Ein Blick auf den südostafrikanischen Staat Simbabwe lohnt sich nicht nur ob der jüngsten geopolitischen Entwicklungen, die unter anderem zur Absetzung des Langzeitherrschers Robert Mugabe – dem “letzten Diktator Afrikas” – im Herbst vergangenen Jahres führten. Auch die Wirtschaft des rohstoffreichen Landes gibt aufschlussreiche Rückschlüsse auf künftige Entwicklungen, die nicht nur das südliche Afrika sondern auch die westliche Welt betreffen könnten. Denn in Simbabwe ist eine bargeldlose Gesellschaft seit geraumer Zeit defacto Lebensrealität der rund 13 Millionen Einwohner. Warum dies so ist, wie die Menschen damit umgehen und was zukünftig zu erwarten ist, soll hier näher erläutert werden.

Hyperinflation, Misswirtschaft und Enteignungen

Simbabwe ist den wenigen Menschen, die sich mit dem Land ernsthaft auseinandergesetzt haben, vor allem durch seine Hyperinflation ein Name. Der afrikanische Staat galt als als jenes Land weltweit, das die höchste je gemessene Inflationsrate und die größte Geldentwertung vorzuweisen hatte. Die Währungsinstabilitäten sind eng verknüpft mit einer anti-kolonialen und größtenteils rassistischen, anti-weißen Politik auf Landesebene. Doch von Beginn an: Kurz nach der Unabhängigkeit des Landes Rhodesien 1980, florierte die Wirtschaft, getrieben primär von der Landwirtschaft und der Tabakindustrie. Beide Bereiche waren maßgeblich vom weißen Teil der Bevölkerung verwaltet. Ende der 1980er Jahre setzte sich Robert Mugabe jedoch in den Kopf, stark kommunistisch orientierte Wirtschaftsmaßnahmen vornehmen zu lassen. Diese beinhalteten unter anderem weitreichende und tiefgreifende Landreformen, auch um das kostspielige Engagement Mugabes im zweiten Kongo-Krieg finanzieren zu können (dieses kostete das Land Schätzungen zufolge 23 Millionen US-Dollar pro Monat). Die Landreformen sahen vor, größtenteils weißen Farmern ihr Land zu enteignen. Zwangsweise und mit äußerster Brutalität. Der Grund waren aber nicht unbedingt Ressentiments gegen Weiße – auch schwarzer Farmer wurden enteignet -, sondern deren Unterstützung für die politische Opposition im Lande, die de facto verboten war. Die enteigneten Ländereien erhielten im Gegenzug (ausgewählte und parteitreue) Bürger Simbabwes. Doch dabei blieb es nicht. Um möglichst alle Weißen und Oppositionelle aus dem Land zu vertreiben, erschwerte bzw. verbot man ihnen jegliche Geschäftstätigkeit im Land, was zu einem Massenexodus weiter Teile der produktiven und wirtschaftstreibenden Bevölkerung führte. Ein ähnlich fatales Vorgehen zeichnet sich momentan im Nachbarland Südafrika ab, wohin die enteignete Bevölkerung damals primär floh. Auf Konterrevolution erschien bereits ein Artikel über die prekäre Situation in Südafrika: Regierungskrise und Enteignungsphantasien.

Damit wurde eine ökonomische Abwärtsspirale ungeahnten Ausmaßes in Gang gesetzt. Die einstige Kornkammer Afrikas wurde ausgeplündert. Denn die wenigsten regierungstreue “Neo-Farmer” hatten Erfahrung in landwirtschaftlichen Belangen. Die Folge war das komplette Erliegen der landwirtschaftlichen Produktion, in einem der ohnehin ärmsten Länder Afrikas. Missernten führten zu Hungersnöten, aufgenommene Kredite konnten nicht zurückbezahlt werden. Staatliche Haftungen für nie erbrachte Einnahmen aus der Landwirtschaft ruinierten andere Teile der Wirtschaft. Letztlich crashte der Bankensektor und sämtliche Wirtschaftstreibende (einschließlich der Farmer) waren nicht in der Lage, frisches Geld für Ausgaben und Investitionen zu akquirieren. In Zahlen fiel die Nahrungsmittelausgabekapazität um ganze 45 Prozent. Die Arbeitslosigkeit stieg auf unglaubliche 80 Prozent an. Und auch die ohnehin geringe Lebenserwartung sank weiter. Mittlerweile lockt Simbabwe weiße Farmer wieder zurück ins Land, etwa mit 99-jährigen Pachtverträgen auf Farmland, welches normalerweise nur für fünf Jahre verpachtet wird.

