„Man sieht die Sonne langsam untergehen und erschrickt doch, wenn es plötzlich dunkel ist.“ – Franz Kafka

Das Jahr 2016 wird vielen Menschen noch länger als manch anderes in Erinnerung bleiben. Dem Großteil in negativer Hinsicht. Geprägt war das chinesische „Jahr des Affen“, das laut Überlieferung ohnehin nichts gutes zu verheißen hatte, primär durch Terror, Krieg, politische Umwälzungen und den Verlust zahlreicher Persönlichkeiten. Möge man auch persönlich ganz gut durch das zu Ende gehende Jahr gekommen sein, ein schaler Beigeschmack bleibt. Es war ein Jahr, dass sich selbst in Echtzeit (dokumentar-)verfilmte und bei dem Werner Herzog Regie hätte führen können, wie die Zeit treffend resümiert. Blicken wir nun knapp auf die prägnantesten Ereignisse zurück. Sollte uns etwas entgangen sein, sind sie gerne angehalten, in den Kommentaren zu ergänzen.

Persönlichkeiten die in diesem Jahr für immer die Bühne des Lebens verlassen haben

Umberto Eco wurde durch den im Mittelalter angesiedelten Roman „Der Name der Rose“ weltberühmt. Eco, der 84 Jahre alt wurde, galt zudem als anerkannter Philosoph und Sprachwissenschaftler.

Ray Tomlinson war der Mann, der 1971 die erste elektronische Post verschickt hatte. Der US-Amerikaner galt als Erfinder der E-Mail-Adressen mit dem typischen @-Zeichen. Tomlinson wurde 74 Jahre alt.

Hans-Dietrich Genscher war einer der bedeutendsten Politiker der „Bonner Republik“ und maßgeblicher Architekt der deutschen Einheit. Er war von 1974 bis 1992 deutscher Außenminister. Der FDP-Politiker wurde 89 Jahre alt.

Guido Westerwelle gehörte seit Beginn der 1980er-Jahre zu den führenden Figuren der deutschen Politik. Von 2009 bis 2013 war der FDP-Politiker Bundesaußenminister und bis 2011 auch Vizekanzler. Er wurde 54 Jahre alt.

Margot Honecker war die Witwe des langjährigen DDR-Staatschefs Erich Honecker und galt als kommunistische Hardlinerin. Von 1963 an war sie Bildungsministerin des Arbeiter- und Bauernstaates und setzte als solche die sozialistische Ideologie in den Schulen und Kindergärten eisern durch. Bis zu ihrem Tod im Alter von 89 Jahren im chilenischen „Exil“ galt sie als rigorose Verteidigerin der DDR Ideologie.

Elie Wiesel war Holocaust-Überlebender und Friedensnobelpreisträger. Seine Eltern und seine Schwester wurden von den Nazis ermordet. Der zuletzt in New York lebende Schriftsteller galt vielen als das „Gewissen der Welt“, da er sein Leben der Erinnerung an den Völkermord an den Juden widmete. Er wurde 87 Jahre alt.

Walter Scheel, der 97 Jahre alt wurde, galt als eine der großen Persönlichkeiten der FDP. In der sozial-liberalen Koalition von Willy Brandt war er Außenminister und Vizekanzler und setzte gemeinsam mit Brandt die Ostverträge durch.

Schimon Peres ist eine der großen Figuren der israelischen Geschichte. Der frühere Staatspräsident des Landes (2007 bis 2014) war zweimal Regierungschef und mehrfach Minister. Als Außenminister erhielt er 1974 gemeinsam mit Izchak Rabin und PLO-Chef Jassir Arafat den Friedensnobelpreis. Peres wurde 93 Jahre alt. Zeitlebens setzte er sich für eine Zwei-Staatenlösung Palästinas ein.

König Bhumibol Adulyadej war zum Zeitpunkt seines Todes am 13. Oktober der am längsten amtierende Monarch der Welt. Mehr als 70 Jahre hatte er Thailands Thron inne. Er galt als große Integrationsfigur seines Landes und wurde wie ein Gottkönig verehrt.

