Taleeb Brown („That Guy T“) ist ein 23-jähriger Unternehmer und Youtuber aus Detroit, Michigan, dem man viele Adjektive zuweisen könnte: Antifeministisch, atheistisch, politisch unkorrekt. In seinen Videos nimmt er kein Blatt vor den Mund und desmaskiert all jene Ideologien, die er als Feinde der Freiheit und einer funktionierenden Gesellschaft ausgemacht hat. Als Anarchokapitalist hat er, wie er selbst sagt, „das Staatstheater verlassen“ und redet nun mit Krautzone* über Kulturkämpfe, Sezessionen, die Zukunft der USA und Möglichkeiten, die sich in dieser Zeit des Umbruchs für Libertäre ergeben.

*Dieses Interview wurde dankenswerterweise konterrevolution.at zur Verfügung gestellt. Es ist in der aktuellen Ausgabe des Magazins Krautzone abgedruckt, unter: www.kraut-zone.de 


Unser letzter Gesprächspartner aus den Staaten war Paul Gottfried, der die USA als ein zunehmend gespaltenes Land beschrieben hat, das von einer immer autoritäreren Regierung zusammengehalten wird. Teilen Sie diese Ansicht?

 Amerikas politische Elite erkennt in einem immer stärkeren Maße, dass ihre Wähler immer unzufriedener mit parteiübergreifenden Kompromissen werden und eine härtere Gangart einfordern. Wenn die um die Macht konkurrierenden Fraktionen immer radikaler werden, wird es für den Staat an sich unmöglich, sich weiterhin als universelle Autorität zu präsentieren, welche das Wohl aller Bürger im Sinn hat. Das sehe ich durchaus positiv und hoffe, dass die Zerstörung dieser Fassade das Ende von Amerikas Massendemokratie einleiten wird. Im Bereich der Kultur gibt es diese Abspaltungen schon und ich glaube, dass der nächste Schritt der der tatsächlichen Sezessionen sein wird.

Als Libertäre werden wir nie müde, darauf hinzuweisen, dass diese Spaltungen durch die Politik hervorgerufen wurden, und demzufolge auch gelöst werden können, indem man die Politiker entmachtet. Gibt es in den USA noch immer eine vereinte Freiheitsbewegung, die diese Argumente vorbringen kann?

Die amerikanische Freiheitsbewegung ist trotz ihres gelegentlichen Hangs zur politischen Korrektheit immer noch sehr staatsfeindlich, marktfreundlich und individualistisch. Da ein Großteil des Aktivismus von Washingtoner Denkfabriken wie Cato und Reason ausgeht, ist es leicht für Libertäre, sich in dieser bürokratischen Reformblase zu verlieren. Daher kann man von Glück sprechen, dass diese Elfenbeinturm-Aktivisten mehr und mehr Marktanteile an praktische Alternativen verlieren – Ich denke hier zum Beispiel an Libertäre, die die Menschen über die sozialen Medien erreichen, Kultveranstaltungen wie Anarchopulco oder auch ganz generell die Blockchain-Technologie. Meine Hoffnung ist es, dass junge Leute neue Technologien und Möglichkeiten nutzen, um den alten Hasen und ihren eingerosteten Strukturen mehr und mehr Konkurrenz zu machen. In unserem digitalen Zeitalter wird es schließlich immer offensichtlicher, dass es keine archaischere Idee gibt als jene, gesellschaftliche Veränderungen über die Wahlurne zu steuern.

Wenn sich wie in unseren Tagen sowohl die Linken als auch die Rechten radikalisieren, wird die gesellschaftliche Stabilität als Verlierer dastehen. Sehen Sie einen Weg heraus aus diesem Dilemma?

Nein – und ich glaube auch nicht, dass Libertäre nach einem solchen Weg suchen sollten. Dass der politische Extremismus zunimmt, liegt an Fehlern, die diesem Experiment der Massendemokratie inhärent sind. Die gesellschaftliche Stabilität wird so oder so abnehmen. Diese Unsicherheit und die sich daraus ergebene Abwesenheit von politischem Gehorsam werden Freiheitsfreunden die Möglichkeit geben, zu erklären, warum Märkte ein besseres Mittel sind, um Frieden in der Gesellschaft sicherzustellen. Zumindest ist das meine Strategie.

 Was halten Sie von der Alt-Right, die aus dieser gesellschaftlichen Unruhe hervorgegangen ist?

Die Alt-Right ist faszinierend. Dennoch halte ich nicht viel von ihrer ungestümen Forderung nach einem ethnischen Zufluchtsort, die ja völlig losgelöst ist von tieferen philosophischen Fragen. Dazu kommt, dass schon meine Gene mich diesbezüglich auf Distanz gehen lassen (grinst). Was ich jedoch eingestehen muss, ist, dass Leute aus der Alt-Right selbst bei großen Meinungsverschiedenheiten viel interessierter an ehrlichen Diskussionen sind als Linke und Demokraten. Deswegen bin ich der Alt-Right auch nicht feindlich gesinnt.

