Herman Mashaba ist wohl der ungewöhnlichste Bürgermeister in der Geschichte der größten südafrikanischen Stadt, Johannesburg. In einem Land das seit zwei Jahrzehnten vom linksgerichteten African National Congress (ANC) geführt wird, sah niemand den Sieg bei den erst jüngst geschlagenen Wahlen eines selbstdeklarierten Libertären und „capitalist crusader“ kommen. Mashaba, ein Mogul aus der Kosmetikbranche, gilt als Verfechter der Eigentumsrechte und entschiedener Gegner von Mindestlohn- und Zonierungsbestimmungen. Sogar in seiner eigenen, von Weißen dominierten zentristischen Demokratische Allianz (DA)galt der Neo-Bürgermeister als Außenseiter.

Self-made Millionär in schwieriger Koalition

Als Sohn von Hausangestellten wuchs Mashaba in einem schwarzen „Township“ in Pretoria in Zeiten der Apartheid auf. Seine Schwestern kümmerten sich hauptsächlich um die Erziehung. Dennoch schaffte es der Libertäre zum Millionär, in einem Land, das die Schwarzen jahrzehntelang systematisch von wirtschaftlichen Möglichkeiten ausschloss. Am 22. August trat er sein Amt an. Nun muss er eine schwierige politische Koalition zusammenhalten, die revolutionäre sozialistische Wirtschaftsfreiheitskämpfer (EFF) einschließt. Der Versuch eine antiregulierende und pro-marktpolitische Agenda umzusetzen, scheint gewagt.

Das Magazin für freien Geist und freien Markt, reason.com, führte mit dem designierten Bürgermeister ein Interview, das auf konterrevolution.at zusammenfassend wiedergegeben wird.

Kapitalismus, Apartheid und die Skepsis unter Schwarzen

Auf die Frage, ob ein kapitalistisch orientierter Politiker nicht Schwierigkeiten unter der traditionell eher linksgerichteten schwarzen Bevölkerung habe, da das Apartheidsregime sich den Kapitalismus ja ebenfalls auf die Fahnen heftete, entgegnete Mashaba, der Kapitalismus müsse konkret definiert werden. Der Kapitalismus sei für ihn jedenfalls das Recht, sich und seine Familie zu ernähren und für seine Familie ohne staatliche Intervention zu sorgen. Viele Schwarze wären von linken Versprechungen, insbesondere in Zeiten des global agierenden Kommunismus, geblendet worden.

Die Rolle des Staates sei es, ihn vor Leuten zu beschützen, die ihn eventuell nach dem Leben trachten und Gerichte bei Rechtsstreitigkeiten bereitzustellen, ebenso wie Infrastruktur. Das ist die Rolle der Regierung für den Bürgermeister. Er brauche jedoch keine Regierung, die ihm sagt was er tun muss, um seine Familie zu ernähren. So sei es auch ein Recht der Bürger, nicht arbeiten zu wollen. Man kann im Umkehrschluss aber auch nicht erwarten, dass andere Menschen einem dann helfen.

Arbeite für dich selbst, nicht für andere

Mashaba bleibt bei seiner Kritik an dem Konzept der staatlich verordneten Arbeitsmoral. Er sei zwar dafür, dass es unter gewissen Umständen kurzfristige, staatliche Interventionen gibt, schließlich brauchen dies anscheinend manche Menschen, doch bei der Arbeit müsse jeder selbst entscheiden. Keine Regierung dürfe die Menschen zwingen, zu arbeiten. Ebenso darf keine Regierung von ihren Bürgern verlangen für sie zu arbeiten, um anschießend festzulegen, wie viel für wie viele Stunden bezahlt wird.

Diese Richtlinien und Politiken behindern Entwicklung, so der Libertäre. Gewerkschaften etwa, würden in Südafrika aufgrund ihrer Macht die Menschen kontrollieren. Menschen die hart arbeiten dürfen nicht mehr belohnt werden, da das Prinzip der „Gleichheit“ gilt. Gewerkschaften hindern die Menschen daran, das Beste zu sein, was sie sein können. So muss Mashaba den Menschen genau das gleiche bezahlen, unabhängig davon, ob sie hart arbeiten oder nicht.

Ist Kapitalismus gleich Ausbeutung?

Basierend auf seinen ersten Arbeitserfahrungen und seinem späteren Werdegang, ist der Kapitalismus für Mashaba keineswegs gleichzusetzen mit Ausbeutung. Er sieht in viel eher als Möglichkeit der individuellen Weiterentwicklung. So sei er bei seinen Berufen stets dank der gesammelten Erfahrung zu einem nächstbesseren aufgestiegen, mit besserer Bezahlung und besseren Entfaltungsmöglichkeiten.

„I would like to encourage youngsters and others: don’t work for others. Work for yourself. Because I’m telling you no employer will want to lose a good working person.“

Die Linke führt das Land in den Abgrund

Scharfe Kritik übt Johannesburgs Bürgermeister auch an der linken Regierung unter dem ANC. Für viele Menschen sei es in Südafrika heute schwieriger eine Idee umzusetzen und ein Unternehmen zu gründen als noch zu Zeiten der Apartheid. Der ANC habe schwarze Talente, wie schwarzen Unternehmergeist zerstört. Befindet man sich nicht im inneren Kreis der Parteigünstlinge, hat man keine Chance.

Mashaba selbst möchte sich insbesondere der grassierenden Arbeitslosigkeit annehmen und dieses brisante Thema immer wieder auf das politische Tapet bringen, da er selbst relativ wenig Einfluss auf Arbeitsgesetze und Beschaffungsmaßnahmen ausüben kann. Die Leute müssten schließlich verstehen, welche Auswirkungen die Arbeitslosigkeit auf den Gesamtzustand der Wirtschaft hat.

Straßenhändler und unsoziale Maßnahmen

Ein weiteres großes Problem, dem sich Herman Mashaba annehmen möchte, sind die tausenden arbeitslos gewordenen Straßenhändler. Der ANC verbannte diese kurzerhand von den Straßen der Stadt. Dies hatte zur Folge, dass diese Maßnahme zur größten Quelle der Arbeitslosigkeit für ungelernte Menschen wurde. Mashaba meint, der ANC hätte ihnen stattdessen Arbeit in Fabriken und Manufakturen anbieten müssen. Doch die antikapitalistische Haltung der Partei verhindere das.

Wenn Geschäfte des Privatsektors erlaubt und gefördert würden, müssten die Straßenarbeiter keine Kartoffel für $ 1,50 pro Tag verkaufen, sondern könnten in einer Fabrik für $ 9,70 pro Tag arbeiten und zudem Arbeitserfahrung sammeln.

Ehrlicher Politiker im Korruptionssumpf

Am Ende des Interviews gibt Mashaba noch seine Ziele der ersten Amtszeit aus. Er möchte die Arbeitslosigkeit in Johannesburg von 31 auf 20 Prozent reduzieren. Auch den Geschäftssektor möchte er beleben und fördern, um im Gegenzug Mittel für Sozialhäuser und den Ausbau der Infrastruktur zu haben. Sollte ihm das nicht gelingen, so der Bürgermeister ehrlich, möchte er auch nicht, dass ihn die Wähler der Stadt wiederwählen.

Beitragsbild: Francisco Anzola/flickr (CC BY 2.0)

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