Im Zuge des Kongresses “Verteidiger Europas” vergangenes Wochenende in Linz, hatte konterrevolution.at die einmalige Chance mit der bekannten syrischen Bloggerin Maram Susli * über die Lage im Nahen Osten, die geopolitischen Interessen des Westens und die Migrationskrise in Europa zu sprechen. Dabei gab die in Australien lebende Bloggerin tiefgreifende Einblicke.

Der Syrienkrieg als Auslöser der Migrationskrise

Für die aktuell stattfindende Migrationskrise in Europa macht Susli vor allem das Engagement der USA in Syrien verantwortlich. Der Bürgerkrieg wurde maßgeblich von NATO-Staaten forciert, um die im Westen unbeliebte Regierung Bashar al-Assads zu stürzen. Die autarke syrische Energie- und Regionalpolitik, insbesondere im Erdölsektor, sowie Vorbehalte gegen das Nachbarland Israel (aufgrund der widerrechtlich besetzten Golanhöhen) waren vielen westlichen Staaten seit geraumer Zeit ein Dorn im Auge. Wie bereits in Libyen, wollte man auch in Syrien rasch ein neues, vom Westen kontrolliertes Regime installieren.

Die bereits nichtmehr zu leugnende Unterstützung syrischer Rebellen- und Islamistengruppierungen durch westliche Politiker konnte Susli unter anderem mit Fotos des US-amerikanischen Außenminister John Kerry aus dem Jahr 2013 belegen. Auf diesen ist er mit Angehörigen des Islamischen Staates (IS) abgelichtet. Die USA sind nach Saudi-Arabien die größten Financiers radikaler, bewaffneter Gruppierungen in Syrien. Im Westen als „NGOs“ betitelte Organisationen in Syrien, unterstützen zudem häufig offen islamistische Gruppierungen. Ein weiteres Indiz waren Fotos aus einem US-finanzierten Flüchtlingslager, von welchem Dschihadisten Nachwuchs rekrutieren.

Ein weiterer Faktor war die (bewusste) Öffnung der Grenzen in der Türkei. Dies verhalf zahlreichen ausländischen Dschihadisten und Gotteskriegern, viele davon aus Europa, ungehinderten Zugang nach Syrien zu erlangen. Bis heute duldet dies die Türkei aus Eigeninteresse heraus.

Warum fliehen alle nach Europa?

Das Einsickern ausländischer Kämpfer wirkte folglich wie ein Brandbeschleuniger für den Bürgerkrieg. Plötzlich waren Syrer gezwungen, in ihrem eigenen Land vor den Kämpfen zu fliehen. Bis zu 800.000 Flüchtlinge machten sich so zunächst auf den Weg in die Nachbarländer und später nach Europa. Doch warum?  Zum einen weil die ausländischen Wirtschaftssanktionen, welche gegen Syrien verhängt wurden, zu einer weiten Verarmung unter der Bevölkerung führten und die syrische Wirtschaft nachhaltig schädigten.

Zum anderen gilt Europa unter Menschen im Nahen Osten als reicher Kontinent, der wirtschaftliche Perspektiven bieten kann. Doch laut Susli wollen nahezu alle Syrier letzten Endes wieder zurück in ihr Heimatland, sobald der Krieg vorüber ist. Einem raschen Ende des Krieges stehen jedoch ganz andere Interessen im Wege, nämlich jene der Globalisten.

Verzerrtes Medienbild über Flüchtlinge

Die Syrerin kritisierte vor allem die Polemik westlicher Medien. Diese würden das Bild syrischer Flüchtlinge völlig verzerrt wiedergeben. Lediglich 20 bis 30 Prozent der Migranten, die aktuell nach Europa flüchten, sind Syrer, hätten also theoretisch einen akuten, kriegsbedingten Flüchtlingsgrund. Der Rest komme aus Afghanistan, Irak oder Libyen. Natürlich herrscht auch dort Krieg. Jedoch muss man sich bewusst machen, dass dies allesamt Staaten sind, in denen die NATO Kriege führt(e). Die Agenda der Medien ist es jedoch nicht auf dieses Faktum hinzuweisen, das könnte ja die Auftraggeber vergrämen, sondern Nordafrikaner und Migranten anderer Weltgegenden als Syrer zu klassifizieren, um deren unrechtmäßige Einreise nach Europa zu legitimieren. Begünstigt wird diese Klassifizierung durch tausende gefälschte syrische Reisepässe, die sich im Umlauf befinden.

