Wieder einmal erhärtet sich die Beweislage, wonach die USA hinter sämtlichen im Nahen und Mittleren Osten operativ tätigen (islamischen) Terrorgruppierungen, sowohl logistisch als auch finanziell stehen. Berechtigte Zweifel an der Authentizität sogenannter Propaganda-Videos diverser Dschihadisten, werden nun durch die Verstrickungen des US-Verteidigungsministeriums und der britischen PR-Firma Bell Pottinger genährt. Das Pentagon soll gefälschte Videos im Wert von 540 Millionen Dollar in Auftrag gegeben haben.

Geheime Propaganda-Mission

Das Mandat der Operation und der Auftrag an die britische Firma lauteten: Videomaterial und sonstige Propaganda im arabischen Raum verbreiten, in welcher Al-Kaida in ein schlechtes Licht gerückt wird. Darüber hinaus sollten so potentielle Sympathisanten enttarnt werden. Das Vorgehen war, wie so oft, ein doppeltes Spiel der USA, wurde Al-Kaida doch zuvor jahrelang logistisch und finanziell aufgerüstet. Die Operation startete kurz nach der Invasion der US-Armee im Irak im Jahr 2003.  Zunächst wurde die Übergangs-Administration unterstützt, indem Werbung für die anstehenden, „demokratischen“ Wahlen gemacht wurde. Danach konzertierte man sich aber zunehmend auf psychologische Informationsoperationen in Kooperation mit der dubiosen Information Operations Task Force (IOTF).

Involviert waren, und sind möglicherweise bis heute, die CIA, der Nationale Sicherheitsrat und das Pentagon. Sowohl das Weiße Haus, als auch der ehemalige General der Streitkräfte David Petraeus, welcher vertrauliche Geheiminformationen an seine Geliebte weitergab, dafür aber nie rechtlich belangt wurde, unterzeichneten den Auftrag an die Agentur.

Propaganda als „Nachrichten“ verkauft

Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Aussagen eines ehemaligen Mitarbeiters der britischen Firma Bell Pottinger. Martin Wells erzählt, er wäre in den Irak eingeflogen worden, um Videos zu editieren. Auf dem Militärstützpunkt Camp Victory hatte er die Aufgabe, Inhalte für „geheime psychologische Operationen“ zu bearbeiten. Die absichtlich in schlechter Qualität aufgenommen und später manipulierten Videos von Bombenangriffen und ähnlichem, wurden später an Nachrichtenstationen weitergegeben und als „Arabic TV“ verkauft. Ziel war es, die Pentagon-Videos als Nachrichtenfilmmaterial zu verbreiten.

Darüber hinaus erstellte die Firma aus Großbritannien auch gefälschte Al-Kaida-Propagandavideos, die dann durch das US-Militär in eingenommenen Häusern platziert wurden. Ähnliche Spekulationen gibt es seit geraumer Zeit über die sehr professionell wirkenden Videos des Islamischen Staates. Zweifler sehen auch in diesen das Werk professioneller PR-Firmen.

Jedenfalls waren die CD´s der Propaganda-Videos mit einem Code versehen, der wiederum mit dem Datenauswertungsprogramm Google Analytics verknüpft war. So konnte das Pentagon auswerten, wer das Video wo ansah. Die Videos verbreiteten sich unter anderem im Iran, in Syrien und in den USA selbst.

Die dubiosen Firmen hinter den Islamisten-Videos

Die britische Firma Bell Pottinger arbeitete bereits mit dem saudi-arabischen Königshaus und einer Stiftung aus dem Umfeld des ehemaligen chilenischen Herrschers Augusto Pinochet zusammen. Das Pentagon bestätigte die Zusammenarbeit mit den PR-Leuten von Pottinger, gab jedoch an, nur „wahrheitstreue“ Inhalte produziert haben zu lassen. Die Arbeit der Firma mit der Information Operations Task Force (IOTF), wollte man nicht kommentieren. Die britische Firma wurde übrigens beauftragt, weil es nach US-Recht de facto verboten ist, Propaganda unter der eigenen Bevölkerung zu verbreiten.

Zwischen 2007 und 2011 floss so die stolze Summe von über 540 Millionen Euro an die PR-Firma. 2011 endete dann die Zusammenarbeit, zumindest offiziell. Bereits im Jahr 2009 wurde berichtet, dass das Pentagon eine umstrittene PR-Firma namens „Rendon-Group“ engagiert, um die Berichterstattung von Journalisten aus dem Umfeld von US-Militärs zu überwachen und zu beurteilen, ob sie „positiv“ seien.

Noch weiter zurück liegend, im Jahr 2005, wurde bekannt, dass die in Washington ansässige PR-Firma „Lincoln-Group“ US-Propaganda in irakischen Zeitungen platzieren ließ. Das Pentagon unterband sämtliche Verurteilungen der Firma nach einer internen Prüfung.

Bleibt die Frage, was im aktuellen Konflikt rund um den Islamischen Staat und anderen Gruppierungen im Nahen Osten ebenfalls durch das Pentagon „gestaged“ wurde und wird?

Beitragsbild: DVIDSHUB/flickr (CC BY 2.0)

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