Seit Jahren fordern Menschenrechtsgruppen weltweit die genaue Offenlegung der Anzahl an Todesopfer durch Drohnenangriffe. Vor allem die zivilen Opfer wurden bisher im großen Stil verschwiegen. Nun veröffentlichte die Obama-Administration in den USA einen Report zu den Drohnentoten der letzten Jahre. Die Zahlen dürften aber bei weitem nicht stimmen.

Die USA und ihr schmutziger Drohnenkrieg

Die USA setzen als einzig bekanntes Land der Welt unbemannte, bewaffnete Drohnen ein, um potentielle Feinde überall auf dem Globus auszuschalten. Seit 2004 laufen diese Attacken, damals noch von der Bush-Administration abgesegnet und implementiert. Friedensnobelpreisträger Barack Hussein Obama führte diese Praxis in den 8 Jahren seiner Regentschaft “erfolgreich” weiter. Laut einem Report des “Director of National Intelligence (DNI)”, flogen die USA von 2009 bis 2015 473 Drohnenangriffe außerhalb von Kampfzonen wie Afghanistan, Irak oder Syrien. Die meisten dieser Angriffe geschahen in Pakistan, Somalia, Libyen und dem Jemen. Getötet wurden 64 bis 116 Zivilisten und 2.581 “Feinde”, so der Report. Während laufend Berichte über Drohnenangriffe in Kriegsgebieten, zum Beispiel auf gegen den Islamischen Staat, veröffentlicht werden, war dies der erste Report zu Angriffen außerhalb der bekannten Kampfzonen.

Lockheed D-21 supersonic drone, AMARC

Dies geschah jedoch nicht aus humanistischen Stücken, sondern aufgrund jahrelanger Proteste von Menschenrechtsgruppen gegen die rechtswidrige Praxis des Drohnenkrieges. Die “American Civil Liberties Union (ACLU)” bezweifelt die veröffentlichten Zahlen bereits.

“It’s hard to credit the government’s death count, which is lower than all independent assessments.”

…so Hina Shamsi, die Direktorin des “ACLU’s National Security Project”.

Die Vorwürfe beziehen sich immer noch darauf, dass mehr Zivilisten bei Drohnenangriffen sterben als die Regierungsverantwortlichen in Washington jemals zugeben werden.

Jeder kann potentielles Drohnenopfer werden

Ein weiterer Kritikpunkt am Drohnenkrieg, ist die fehlende Transparenz. Weder die Identitäten der getöteten Menschen, noch die Definitionen, welche jemanden zu einem potentiellen Ziel machen, werden veröffentlicht. Die US-Regierung gibt sich selbst die Legitimität, jeden für die USA potentiell gefährlichen Menschen weltweit mit einer Drohne auszuschalten. Ohne öffentliche Rechtfertigung, ohne Anklage, ohne Verfahren und letztlich ohne Rechtsspruch.

Das Weiße Haus hat inzwischen einen Leitfaden mit dem Titel “best practices and procedures” erstellt, der Drohnenangriffe, egal wo, in eine dauerhaft legale Rechtsstruktur einbetten soll, nachträglich versteht sich. Der nächste Präsident der USA, man(n) kann nur hoffen es wird nicht Wallstreet-Liebling Hillary Clinton, kann den Drohnenkrieg übrigens durch eine einfache Direktive wieder beenden.

Die ungeschönten Zahlen der Drohnentoten

Schenkt man den Zahlen des Bureau of Investigative Journalism glauben, gab es alleine in Pakistan seit 2004 bis zu 1.000 zivile Todesopfer durch Drohnenangriffe. 172 bis 207 davon waren Kinder. In Somalia waren es seit 2007 an die 400 Opfer, im Jemen seit 2002 bis zu 600. Für Libyen liegen keine aktuellen Daten vor, die Zahlen dürften sich aber mit jenen der anderen erwähnten Staaten gleichen, denn alleine 2012 wurden 40-70 Zivilisten durch Drohnen getötet. Interne Dokumente der US-Geheimdienste belegen zudem, dass alleine in Afghanistan 90 Prozent, oder 9 von 10 Drohnenangriffe, zivile Opfer treffen. Die 10-prozentige Erfolgsrate der Drohnenangriffe verdeutlicht, wie fern die videospielartige Tötung von Menschen bereits jeglichen offiziellen Regierungszielen ist.

Die UNO sprach zwar “schon” im Jahr 2014 von einer möglichen Verletzung der Menschenrechte, wenn unbemannte Kriegsgeräte zum Zwecke der “Rechtsdurchsetzung” Menschen töten, doch wie so oft verhallten die Worte der Vereinten Nationen. Warum sollten sich die USA auch Kritik jener Organisation aussetzen, welche sie selbst mit den meisten finanziellen Zuwendungen finanzieren. Es verwundert daher auch nicht, dass bisher keine Person, Institution oder Regierung für diese Vergehen vor einem internationalen Gericht zur Verantwortung gezogen wurde.

Beitragsbild:Bill Abbott/flickr (CC BY-SA 2.0)

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