Im Zuge des geschlagenen US-Wahlkampfes, aus dem Donald Trump als Sieger hervorging, führte der prominente Whistleblower und Freiheitsaktivist Edward Snowden ein Interview mit dem Fernsehsender Russia Today. Übergeordneter Inhalt der Veranstaltung war neben Überwachung, Privatsphäre und unser Umgang damit, die Auswirkung der US-Wahl. In der Fragen & Antworten Runde kritisierte der im russischen Exil lebende Snowden vor allem den autoritären Stil des vergangenen Wahlkampfes und die bedingungslose Hoffnung vieler Bürger auf das überbewertete Amt des Präsidenten.

Snowdens Kritik an dem Schauspiel Politik

In dem rund einstündigen Interview wurden zahlreiche interessante Fragen an Edward Snwoden gestellt, die er mit klugen und tiefgehenden Antworten versuchte zu klären. Von Plattitüden und oberflächlichen Floskeln, wie sie in der Politik gang und gäbe sind, war wenig zu merken. So wurde der Exilant beispielsweise gefragt, ob er einen bestimmten Wahlausgang in Hinblick auf seine mögliche Amnestie und Rückkehr in die USA bevorzugt hätte oder ob der Ausgang überhaupt einen Einfluss darauf habe.

Snowden meinte nur die Wahl hätte ohnehin nichts mit seiner Person zu tun gehabt, viel eher störte ihn der autoritäre und aggressive Ton des vergangenen Wahlkampfes und auch die inhaltliche leere der Kandidaten. Die Politik sei nichts weiter als ein gut inszeniertes Schauspiel zur Ablenkung der Massen, das wurde einmal mehr in aller Klarheit deutlich.

Die Hoffnung auf einen Heilsbringer ist vergebens

Snowden kritisierte auch den nun scheidenden US-Präsidenten Barack Obama. Viele Menschen in den USA, aber auch weltweit, setzten geradezu messianische Hoffnungen in den scheidenden Präsidenten, weil er den Leuten einfach das Blaue vom Himmel versprach und das in einer sympathischen Art und Weise. Doch das Gegenteil trat ein. Die Ankündigung Massenüberwachung zu beenden wurde ins Gegenteil verkehrt. Immer mehr Menschen wurden unter der Obama-Administration, etwa von der NSA, überwacht. Snowden selbst musste unter Obama ins Exil, nur deshalb weil er diese Missstände an die Öffentlichkeit brachte.

Daher müssen Menschen aufhören ihre Ängste und Hoffnungen an gewählte Präsidenten, dies gilt natürlich auch für Regierungen, zu binden.

“We should be cautious about putting too much faith or fear into elected officials. At the end of the day, this is just a president.”

Die Eigenverantwortung wahrnehmen

Wenn die Menschen wahre Veränderung in der Welt haben möchten, sollten sie nicht warten bis eine Autorität auftritt und diese Veränderung lediglich verspricht, aber nie umsetzt. Viel eher müsse der Mensch selbst die Veränderung in Gang setzen. Snowdens Geschichte des zivilen Ungehorsames, gibt Anlass genug diesem Beispiel zu folgen. „Wenn wir eine bessere Welt anstreben, dürfen wir nicht auf Obama warten oder vor Trump Angst haben, wir müssen sie selbst errichten“, so der Whistleblower.

Snowden spricht damit direkt die Eigenverantwortung des Einzelnen an. Viel zu oft verlassen wir uns, sozialisiert durch einen scheinbaren Konformismus, auf Heilsbringer und Lichtgestalten, die uns aber letztlich nicht unsere ur-eigensten Bedürfnisse nach Freiheit und Selbstbestimmung ermöglichen können und auch werden. Staaten, Politiker und Regierungen fungieren mittlerweile als „Gott-Ersatz“. Der Glaube, das Vertrauen in sie ist meist blind. Die gebrochenen Hoffnungen schlagen dann rasch in Wut und Kritik um. Dabei manifestiert sich die Politik als Projektionsfläche für Unglück und Schmerz. Doch sind es immer wieder wir selbst, die jene Hoffnungen und Enttäuschungen von Wahl zu Wahl neu aufbauen.

Würde die Welt nicht ein besserer Ort sein, wenn die Menschen öfter nach innen schauen und Eigenverantwortung wahrnehmen, anstatt ihre Hoffnungen und Ängste in irgendeinen entgrenzten Führer zu setzen? Wären wir nicht zufriedener, wenn wir so etwas tun würden?

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