Syrien, so die Bloggerin, wäre jedoch in der Lage, seine eigenen Landsleute zu beherbergen und auch zu versorgen. Als Beispiel nannte Susli zwei Millionen irakische Flüchtlinge, die seit mittlerweile zehn Jahren in Syrien leben und auch vom Staat versorgt würden. Nicht aber in Zeltstädten sondern in festen Häusern.

Die Regime-Change-Propaganda

Ebenfalls heftig kritisiert wurde der immer wieder angestrebte „Regime-Change“ in Syrien. Dieser würde keinesfalls, wie propagiert, die Flüchtlingskrise in Europa beenden. Im Gegenteil: Durch die westlichen Sanktionen wird der syrische Nationalstaat dauerhaft unterminiert und dessen Fähigkeit, im eigenen Land für Ordnung zu sorgen, untergraben.

Die Wirtschafts- und Politeliten des Westens hätten jedoch ein massives Interesse an dem Bürgerkrieg in Syrien, den damit einhergehenden Flüchtlingsbewegungen und offenen Grenzen. Für die Wirtschaft bedeuten Flüchtlinge billige Arbeitskräfte, Ausbeutung und die Senkung der Sozialstandards im jeweiligen Land. Die “Balkanisierung” Syriens würde zudem allen voran den USA mehr Einfluss im Nahen Osten garantieren, ihnen Kontrolle über die Erdölförderung ermöglichen und eine pro-russisches Regierung in ihrem operativen Stammgebiet beseitigen.

Langfristiges Ziel bleibt die Zerstörung des Nationalstaates und dafür wofür er steht, sowohl in Syrien als auch in Europa.

Syrien kann Krise aus eigener Kraft bewältigen

Dabei strebe Syrien sichere Grenzen, die Lösung der Flüchtlingskrise im eigenen Land und das Ende des Bürgerkrieges, samt Sanktionen, an. Syrien, so Susli, sei durchaus in der Lage, dies aus eigener Kraft zu schaffen. Bekämpfen müsse man die verzerrte Berichterstattung und Propaganda in westlichen Medien, ebenso wie die ausländischen Einmischungen und die Unterstützung sogenannter „Rebellen“.

*Maram Susli ist eine in Australien lebende Syrerin und bloggt äußerst erfolgreich über den Syrien-Krieg, die Migrationskrise in Europa und geopolitische Interessenslagen hinter beiden Szenarien. Auf ihrem YouTube-Kanal folgen der jungen, studierten Chemikerin über 64.000 Menschen. Susli lebt seit ihrer Kindheit mit ihrer Familie in Australien. Von dort aus möchte sie die Weltöffentlichkeit – abseits der Meinung, die in den Mainstream-Medien vertreten wird – informieren und zum kritischen Hinterfragen anregen.

Beitragsbild: DAVID HOLT/flickr (CC BY-SA 2.0)

2 Kommentare

  1. Danke für den aufschlussreichen Artikel von Maram-SUSLI. Er deckt sich auch mit dem Reisebericht vom Herbst 2016 eines Schweizer Ehepaares, dass mit div. Privatspenden im Caravon-Auto einfach nach Syrien reiste um zu helfen. Sie kommen zurück und halten Vorträge, die genau dem obigen Artikel belegen, durch viele Einzelheiten erläutert. Die Mainstream – Medien vermitteln uns ein Bild, das zumindest einseitig und daher schief ist. Was ist das Interesse dahinter?

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