Ein weiterer Faktor des ökonomischen Niedergangs, hervorgerufen durch eine quasi-wertlose Nationalwährung, waren auch die Wirtschaftssanktionen der USA, der EU und des IWF gegen das Land, respektive seine politischen Vertreter. Denn dadurch wurde der Handel mit und in Simbabwe für Ausländer massiv erschwert, zumindest für westliche Firmen und Privatpersonen. China konnte in dieser Zeit ungehindert Fuß fassen in dem rohstoffreichen Staat. Die Antwort der Regierung Mugabe auf all diese Entwicklungen war klassisch sozialistisch: Man ließ die Nationalbank einfach mehr Geld drucken und in Umlauf bringen, was die Hyperinflation zusätzlich befeuerte. Ebenso wurde “Inflation” unter Strafe gestellt. Jedem, der Preise anhob, drohte eine Gefängnisstrafe. Das zusätzliche Geld wurde zudem größtenteils an Systemgünstlinge und Regierungsmitglieder umgeschichtet. All das zerstörte zusätzlich das Vertrauen in eine Währung, die nicht einmal mehr das Papier wert war, auf dem sie gedruckt wurde. Weder die Ausgabe von Banknoten mit höheren Stückelungen, noch die Proklamation neuer Währungsregime, stützten das Vertrauen der Inhaber in die Währung. Die von der Regierung angekündigten Rechtsmittel enthielten nie eine glaubhafte Grundlage für die Währungsstabilität. 

Dies führte zu Infaltionsraten im Millionen und gar Milliardenbereich. 2008 erreichte die Preissteigerung 11,8 Millionen Prozent, zeitweise sogar 79 Milliarden (!) Prozent, was die Währung endgültig kollabieren ließ. Denn ab einer bestimmten Zeit weigerte sich das simbabwische Finanzministerium einfach, offizielle Inflationsstatistiken auszugeben. Die Preissteigerung legte täglich um 50 Prozent zu, selbst ein 100-Milliarden-Dollar-Schein war praktisch wertlos. 2009 stellte man schließlich die Ausgabe neuer Simbabwe-Dollars ein und setzte auf einen Mix aus ausländischen Währungen im Wirtschaftskreislauf. Im Jahr 2015 kam durch eine Demonetisierung auch das offizielle Ende der Währung zu tragen. Seither bilden sich lange Warteschlangen vor sämtlichen Banken. Überweisen Bürger Geld auf ihre Bankkonten, ist dieses automatisch um 40 Prozent weniger Wert als vor der Überweisung. 

Ausländisches Bargeld und Kryptowährungen als “Retter”

Um die wertlose Nationalwährung des Simbabwe-Dollar zu umgehen, setzten die Bürger ebenfalls auf ausländische Währungen, allen voran den (nicht weniger wertlosen) US-Dollar. Ausländische Währung wurde ohnehin benötigt, um Waren zu importieren. Doch der US-Dollar kann von der Zentralbank des Landes nicht gedruckt und somit auch nicht ausgegeben werden. Ebenso herrscht ein massiver Mangel an Dollars, da es kaum ausländische Investitionen im Land gibt, geschweige denn Devisen.

