Auftraggeber. Bei Infrastrukturprojekten, wie etwa dem Bau privat betriebener Autobahnabschnitte im Rahmen von PPP-Projekten ( public- private partnership) ist der Betrug in Form einer unanständig hohen und zudem garantierten Gewinnmarge Alltag. Es ist öffentlich organisierte Korruption, genauso wie bei Riester- und Rürup-Rentenbetrug.
      Die im Artikel genannten Beispiele überzeugen mich auch nicht, solange die Steuerpflicht die gleiche bleibt. Der Staat erhebt Steuern ohne adäquate Gegenleistung. Nun soll der Bürger zusätzlich die Aufgaben schultern, für die er bereits an den Staat bezahlt hat und somit denselben auf seine Kosten weiter entlasten. Je weiter aber der Staat aus seiner Verantwortung entlassen wird, desto mehr Steuergelder wird er anderweitig verschwenden, oft ideologisch motiviert und zum Schaden der Bürger.

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