Gibt es vergleichbare (ethnozentrische) Bewegungen unter schwarzen Amerikanern?

Ich glaube nicht, dass es afro-amerikanische Bewegungen gibt, die mit der Alt-Right vergleichbar wären. Viele in der Freiheitsbewegung argumentieren, dass Gruppierungen wie „Black Lives Matter“ der Alt-Right ähneln, weil auch sie identitären Aktivismus betreiben. Das ist ungefähr so, als würde man Kommunisten mit Libertären vergleichen, weil beide Gruppen über Ökonomie reden. Ich jedenfalls sehe keine schwarze Bewegung, die unserer demografischen Gruppe einen Staat schaffen will und gleichzeitig ein Gegner von Egalitarismus, Marxismus und Globalismus ist.

In jedem Fall signalisieren derartige Bewegungen einen Widerstand gegen staatlich orchestrierten Multikulturalismus und zeigen, dass man mancherorts doch gerne unter sich bleiben möchte. Wie erklären Sie sich das Verhalten der „humanitären“ Linken, die so gar nicht in der Lage zu sein scheint, dieses menschliche Bedürfnis zu akzeptieren?

Die sogenannte humanitäre Linke wandert in den Fußstapfen des Marxismus, dieser in ihrem Wesen parasitären Ideologie, welche die totale wirtschaftliche und soziale Gleichheit anstrebt und daher immer und überall zum Wegbereiter des Totalitarismus werden muss. Ich glaube nicht, dass die Linke einer weiteren Erklärung bedarf. Sie sind Feinde der libertären Philosophie und der Freiheit. Punkt.

Wie, glauben Sie, werden die USA im Jahr 2030 aussehen?

Das ist eine sehr komplizierte Frage. Ich glaube, dass die USA finanziell wohlhabener sein werden. Wenngleich der Staat seine autoritären Marktmanipulationen fortführen wird, habe ich keine Zweifel daran, dass die Kräfte des Kapitalismus und des Humanismus immer zwei Schritte vor dem bürokratischen Monster sein werden. Was die Kultur angeht, bin ich skeptischer und glaube, dass eine Fortführung des Kulturkampfes die USA sozial weiter spalten wird. Der politische Extremismus, den wir in diesen Tagen sehen, wird zunehmen und ich hoffe, dass dies der Nährboden für eine Auflösung der aktuellen Machtstrukturen und eine Hinwendung zu lokaleren Verantwortlichkeiten sein wird. In meiner Vision wird sich der nationale Diskurs dahingehend verändern, dass alle politischen Lager ihre Kultur durch Souveränität zu sichern versuchen, nicht durch Krieg (Politik). Ob man auf eine solche friedliche Lösung bauen sollte, lasse ich an der Stelle einmal dahingestellt.

Sicher haben Sie Europas Migrationskrise verfolgt. Was ist Ihre Perspektive auf Europa und ganz speziell Deutschland?

Deutschland und andere westliche Länder wurden durch ihre politische Elite in eine unglückliche Situation gebracht. Aus meiner Sicht könnt ihr euch den Luxus, eure sozialen und wirtschaftlichen Probleme von links anzugehen, nicht mehr leisten, da euer demografisches Überleben auf dem Spiel steht. Hier, in Amerika, blicken viele Libertäre darauf, wie sich die zunehmende Landnahme und die Ausbreitung des Terrorismus in Europa vollzieht, und selbst überzeugte „Multikultis“ erschauern bei dem, was sie sehen. Ich kann natürlich nur meine Sicht aus der Ferne beschreiben, muss aber sagen, dass ich echte Angst um eure Zukunft habe.

Würden Sie Libertären raten, sich mit Nationalisten zu verbünden, um diese Migrationsgefahr abzuwehren? Kann das – eine diskriminierende Migrationspolitik – überhaupt eine libertäre Position sein?