So wurde neben weit verbreiteten Schuldkarten und Handy-Bezahlsystemen eine weitere Sparte entdeckt, um der wertlosen Währung, der Bankenwillkür in Form von hohen Gebühren und den Restriktionen der Regierung (beispielsweise wurden Bargeldabhebungen massiv eingeschränkt und Finanztransaktionen ins Ausland verboten) zu entgehen: Der Kryptowährungsmarkt, mit seinen Vorteilen der Dezentralität, Anonymität und schnellen Abwicklung von Geschäften. Immer öfter wird Geld aus dem Ausland in Bitcoin und Co. in das Land transferiert – selbst wenn dafür dabei im internationalen Vergleich viel höhere Kosten für den Einkauf von Kryptowährungen entstehen. Das hat auch letztlich zur Folge, dass der Bitcoin-Kurs an der simbabwischen Exchange dafür immer höher ist als im Rest der Welt. So etablierte sich eine eigene Kryptobörse namens Golix in Simbabwe. Golix stellte im April sogar einen ersten Krypto-Automaten in der Hauptstadt Harare auf. Dadurch können die Bürger nun direkt am Automaten sowohl Bitcoin als auch Litecoin kaufen und verkaufen. Damit nimmt das afrikansiche Land eine Art Vorreiterrolle im Kryptowährungsbereich auf dem Kontinent ein. Und kürzlich eröffnete auch eine zweite Kryptobörse ihre Pforten in Simbabwe. Styx24, so der Name des noch jungen Unternehmens, stellte ebenfalls einen Automaten für Bitcoins auf. So ensteht in einem desolaten Wirtschaftsumfeld ein kompetitives Wachstum, wenn auch bisher nur in kleinem Rahmen. Mit Bitcoins und Co. können Mieten und Essen bezahlt oder auch Eigentum jeglicher Art erworben werden. Denn die Nachfrage ist ob der verbotenen Finanztransaktionen ins Ausland enorm. So kommt es, dass Simbabwe wohl die bargeldloseste Gesellschaft der Welt ist (vielleicht mit Ausnahme Schwedens).

Übrigens: Auch im sozialistisch heruntergewirtschafteten Venezuela setzen viele Bürger mittlerweile auf Kryptowährungen, um überleben zu können. Immer mehr Universitätsabsolventen und junge Unternehmer entkommen mit dem Minen von Kryptowährungen der staatlichen und letztlich auch monetären Willkür. Einziger Wermutstropfen dieser Technologie: Ihre Abhängigkeit von Strom und ihre massive Volatilität, die durch Spekulationen an den Finanzmärkten befeuert wird.

Letztlich bleibt in Simbabwe – trotz acht offiziell als Zahlungsmittel anerkannten ausländischen Währungen – die US-Dollar-Hegemonie bestehen, was vor allem den USA und ihren Ressourcenextraktionen in der Region zugutekommt. Aber der Wind könnte sich auch zugunsten Chinas drehen. Überall auf der Welt wird der Petro-Dollar neuerdings angegriffen oder zumindest infrage gestellt. Der Welthandel könnte bald neue Weltwährungen, wie den Yuan, erleben. Im Jahr 2015 wagte der simbabwische Finanzminister Patrick Chinamasa einen Vorstoß, wonach die Hauptreservewährung und das gesetzliche Zahlungsmittel auf chinesischen Yuan umgestellt werde, nachdem China simbabwische Schulden in der Höhe von 40 Million US-Dollar annullierte. Doch die Zentralbank des Landes machte dem Minister einen Strich durch die Rechnung, was wiederum darauf schließen lässt, dass massive ausländische Interessen hinter der Zentralbankpolitik Simbabwes und letztlich den Ressourcen des Landes stehen.
 

Beitragsbild: Brian Gratwicke/flickr (CC BY 2.0)

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1 Kommentar

  1. Die meisten Bürger begreifen garnicht, das es in Bunteland kein Grundeigentümer gibt, nur Grundbesitzer, denn auf Eigentum braucht man keine Steuern bezahlen. Wenn man Grundsteuer bezahlen muß aber nicht kann, dann ist man sehr schnell seinen Grundbesitz” wieder los. Ich befürchte das Merkelregime wird die Neuregelung der Grundsteuer dazu nutzen um viele Bürger zu enteignen. So werden viele Deutsche aus ihren Immobilien vertrieben, die dann von dem Regime mit den Steuergeldern der Enteigneten günstig übernommen werden können. Anschließend steht dann genügend Wohnraum für den beabsichtigten millionenfachen Familiennachzug der Goldstücke zur Verfügung.

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