Fidel Castro regierte Kuba 47 Jahre lang autoritär-sozialistisch bis zu seinem Rückzug im Jahr 2006. Der Maximo Lider, wie der Revolutionsführer von seinen Anhängern genannt wurde, trotzte insgesamt zehn Präsidenten des Erzfeindes USA und überlebte zahlreiche Attentatsversuche. Er wurde 90 Jahre alt.

Edward Albee, der Verfasser von „Wer hat Angst vor Virginia Wolf“, der 88 jährig starb.

Imre Kertesz, der Autor von „Roman eines Schicksallosen“, starb im Alter von 86 Jahren.

Harper Lee, als Schöpfer von „Wer die Nachtigal stört“, schied im Alter von 89 Jahren aus dem Leben.

Oleg Konstantinowitsch Popov, der wohl berühmteste Clown und Pantomime der Welt, verstarb im Alter von 86 Jahren in Rostow am Don.

Manfred Deix, einer der berühmtesten Karikaturisten, Grafiker und Cartoonisten Österreichs, verstarb 67-jährig. Wie kaum ein anderer vermochte es Deix, die „österreichische Seele“ zu karikieren und zu skizzieren. Die Österreicher nahmen es mit Humor, auch weil in seinen Karikaturen immer eine gehörige Portion Selbstkritik mitschwang. Nebenbei war er auch als Musiker und Krimiautor tätig.


Völlig überraschend und beinahe schicksalshaft anmutend, ist George Michael, der Sänger des Klassikers „Last Christmas“, am Weihnachtstag aus dem Leben geschieden. Er verstarb am Sonntag 53-jährig in seinem Anwesen rund 90 Kilometer von London entfernt.

David Bowie, bürgerlich David Robert Jones, starb zwei Tage nach seinem 69. Geburtstag, an dem auch sein letztes Album „Blackstar“ veröffentlicht wurde. Er galt als einer der einflussreichsten Künstler der jüngeren Musikgeschichte. Titel wie „Space Oddity“, „Heroes“, „All The Young Dudes“ oder „China Girl“ sind Rock-Klassiker aus seiner Feder.

Glenn Frey, 67, war Mitbegründer der Band The Eagles. Er galt als Co-Autor der größten Eagles-Hits „Take It Easy“ und „Hotel California“ und wurde dafür mit einem Grammy ausgezeichnet.

Johan Cruyff war der wohl bekannteste Fußballer der Niederlande. Seine große Zeit erlebte die „Nummer 14“ in den 1970er-Jahren, in denen er 1974 bei der WM in Deutschland mit der Elftal Vize-Weltmeister wurde. Cruyff, der 68 Jahre alt wurde, galt auch als Weltklasse-Trainer. Beim FC Barcelona prägte er eine ganze Ära.

Prince, bürgerlich Prince Rogers Nelson, war einer der bedeutendsten Musiker der vergangenen Jahrzehnte. Seine Musik war ein unverwechselbarer Stilmix aus R&B, Funk, Soul, Pop, Rock und Jazz. Welthits wie „Purple Rain“oder „Kiss“ stammen aus seiner Feder. Er wurde 57 Jahre alt.

Muhammad Ali, „The Greatest“, 1999 bestätigte ihn das IOC, indem es den als Cassius Clay geborenen Schwergewichtsboxer zum „Sportler des Jahrhunderts“ ernannte. Ali, der 74 Jahre alt wurde, war dreimal Weltmeister. Unvergessen seine Kämpfe „Rumble in the Jungle“ (1974 gegen George Forman) und „Thriller in Manila“ (1975 gegen Joe Frazier), die die Welt bewegten.

Götz George bleibt einem Millionenpublikum als „Tatort“-Kommissar Horst Schimanski in Erinnerung. 48 Mal in 32 Jahren spielte der Sohn des Schauspielers Heinrich George den „Schimmi“. Er verstarb im Alter von 77 Jahren.

Bud Spencer, bürgerlich Carlo Pedersoli, prägte zusammen mit seinem Filmpartner Terence Hill den Italo-Western. In seinen Filmen wie, „Vier Fäuste für ein Halleluja“ oder „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“ bildeten Schlägereien den Kern der Handlung. Vor seiner Filmkarriere war Pedersoli, der 88 Jahre alt wurde, mehrfacher italienischer Schwimm-Meister, der an Olympischen Spielen teilnahm.

