Der Vorsitzende des amerikanischen Mises-Instituts, Jeff Deist, stellte vor kurzem in einer Rede etwas fest, von dem ich glaube, dass wir Libertäre es uns öfter vor Augen führen sollten. Er sagte, dass es keinen „neuen Libertarismus“ brauche, und führte aus: „Aufgrund der großen Denker, die vor uns kamen, und derer, die noch unter uns sind, müssen wir die harte Arbeit gar nicht machen. Wir können alle glücklich als Zweitwarenhändler der Ideen agieren.“ Wenn man in die Tagespolitik eintaucht und über die gleichgeschlechtliche Ehe oder das geplante Dieselverbot redet, vergisst man schnell, dass den eigenen Aussagen Erkenntnisse zugrundeliegen, die so manch ein Zuhörer oder gelegentlicher Leser, beispielsweise von eigentümlich frei, gar nicht hat. Das ist dieser Person auch nicht vorzuwerfen, da uns allen in der Schule Wissen vorenthalten wurde, das es braucht, um diese Welt zu verstehen (man denke nur an das ungedeckte Papiergeldsystem). Daher sollten wir in regelmäßigen Abständen auch darauf hinweisen, was eigentlich die Basis unseres Denkens ist, und Zuhörern sowie Lesern die Möglichkeit geben, sich diese Einsichten ohne allzu großen Aufwand anzueignen.

Diesen Zweck soll auch dieser Artikel haben. Wie aus der Überschrift hervorgeht, ist er an junge Menschen gerichtet, die ein Interesse an den Argumenten für die Freiheit mitbringen, aber vielleicht gerade nicht die Zeit haben, ein 400-Seiten-Buch zum Thema zu lesen. Ich werde also auf eine Reihe von Videos von Stefan Molyneux eingehen, die eine sehr gute Einführung in libertäre Ideen darstellen. Stefan ist ein aus Kanada stammender libertärer Anarchist und Youtuber, der seit elf Jahren den Kanal „Freedomain Radio“ betreibt.

Mittlerweile ist es leider so, dass er sehr auf eine Pro-Trump-Schiene geraten ist. Nun gebe ich zu, dass es ursprünglich einige Argumente für Trump gab, unter denen das stärkste sicher sein Versprechen einer nicht-interventionistischen Außenpolitik war. Nach den Angriffen auf Syrien, der unbegrenzten Ausweitung des Afghanistankonflikts und dem Verhalten seiner Administration bezüglich des Nuklearabkommens mit dem Iran lässt sich jedoch nicht mehr leugnen, dass der seit Jahrzehnten (unter Demokraten und Republikanern gleichermaßen) praktizierte US-Imperialismus, dessen Opferzahl die Zehn-Millionen-Grenze mit Leichtigkeit überspringt, auch unter ihm fortgeführt wird. Mit dieser Erkenntnis im Hinterkopf wirkt der Inhalt, den Stefan heutzutage produziert, parteiisch, unkritisch und unvereinbar mit den Werten, die er einmal vertrat.

Dieser Schwenk von ihm geschah vor gut zwei Jahren. Es bleibt uns fast ein Jahrzehnt (2006 bis 2015), auf das wir zurückgreifen können und in dem Molyneux ein vorbildlicher, eloquenter Fürsprecher der Freiheit war. Da wir das nun geklärt haben, können wir auf einige seiner Videos aus dieser Zeit zurückschauen.

Was ist Libertarismus?

Beginnen wir mit dem Video „Libertarianism: An Introduction“ (Libertarismus: Eine Einführung), das eine Einführung in das vielen libertären Gedanken zugrundeliegende Nichtaggressionsprinzip darstellt und (wie alle weiteren Videos, die ich ansprechen werde) weiter unten verlinkt wird. Darin führt Molyneux aus, dass die Qualität eines philosophischen Prinzips sich daran messen lässt, wie weit man es über seinen ursprünglich lokalen Rahmen hinaus ausweiten kann. Beispiel: Jedem Kind wird im Kindergarten beigebracht, dass es anderen Kindern nicht das Spielzeug wegnehmen darf. Wenn es sich hierbei um eine gute Regel handelt, sollte man diese nicht nur im Sandkasten anwenden, sondern auch weit darüber hinaus. Wenn das Entwenden fremden Eigentums immer und überall unmoralisch ist, sollte jener Akt auch immer und überall als unmoralisch betrachtet und abgelehnt werden.

