Inmitten des modernen Wahnsinns, entdeckt ein Mann die Freiheit

Ein junger Mann namens Kim beschließt aufgrund eines vermeintlich gesellschaftlichen Versagens Selbstmord zu begehen. Dieser Entschluss verhilft im jedoch letztlich zu einem Leben in Freiheit und Zufriedenheit.

Denn der Selbstmord missglückt, der junge Protagonist ertrinkt nicht wie geplant, sondern wird nach einem Sprung in den Fluss an das Ufer einer Insel inmitten der Millionenstadt Seoul geschwemmt. Zunächst lehnt er die Einsamkeit und Aussichtslosigkeit ab, denn niemand scheint zu bemerken, dass Kim aus dem Naturschutzreservat kein Entkommen findet. Doch nach und nach arrangiert sich der Protagonist mit dem Leben als Einsiedler. Er beginnt Sachen zu sammeln, sich eine provisorische Bleibe zu bauen und nach Nahrung zu jagen beziehungsweise diese anzubauen. Als die Selbstversorgung schließlich gelingt, vollzieht sich in Kim eine Art Seelenreinigung, die ihm die Schönheit des Lebens wieder vor Augen führt. Von da an lehnt er das Leben seiner Vergangenheit komplett ab.

Der zweite Protagonist in dem Film, eine junge Frau, führt ein ähnliches Leben wie der Einsiedler auf der Insel. Sie lebt zwar in einem seelenlosen Hochhausapartment, hat dieses jedoch seit Jahren nicht mehr verlassen. Sie ist eine „Hikikomori“ – die japanische Bezeichnung für ein soziales Phänomen, bei welchem sich Menschen von Familie und Gesellschaft abkapseln. In Europa würde sie höchstwahrscheinlich als „Messi“ deklariert. Sie beobachtet Kim von ihrem Fenster aus bei seinem Überlebenskampf auf der Insel und verliebt sich schließlich in ihn. Es entsteht eine skurrile aber einfühlsame Fernbeziehung.

Beide Menschen finden durch die Ablehnung von sozialen Normen und Alltagsmustern schließlich zueinander. Während die Frau ihr Einsiedlerdasein aufbricht, geht der junge Mann in diesem vollends auf. Regisseur und Drehbuchautor Lee Hey-jun führt in seinem Film in die Faszination von Parallelwelten ein, die für manche Menschen lebensnotwendiger als die „reale“, harte Alltagswelt sind und auch bleiben.

Verschollen in der City (110 Min.) – Regie Lee Hey-jun (2009, Südkorea)

Beitragsbild: Republic of Korea/flickr (CC BY-SA 2.0)


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