Krisen und Katastrophen (seien sie nun “natürlich” aufgetreten oder intendiert) bieten Staaten, Regierungen und Eliten aller Arten immer willkommene Gelegenheiten, mehr Macht anzuhäufen und Grundfreiheiten sowie Bürgerrechte einzuschränken. Dieser Drang nach Kontrolle und Beherrschung hat schon früh in der Geschichte der Menscheit die ökonomische Sphäre des sozialen Miteinaders befallen. Der Handel und die Wirtschaft wurden durch zentralisierte Geldsysteme geknechtet und einer willkürlichen Herrschaft unterworfen. Eine damit erhoffte Vereinfachung des Austausches fand selten statt, viel eher begünstigten diese Schuldknechtschaft, Kriege und Leid, wie der Anthropologe David Graeber etwa in seinem Werk “Schulden: Die ersten 5.000 Jahre” darlegte.

In der Moderne übernehmen diese Rolle der Herrschaft primär Zentralbanken. Diese erhalten wiederum das Fiat-Geldsystem am Leben, mitunter das perfideste und gleichzeitig effizienteste Instrument der Versklavung seit Menschengedenken. Doch der Drang nach Macht endet nicht bei unserem wertlosen, aus der Luft geschaffenem Computergeld. Auch die letzte, wenn auch ebenso fragwürdige, Bastion der monetären Freiheit steht stetig unter Beschuss: Das Bargeld. Mit dem Ende dieses, wäre für die an den Hebeln der Macht sitzenden Gruppierungen einer der größten Brocken auf dem Weg in eine vollständig überwachte und kontrollierte Gesellschaft aus dem Weg geräumt. Kombiniert mit den Möglichkeiten der digitalen Revolution, ist das Dystopia von morgen schon heute möglich. Skandinavische Staaten wie Schweden zeigen es bereits vor. Es verwundert daher kaum, dass im Zuge der allgemein grassierenden, durch Panik und Hysterie gefüllten Ablenkung, ob der Coronavirus-Pandemie, still und heimlich auch am Ende des Bargeld gebastelt wird.

Ein neuer Versuch: Bargeld als “Gesundheitsrisiko”

Neben vielen anderen Facetten der Entrechtung durch das fragwürdige Coronavirus – wir sind hier näher darauf eingegangen – liefert die Pandemie auch ein Argument für Bargeldabschaffer: Bargeld ist unsauber, ergo mit Keimen und Viren überzogen und damit ein Gesundheitsrisiko. Nach dem Ausbruch des Coronavirus in China kamen erste Meldungen auf, wonach auch Geldscheine und Münzen mit den Viren kontaminiert sein könnten. Immerhin soll das Virus tagelang auf diversen Oberflächen überleben. Daher wurden auch Geldscheine kurzerhand unter “Quarantäne” gestellt. Alte Scheine – unklar wie diese klassifiziert und ausgewählt werden – sollen sieben bis 14 Tage aus dem Verkehr gezogen werden. Die Banken desinfizieren alle gebrauchten Banknoten und “versiegeln” sie anschließend, so zumindest die offizielle Version des Vize-Chefs der chinesischen Zentralbank, Fan Yifei. Doch gerade im totalitären, kommunistischen China sollten solche Maßnahmen und Aussagen zumindest mit Vorsicht genossen werden. Was geschieht mit den Scheinen tatsächlich? Werden sie im Zuge des Versiegelns gar mit Biomarkern versehen, um Bürger noch genauer überwachen und verfolgen zu können? Oder ist es ein weiterer Schritt, um den Menschen die vollständig digitale Zukunft des Geldes einzuimpfen? In den Städten der Zukunft, sogenannten Smart Cities, ist für Bargeld ohnehin kein Platz mehr. Unser Einblick in die High-Tech-Dystopie Shenzhen lieferte bedrückende Beweise für das, was uns in Zukunft überall auf der Welt erwarten wird.

In Europa halten sich Banken, Finanzinstitute und auch die EZB (noch) zurück, was die Coronavirus-bedingte Dämonisierung des Bargeldes betrifft. Noch, denn in vielen Handelsgeschäften wird bereits vehement darauf hingewiesen, nicht mehr mit Bargeld zu bezahlen und seine Einkäufe möglichst elektronisch zu begleichen. Das reicht von Hinweisschildern bis hin zu Ermahnungen von Verkaufsangestellten, die dazu instruiert werden. Berichte häufen sich auch über Geschäfte, die einfach kein Bargeld mehr annehmen. Der soziale Druck und der Dominoeffekt sind dabei nicht zu unterschätzen. Menschen fühlen sich im Sinne der allgemeinen und eigenen Gesundheit genötigt, auf den Einkauf mit Bargeld zu verzichten. Je länger dies andauert, desto eher gewöhnen sich die Menschen (vor allem Ältere) auch daran und der bargeldlose Einkauf wird von der Außnahme zur Gewohnheit. Insuiert wird im Zuge der Debatte rund um Ansteckungen auch das “Risiko” von Geldautomaten. Sind diese “Keimschleudern” also das nächste Argument für eine Verschärfung der Bargeldnutzung? Wie der Trend zeigt, ist in Deutschland das Bargeld bereits auf dem Rückzug (Plus 20 Prozent bei Kartenzahlungen seit der Corona-Pandemie).