Molyneux führt seinem Zuschauer durch dieses Gedankenexperiment vor Augen, dass wir als Gesellschaft keineswegs so konsistent und logisch vorgehen. Tatsächlich dauert es nicht lange, bis man zwar beteuert, dass Diebstahl (passender wäre der Begriff „Raub“) zwar bedauerlich, aber eben doch in Maßen notwendig sei. Dass viele Menschen blind sind für diese moralische Inkonsistenz, mag daran liegen, dass jene Institution, bei der wir das Verbrechen nicht als solches erkennen, uns auch in großen Teilen erzogen hat.

Ein weiteres Video, das sich als Einführung in den Libertarismus klassifizieren ließe, trägt den Titel „Jon Stewart‘s 19 Tough Questions For Libertarians!“ (Jon Stewarts 19 schwierige Fragen an Libertäre!). Jon Stewart war über viele Jahre das Gesicht der „Daily Show“, eines Programms, das sich quasi als humoristisches Pendant zu den Abendnachrichten versteht und vor allem unter jungen Leuten sehr beliebt ist. Politisch ist es eher links zu verordnen, und unter Stewart hatte man oft den Eindruck, dass dieser die Argumente für die freie Marktwirtschaft allein mit einer Kritik an der Republikanischen Partei zu entkräften glaubte. Mit dieser Weltsicht, die viele seiner Zuschauer leider unkritisch übernommen haben dürften und in der man umso herzloser wird, je mehr man den Staat kritisiert, lässt sich freilich nur schwer Sympathie für libertäre Ideen aufbringen. Dementsprechend formulierte er 19 Fragen, von denen er annahm, dass sie die Philosophie des Libertarismus schachmatt setzen würden. Dieses Angebot nahm Stefan Molyneux dankend an, und das Endresultat dürfte so manch einem jungen Sozialisten die Augen geöffnet haben.

Geschichte

Auch zum Thema der Geschichte hat Stefan Molyneux viele exzellente Videos produziert. Das erste, das ich ansprechen möchte, ist „The Truth About Slavery“ (Die Wahrheit über die Sklaverei). Wussten Sie beispielsweise, dass das englische Wort für Sklave („slave“) von dem Wort „slav“ („Slawe“) abstammt? Wussten Sie, dass von den im 16. und 17. Jahrhundert in den amerikanischen Kolonien ankommenden Sklaven nahezu die Hälfte weiß war? Wussten Sie, dass zwischen 1530 und 1780 über eine Million Südeuropäer von nordafrikanischen Piraten aus ihren Küstenstädten in die Sklaverei entführt wurden und diese Regionen in Spanien und Italien als Folge darauf bis ins 19. Jahrhundert nahezu verlassen waren? Wussten Sie, dass die Sklaverei allein in der muslimischen Welt im Verlaufe von etwa 14 Jahrhunderten über 100 Millionen Todesopfer gefordert hat?

Nun stellt sich die Frage, warum man für solche Informationen zu einem kanadischen Youtuber gehen muss. Die Antwort liefert Molyneux indirekt, wenn er die Unehrlichkeit der heutigen Diskussion über das Thema beklagt und einfordert: „Lasst uns die europäische Schuld nicht als abbaubaren Rohstoff betrachten, aus dem man mit Staatsgewalt die Diamanten der Fiskaltransfers pressen kann.“

Eine weitere Präsentation, die ich Ihnen gerne ans Herz legen würde, ist jene, die er über den Ersten Weltkrieg angefertigt hat, „The Truth About World War I: The Hidden History“ (Die Wahrheit über den Ersten Weltkrieg: Die verborgene Geschichte). Sie ist deshalb so besonders, weil er einen freiheitlichen Blick auf die Historie wirft und weiß, was in den Stahlgewittern des Ersten Weltkrieges begraben wurde: das liberale, bürgerliche, Wohlstand schaffende und Frieden sichernde 19. Jahrhundert. Im Gegensatz zu 99,99 Prozent der Historiker verfügt er über ökonomische Grundkenntnisse, kennt die Österreichische Schule der Nationalökonomie und versteht das Fiat-Geldsystem. Er weiß, dass die interventionistische Politik des folgenden 20. Jahrhunderts uns nicht den Weg hin zu einer erleuchteten, gerechteren Zukunft geebnet, sondern stattdessen den Boden für den Totalitarismus bereitet hat. Mit diesem Hintergrundwissen gelingt es ihm, ein Bild des Konflikts zu zeichnen, das auf das Narrativ der illiberalen Gegenwart verzichtet und dem Zuhörer die Augen für so manch ein Detail öffnet, das sein Geschichtslehrer wohl nicht angesprochen hat.