Ich würde argumentieren, dass eine diskriminierende Migrationspolitik die einzig realistische libertäre Position ist, insbesondere deshalb, weil die aktuelle Einwanderung ein europäisches Staatsprogramm ist. Wir sollten die offensichtlichen kulturellen, ethnischen und politischen Spaltungen, die sich aus unfreiwilliger Integration ergeben, nicht ignorieren – vor allem dann nicht, wenn diese mit einer Unterdrückung der Rechte des Individuums Hand in Hand gehen (Untergrabung der freien Meinungsäußerung, der Religionsfreiheit, der Eigentumsrechte, des Rechts auf Selbstverteidigung etc.). Das heißt freilich nicht, dass Libertäre die Einwanderung aus den gleichen Gründen wie die Nationalisten beschränken wollen, seien es Rassismus, Protektionismus, durch Propaganda geschürte Angst oder andere Dinge, die Libertäre ablehnen. Also: Ja, ich glaube, dass es vernünftig wäre, wenn Libertäre sich mit Nationalisten zusammenschlössen, um diese Gefahr zu bannen. Nur müsste man darauf Acht geben, dass man auch nach außen hin weiterhin als Freiheitsfreund wahrgenommen und nicht vom Image der autoritären Rechten vereinnahmt wird. Wir sind und bleiben Libertäre, auch wenn die Linksextremen und ihre „moderaten“ Zuarbeiter versuchen werden, uns als Kollaborateure des Faschismus brandzumarken.

Welche anderen Politikwechsel würden Sie einfordern? Welche libertären Lösungen können diesen „Zusammenprall der Kulturen“ entschärfen?

Da ich das Staatstheater mehr oder weniger verlassen habe, bin ich hier wohl die falsche Ansprechperson. Ich denke einfach, dass die wirklich libertären Lösungen nicht dadurch zustande kommen werden, dass wir den Staat darum bitten, sondern durch Kreativität und Innovationen auf dem Markt.

Abschließend: Welchen Rat würden Sie jungen Libertären geben, die ihre Stimme für die Freiheit erheben wollen, jedoch Angst haben angesichts des Weges, auf dem unsere Nationen und ihre zunehmend totalitären Staaten unterwegs sind?

Ich würde ihnen sagen, dass sie den Zeitpunkt ihres Aktivismus selbst wählen müssen. Der Staat wird sich nicht aus eigenem Antrieb zu einem Verbündeten der Freiheit wandeln, sondern weiterhin seine Macht gegenüber den Individuen ausspielen und sie unterdrücken. Kurzschluss-Aktivismus würde ich daher nicht empfehlen. Letztlich muss jeder selbst die Faktoren abwägen, die für ihn wichtig sind. Ich würde Libertäre, seien sie nun jung oder alt, also dazu ermutigen, standhaft in ihren Überzeugungen zu sein und ihren Aktivismus strategisch und individuell zu wählen.


“That Guy T” und seine Videos auf YouTube: https://www.youtube.com/user/ThatLibertarianT
Und auf Twitter: https://twitter.com/_BlackGuyT

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1 Kommentar

  1. Bravo…………….
    Ein ziemlich junger Mann ……..und mit viel Durchblick.
    Wunderbar was er zu “Black Lives Matter”” anmerkt.
    Für mich eine Links Bewegung, denn was die Schwarzen wollen, ist ein Staat der ihnen Vorrechte einräumt, sie versorgt, sie noch vor den Weissen absichert.
    Es ist bei “Black Lives Matter” wie mit dem Feminismus, es geht in Wahrheit um “Bevorzugung” und die kann nur der jetzt existierende Staat gewähren. Sie brrauchen diesen Staat …..den sie so oft ablehnen, dringendst.
    ——————
    Zitat :
    Ich würde argumentieren, dass eine diskriminierende Migrationspolitik die einzig realistische libertäre Position ist, insbesondere deshalb, weil die aktuelle Einwanderung ein europäisches Staatsprogramm ist.
    ——————
    Auch das ist Super……. Salon Libertäre meinen ja ständig das dies auch offene Grenzen beinhalten müsste.
    Ein ganz grosser Irrtum. Alle innovativen Gesellschaftmodelle sind im kleinen Rahmen viel effektiver und leichter umzusetzen.
    Libertäre Staaten sollten klein, begrenzt und für das betreffende Gebiet und die Gruppe auch Homogen sein.
    Einwanderung kein Problem, aber die welche man haben möchte.
    Die Schweiz könnte in einen Libertären Staat gewandelt werden….. sie hat alle Voraussetzungen dazu.
    leider wird aber eben auch mit Migration versucht ein Sozialistisches Wählerpotential zu gewinnen, was sie auch erreichen werden, wenn es nur lange genug weitergeführt wird.
    Ich kenne zwar etliche Migranten, gerade auch Vietnamesen die nun aber den roten Pass haben.
    Sie sind meist eher Konservativ eingestellt, ärgern sich darüber wie heute Eingebürgert wird.
    Was sie damals nach einer grossen Integrationsleistung als Auszeichnung entgegennahmen, wird heute nahezu verschenkt.
    Aber Links versucht hier ^von denen die Stimme zu bekommen indem sie unterschwellig Versprechungen machen bezüglich Familiennachzug, Nachzug der Eltern, Grosseltern usw.

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