Nur eine Woche nach der chinesischen Zentralbank verkündete übrigens die US-Notenbank Federal Reserve, dass sie alle Dollar-Banknoten, die aus Asien in die USA gelangen, ebenfalls für einen Zeitraum von sieben bis zehn Tagen zurückhalte. Diesem Beispiel könnte also durchaus auch die EZB folgen, sollte die Corona-Pandemie anhalten, wonach es derzeit aussieht.

Bank Runs könnten zum System-Kollaps führen

Ungewöhnlich häufig und deutlich betonten jüngst alle großen Banken im Euroraum, dass die Versorgung mit Bargeld gesichert sei. Die Bürger müssten sich somit keine Sorgen machen. „Unsere Tresore sind bis oben hin voll mit frisch gedruckten Scheinen“, verkündete etwa Johannes Beermann, Vorstandsmitglied der deutschen Bundesbank. Diese Aussagen sollen in erster Linie die Gefahr von “Bank Runs” eindämmen bzw. verhindern. Wie fatal diese für das globale Finanzsystem sein können, sah man im Jahr 2013 in Zypern. Also dort die Eurofinanzkirse zuschlug, sperrten Banken kurzerhand Konten, um so die Behebung großer Bargeldsummen zu verhindern. Da Banken nur verpflichtet sind Mindestreservesätze zwischen 1 und 10 Prozent ihrer Spareinlagen (Basel und Tier-Bestimmungen), ebenso wie ihrer vergebenen Kredite, zu halten, können sie die meisten Einlagen ihrer Kunden in Wahrheit nicht mit Bargeld vergüten, wenn es darauf ankommt. Lediglich die Zahlen auf dem Computer, generiert durch verlängerte Buchhaltungsvorgänge, können als “Garantie” vorgewiesen werden. Es ist das berühmte Spiel mit der Geldschöpfung aus dem Nichts, das vorrangig durch diese niedrigen Kernkapitalquoten und Mindestreservesätze erst ermöglicht und dank der ungedeckten Kreditvergabe immer weiter potenziert wird. 

Was danach folgte, war ein Vorpreschen der EU, den Bargeldverkehr und Abhebungen massiv einzuschränken, um so den Kollaps des Bankensystems und damit des gesamten Finanzsystems zu verhindern. Wir berichteten im Artikel “Der Kampf gegen Bargeld geht in die nächste Runde” ausführlich darüber. Einerseits wurde beschlossen, dass Bankkonten für eine Frist von 5 (und in Sonderfällen bis zu 20) Tagen EU-weit eingefroren werden dürfen. Andererseits betrifft dies nicht nur, wie ursprünglich noch im November 2016 postuliert, Konten mit einem Guthaben von über 100.000 Euro. Auch Konten die ein niedrigeres Kapital aufweisen, wurden von den Maßnahmen nicht ausgenommen. Unklar ist weiterhin, welche Art von Konten tatsächlich betroffen sind von jenen Beschlüssen. Wahrscheinlich ist es im “Krisenfall” eine Ermessensache. Des Mitgliedsstaates oder der jeweiligen Zentralbank.

Und auch jetzt, im Zuge des Coronavirus und der Ausgangssperren, wurden massive Beträge an Bargeld von den Konton europäischer Banken behoben. Bargeld musste vielerorts nachbestellt werden. Klugerweise deckten sich auch viele Bürger noch rechtzeitig mit einem wirklich krisenfesten Wertgegenstand ein, nämlich Gold. Doch erste Banken begrenzten bereits die Verfügbarkeit von Bargeld. In Deutschland berichteten viele Kunden von Banken und Sparkassen, dass sie Probleme bei der Behebung von Beträgen über 10.000 Euro hatten. Die Sparda-Bank Baden-Württemberg schloss wiederum ihre Filialen bis auf Weiteres und hat an ihren Geldautomaten die Höhe der Bargeldabhebung auf 1.000 Euro begrenzt. Aus “Sicherheitsgründen”, wie man verlautbaren ließ. Was ebenfalls kein Vertrauen in Banken und ihre Maßnahmen setzt: Deutsche Bank schloss kurzerhand über 200 Filialen aufgrund der Corona-Pandemie.

Die (Un-)Möglichkeiten einer letztendlich bargeldlosen Gesellschaft sind schier endlos. Der Bürger kann auf Schritt und Tritt überwacht werden: sein Konsumverhalten, seine Einnahmen, Ausgaben, Eingänge, Zahlungsaufträge. Alles ist nachvollziehbar. Verhält er sich nicht systemkonform, kann man ihm den Geldhahn jederzeit abdrehen und ihn somit unter Druck setzen. Nie wäre es leichter, Existenzen auszulöschen. Simbabwe zeigt es eindrucksvoll vor, in welche Abgründe sich eine bargeldlose Gesellschaft bewegt – wir berichteten hier ausführlich.

Was bleibt, ist der Appell an alle Leser, sich mit dem destruktiven Fiat-Geldsystem und der Giralgeldschöpfung eingehend auseinanderzusetzen, hinter die Fassade zu blicken und auf Alternativen zu bauen. Sei es nun Gold, regionale Währungen oder alternative Geldsysteme. Die Ideen und Möglichkeiten sind vorhanden, wir müssen sie nur ernsthaft nutzen!

Beitragsbild: Foto-Rabe/pixabay.com, gemeinfrei

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