Ein letztes Video, das sich in die Kategorie „Geschichte“ einordnen lässt, trägt den Titel: „The Truth About McCarthyism: Modern Parallels“ (Die Wahrheit über McCarthyismus: Moderne Parallelen). Bezug genommen wird hier auf den republikanischen Senator Joseph McCarthy, der sich in den Nachkriegsjahren des Eindrucks nicht erwehren konnte, dass die amerikanische Regierung in den vorangegangenen Jahren mehr und mehr von Kommunisten unterwandert worden war, und der seine politische Position nutzte, um diese unter dem lauten Geheul der Medien ausfindig zu machen.

Auf der deutschen Wikipedia-Seite heißt es hierzu: „McCarthy-Ära (auch: McCarthyismus), benannt nach dem US-amerikanischen Senator JosephMcCarthy, bezeichnet einen Zeitabschnitt der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten in der Anfangsphase des Kalten Krieges. Sie war durch einen lautstarken Antikommunismus und Verschwörungstheorien geprägt.“ Sie ahnen an dieser Stelle vielleicht schon, in welche Richtung es hier geht. Falls dem nicht so sein sollte, würde ich Ihnen gerne auf die Sprünge helfen und den amerikanischen Schriftsteller Gore Vidal zitieren, der einmal so schön sagte: „Verschwörungszeugs ist heute offenbar die Kurzformel für die unaussprechliche Wahrheit.“

„Die Wahrheit über …“

Stefan Molyneux hat über die Jahre viele Präsentationen zusammengestellt, die einen revisionistischen Blick auf Personen richten, die heutzutage oft nichts als Lob und Zuspruch erhalten. Herauspicken möchte ich an dieser Stelle sein Video zu Nelson Mandela, „The Truth About Nelson Mandela“ (Die Wahrheit über Nelson Mandela).

Viele Menschen kennen Mandela als nett dreinblickenden, Menschenmengen zuwinkenden alten Herrn und verbinden mit ihm einen aufopferungsvollen Kampf gegen das Apartheid-Regime. Was uns unsere Leitmedien jedoch verschweigen, ist, dass er dem terroristischen Flügel der Kommunistischen Partei Südafrikas vorsaß und in dieser Position weit über 100 Terrorakte anordnete, manche davon in von Weißen besuchten Einkaufszentren innerhalb der Weihnachtszeit. Ebenso wenig hören wir über das ökonomische und gesellschaftliche Desaster, das Mandelas sozialistische Politik in den 90er Jahren angerichtet hat. Was einem bei solchen Präsentationen der alternativen Medien bewusst wird, ist, dass unsere Medien nicht erst seit dem G20-Gipfel linke Gewalt kleinreden, sondern dies systematisch und pausenlos seit Jahrzehnten tun. Gelegentlich fühle ich mich angesichts solcher „Geschichtsanpassungen“ an George Orwell erinnert, aber das ist eine andere Geschichte.

Andere aufschlussreiche Videos in dieser Kategorie sind die zu Martin Luther King, Muhammad Ali und Che Guevara.

Interviews

Im Laufe der Jahre hat „Freedomain Radio“ nahezu 400 Interviews geführt, von denen viele äußerst empfehlenswert sind – und das bis zum heutigen Tage. Gäste, die mir persönlich über die Jahre die Augen für verschiedene Themen geöffnet haben, waren unter anderem der kanadische Suchtforscher Dr. Gabor Maté, der Objektivist Alex Epstein, der Greenpeace-Whistleblower Patrick Moore, der in Südafrika lebende Musiker Steve Hofmeyr sowie Laurette Lynn und Dana Martin, mit denen Stefan Molyneux sehr erhellende Videos zum Thema Erziehung geführt hat.

„Libertarianism: An Introduction“

„Jon Stewart‘s 19 Tough Questions For Libertarians!“

„The Truth About Slavery“

„The Truth About World War I: The Hidden History“

„The Truth About McCarthyism: Modern Parallels“

„The Truth About Nelson Mandela“


Dieser Gastbeitrag stammt aus der Feder von Lukas Abelmann, Student der Betriebswirtschaftslehre, und wurde auf der Seite eigentümlich frei erstveröffentlicht. 

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