Leonard Cohen starb an den Folgen eines Sturzes in seinem Haus in Los Angeles. Er wurde 82 Jahre alt. Seine dunkle, warme Stimme machte den kanadischen Singer-Songwriter weltberühmt. Die Songs „Hallelujah“, „So long Marianne“ und vor allem „Suzanne“ wurden zu Welthits. Er feierte seinen Durchbruch in den 1960er-Jahren, als er im legendären Chelsea Hotel in New York gemeinsam mit Bob Dylan, Joni Mitchell und Janis Joplin zu Gallionsfiguren der Hippie-Bewegung wurde.


POLITISCHES

Jänner

Durch einen Anschlag werden in Istanbul zwölf Menschen, darunter elf deutsche Touristen, getötet und weitere Personen verletzt

Übergriffe von Migranten zu Silvester in Köln und zahlreichen anderen europäischen Städten

Februar

Bei einem Bombenanschlag werden in Ankara 29 Menschen getötet und mehr als 60 Menschen verletzt Die WHO ruft aufgrund der raschen Ausbreitung des Zika-Virus den internationalen Gesundheitsnotfall aus

Bei einem Zugsunglück, verursacht durch die Nachlässigkeit eines Fahrdienstleiters im deutschen Bad Aibling, gibt es 12 Todesopfer und 85 zum Teil Schwerverletzte

März

Bei einem Bombenanschlag werden in Ankara 37 Menschen getötet und mehr als 120 Menschen verletzt Bei drei Terroranschlägen werden in und nahe der belgischen Hauptstadt Brüssel mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt

Bei einem Selbstmordattentat der Jamaat-ul-Ahrar werden im pakistanischen Lahore mindestens 74 Menschen getötet und etwa 340 verletzt

Das UN-Kriegsverbrechertribunal verurteilt Radovan Karadžić, insbesondere wegen seiner Verantwortung für das Massaker von Srebrenica, nach mehrjährigem Prozess zu 40 Jahren Haft

In Deutschland erreicht die AfD erstmals 24,2% bei Landtagswahlen in Sachsen Anhalt

Umstrittener EU / Türkei Flüchtlingsdeal wird unterzeichnet

Bei einem Selbstmordattentat der Taliban werden in der afghanischen Hauptstadt Kabul mindestens 64 Menschen getötet und mehr als 340 verletzt Durch einen satirischen Beitrag von Jan Böhmermann (über den türkischen Präsidenten R.T. Erdogan) in einer ZDF-Sendung wird eine Affäre mit außenpolitischen Implikationen ausgelöst

Mai

Nach dem Rücktritt von Werner Faymann am 9. Mai wird Christian Kern, beide SPÖ, neuer österreichischer Bundeskanzler Alexander

Alexander Van der Bellen wird im zweiten Wahlgang zum österreichischen Bundespräsidenten gewählt; wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten bei der Stimmenauszählung wird die Stichwahl am 1. Juli 2016 vom österreichischen Verfassungsgerichtshof jedoch für ungültig erklärt und muss wiederholt werden

Juni

Bei einem Bombenanschlag werden in Istanbul elf Menschen getötet und 36 Menschen verletzt

Durch einen islamistisch motivierten Terroranschlag mit Geiselnahme sterben in einem Nachtklub in Orlando (Florida) 49 Menschen, 53 werden verletzt Bei einem Anschlag werden am Flughafen Istanbul-Atatürk durch drei Selbstmordattentäter 45 Menschen getötet und 238 verletzt

Verabschiedung einer fraktionsübergreifenden Resolution im Deutschen Bundestag zum Völkermord an den Armeniern

In einem Referendum über den Verbleib des Vereinigten Königreichs in der Europäischen Union entscheiden sich 51,9 % der Briten für ein Ausscheiden aus der Europäischen Union – der sogenannte BREXIT

In Spanien finden vorgezogene Neuwahlen statt

Juli

Bei einem besonders schweren Bombenanschlag werden in Bagdad mehr als 290 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt

