Während sich der Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit in punkto Afrika momentan vorrangig auf Nordafrika konzentriert, gerät die prekäre Lage in Ostafrika, primär Somalia, in den Hintergrund. Doch Grund zur Sorge ist gegeben: Die radikal-islamische Al Shabaab Miliz ist stark wie selten zuvor und setzt ihren Vormarsch am Horn von Afrika nahezu ungehindert fort.

Einnahme von strategisch wichtiger Stadt

Die Al Shabaab Miliz verfügt derzeit, divergierender Informationen zufolge, über 300 und 1000 Kämpfer. Das mag sich zunächst nicht nach vielen anhören, jedoch ist die Unterstützung aus den Reihen der Bevölkerung, wie jener der ausländischen Sympathisanten nicht zu unterschätzen. Die Erfolge der Guerilla-Taktik können sich in jüngster Zeit sehen lassen. Vergangenes Wochenende wurde die strategisch wichtige Stadt Halgan im Distrikt Hiiran von den Islamisten eingenommen.

Geschehen konnte dies, weil die dort stationierten äthiopischen Truppen der Afrikanischen Union und ihrer “African Union Mission in Somalia (AMISOM)” abgezogen wurden. Bewohner der Stadt berichteten, dass nur wenige Stunden nach dem Abzug Milizionäre der Miliz eintrafen und die lokalen Verwaltungsgebäude, wie die Polizeistation widerstandslos einnahmen. Der freie Raum wird von der Al Shabaab nicht nur geschickt sondern auch rasch eingenommen.

Truppenabzug gibt Rätsel auf

Es war dies bereits der zweite, überhastete Truppenabzug äthiopischer Soldaten aus einer strategisch wichtigen Stadt in Somalia. Hintergrund dürfte die angespannte Lage in Äthiopien selbst sein, wo seit Wochen tausende Menschen für mehr demokratische Partizipation auf die Straßen gehen. Halgan war dabei als Ausgangs- und Koordinationspunkt für die Operationen der somalischen Armee mit AMISOM von zentraler Bedeutung.

Umso mehr stärkte die Einnahme nun das weitere Vorgehen der Al Schabaab gegen die ohnehin nur in der Hauptstadt Mogadischu legitimierte Regierung. Kurz nach der kampflosen Einnahme der Stadt, detonierte in Mogadischu eine Autobombe und tötete dabei mindestens drei Menschen. Der Terror richtet sich dabei vor allem gegen die Zivilbevölkerung, um Hass gegen die Regierung zu schüren, die wiederum machtlos dem Terror gegenübersteht.

Angriffe am laufenden Band

Auch die Stadt Afgoye, rund 30 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, wurde vergangene Woche Ziel eines Angriffs. Die Polizeiwache und andere wichtige Gebäude wurden gestürmt, mindestens zehn Menschen fanden den Tot. Die Strategie war auch hier die selbe: Bevor Soldaten der AMISOM eintrafen, verschwanden die Milizen wieder in der Wüste. In der Stadt habe sich die Lage mittlerweile normalisiert, sagte der örtliche Polizeisprecher Abdukadir Ahmed. Die somalischen Regierungstruppen hätten wieder die Kontrolle übernommen.

Dennoch nähern sich die bewaffneten Angriffe mit rasender Geschwindigkeit Mogadischu. Jener Sadt, die erst im Jahr 2011 von den Islamisten befreit werden konnte.

Al Shabaab als Produkt westlicher Interventionen

Doch warum kommt Somalia nach Jahren des blutigen Bürgerkrieges nicht zur Ruhe? Immerhin gilt das ostafrikanische Land als Paradebeispiel des “failed state”. Wie so oft liegt der Grund in ausländischen Partikularinteressen. Bis zum Jahr 2006 wurde das Land von der “Union der Islamischer Gerichtshöfe (UIC)” geführt. Einer Koalition aus somalischen Klan-Ältesten und führenden, religiösen Oberhäuptern und Scheichs. Der Union gelang es weite Teile des gespaltenen Landes zu einen und Räume des Friedens und auch der Prosperität zu schaffen.

Das Land am Horn von Afrika ist zudem von strategischer Wichtigkeit für westliche Militärpräsenz im Nahen Osten, im indischen Ozean aber auch in Rest-Afrika. 2006 gaben UNO, AU und letztlich auch die USA der äthiopischen Armee grünes Licht, Somalia zu invadieren und die bestehende Regierung zu stürzen. Äthiopien und Somalia sind seit jeher Verfeindet. Nach der Invasion wurden Belohnungen auf die Köpfe der Führer der UIC ausgesetzt, diese mussten sich ins Ausland absetzen. Zurück blieb eine Bevölkerung die sich angesichts der Okkupation ihres Landes in Nationalismus und natürlich auch Islamismus flüchtete. Der Nährboden für die Al Shabaab wurde damit bereitet.

Genau wie in Libyen, dem Irak oder Afghanistan entfachte, finanzierte und führte der Westen den Sturz einer unabhängigen, nationalistischen Regierung und schuf Bedingungen, in welchen Fanatismus und Terror gedeihen konnte. Nun werden Milliarden an Finanzhilfen in das Land gesteckt um einen Krieg zu beenden, der nie hätte entflammen müssen.

Beitragsbild: Carl Montgomery/flickr (CC BY 2.0)

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