Bei einer vorsätzlichen Fahrt durch eine Menschenmenge, einem islamistischen Terrorakt, werden am französischen Nationalfeiertag im südostfranzösischen Nizza 86 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt

Beim Sprengstoffanschlag von Ansbach werden 15 Menschen verletzt, der Selbstmord-Attentäter stirbt bei der Tat

Die Slowakei übernimmt die EU-Ratspräsidentschaft

Lettland wird 35. Mitgliedstaat der OEZD

Nach dem Rücktritt von David Cameron wird Theresa May zur britischen Premierministerin ernannt

In der Türkei scheitert ein Putschversuch von Teilen des Militärs, bei dem nach offiziellen Angaben mehr als 290 Menschen ums Leben kommen, zumeist Zivilisten. In der Folge kommt es zu umfangreichen Repressionen durch Regierungskräfte in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen; am 20. Juli wird von Präsident Erdoğan zudem für drei Monate der Ausnahmezustand verhängt

Ein Jugendlicher islamistischer Attentäter verletzt bei einem Angriff in einer Regionalbahn bei Würzburg fünf Menschen schwer

Ein jugendlicher Amoktäter tötet in München neun Menschen und verletzt weitere Personen teilweise schwer

August

Das am 22. Juni 2016 im Vorgriff auf einen Friedensvertrag zwischen der kolumbianischen Regierung und der Guerillabewegung FARC-EP unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen zur Beendigung des mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkriegs in Kolumbien tritt in Kraft

In Brasilien wird die bisherige Präsidentin Dilma Rousseff ihres Amtes enthoben

Bei einem Selbstmordanschlag auf eine kurdische Hochzeitsgesellschaft werden im türkischen Gaziantep 54 Menschen getötet und 66 verletzt

Bei einem schweren Erdbeben werden in Mittelitalien mindestens 290 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt

September

G20-Gipfeltreffen in Hangzhou (Volksrepublik China)

„Denkzettel“ Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern, 20 % für die AfD Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, 14,1% für AfD

Oktober

Terrorverdächtiger Al -Bakr erhängt sich in der Leipziger Gefängniszelle

Versagen der europäisch-russischen Mars-Landesonde Schiaparelli bei der Landung auf dem Mars

Verleihung des Friedensnobelpreises an den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos „für seine entschlossenen Anstrengungen, den mehr als 50 Jahre andauernden Bürgerkrieg in dem Land zu beenden“

Verleihung des Literaturnobelpreises an Bob Dylan „für seine poetischen Neuschöpfungen in der großen amerikanischen Songtradition“

November

Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten. Der Republikaner Donald Trump erhält 302 Wahlmännerstimmen und wird im Jänner 2017 der 45. US-Präsident

Beim Absturz eines Flugzeugs in Kolumbien sterben 71 Menschen, darunter fast alle Spieler einer brasilianischen Fußballmannschaft

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel gibt ihre Kandidatur für eine 4. Amtszeit bekannt

21. November: 100. Todestag des österreichischen Kaisers Franz Joseph I.

Dezember

Bei einem Anschlag auf eine koptische Kirche kommen in der ägyptischen Hauptstadt Kairo mindestens 24 Gottesdienst-Besucher ums Leben

Bei der Wiederholung der Stichwahl zur Bestimmung des österreichischen Bundespräsidenten gewinnt Alexander Van der Bellen

Nach dem Scheitern eines von ihm initiierten Verfassungsreferendums reicht Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi seinen Rücktritt ein

Rückeroberung Aleppos durch syrisch-russische Allianz wird abgeschlossen Bei einem islamistischen

Terroranschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, nach dem „Vorbild“ des Anschlages von Nizza im Juli dieses Jahres, werden 12 Menschen getötet und mehr als 50 verletzt

Beim Absturz eines Flugzeugs des russischen Verteidigungsministeriums sterben in Südrussland alle 92 Menschen an Bord, darunter 64 der 67 Mitglieder des Alexandrow-Ensembles

Dieser Gastkommentar wurde von der in Wien tätigen, freien Publizistin Michaela Kolade-Imrich verfasst.

Beitragsbild: pixabay.com (CC0)

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