Chinas reiche Kulturgeschichte hat große Philosophen und Denker hervorgebracht, ebenso wie beeindruckende Geistestheorien. Man denke nur an Konfuzius und den dazugehörigen Konfuzianismus, Laotse und den Taoismus oder Meister Sun und seinen Kriegskanon. Ebenso sind die Denktradtitionen des Legalismus, Zen und Neokonfuzianismus, neben vielen anderen, hervorzuheben. Was nahezu alle dieser Philosophien in ihrem Kern einte, war die Auseinadersetzung mit der menschlichen Natur und ihrem Verhältnis zu Umwelt, Gott und Herrschaft. Gerade in der Hochblüte und im Niedergang der chinesischen Kaiser-Dynastien, erlebten philosophische Auseinandersetzungen mit der geistigen Verankerung – und dadurch abgeleitet, mit der Legitimität – von Herrschaft, Recht und Moral rege Beachtung. Im Westen nahezu in Vergessenheit geraten, sind dabei die herrausragenden Arbeiten und Gedanken des chinesischen Philosophen Huang Zongxi, der sich schon früh in der Geschichte moderner Politik mit Fragen des “guten Regierens” und dem Schutz von Privateigentum auseinandersetzte.

Der historische Kontext eines anti-staatlichen Denkers

Die Geschichte von Huang Zongxi beginnt in der frühen Qing-Dynastie, die von 1644 bis in das Jahr 1912 reichte und die letzte der dynastischen Herrscherepochen Chinas markierte. Geboren wurde Zongxi allerdings noch in der vorherigen Ming-Dynastie, im Jahr 1610 in der Zhejiang-Provinz. In der Qing-Dynastie erlebte China einen enormen sozialen sowie kulturellen und politischen Umbruch: Die größe des Reiches verdreifachte sich ebenso wie die Bevölkerung. Die unterschiedlichen Volksgruppen auf dem chinesischen Subkontinent wurden schrittweise “sinisiert”, also einer Transkulturation bzw. Assimilierung in die chinesische Kultur unterzogen. Zudem wurde die fragmentierte Wirtschaft innerhalb des Kaiserreiches gesamtheitlich integriert und vereinheitlicht, die ökonomsiche Philosophie orientierte sich stark an einem kollektiven “Ganzen”. Mit diesen Umstrukturierungsprozessen gingen ofmtals Gewalt und willkürliche Herrschaft einher. Mit ein Grund, für Zongxis spätere Herrschaftskritik und sein Anschreiben gegen Autoritarismus und Totalitarismus.

Geboren in eine militärische und dadurch wohlhabende Familie, konnte sich Huang Zongxi schon früh und daher intensiv dem Studium der Geschichte und der Philosophie widmen. Als Lehrmeister fungierte ihm Liu Tsung-chou, der ihn jahrelang unterrichtete. Tsung-chou war widerum bewandert in sämtlichen damals in China vohrherrschenden Philosophien und keiner Denkströmung eindeutig zuordenbar. Er beschäftigte sich unter anderem mit dem Neo-Konfuzianismus der Ming-Dynastie. Somit erlangte Zongxi eine pluralistische philosophische Betrachtungsweise der Welt und ihrer Abläufe. Und schon der Vater Zongxis hatte das Aufbegehren gegen Autorität “im Blut”. Als sogenannter “Reformer”, lehnte er die ungeprüfte Autorität der Eunuchen am chinesischen Königshofab, was ihm Ärger mit dem politischen “Establishment” bescherte. Schließlich wurde der Vater von politischen Widersachern gefangengenommen und starb in Gefangeschaft im Jahr 1626. Der Sohn protestierte heftig gegen den Tod des Vaters und die unwürdigen Umstände, die dazu führten. Schließlich kehrte er aber in die Heimat zurück und widmete sich weiter seinen Studien.

Es vergingen kaum ein paar Jahre, da bahnte sich der nächste radikale Einschnitt im Leben Zongxis an. Die Ming-Dynastie war an ihr Ende geraten und die aufstrebenden Manchu Qing drängten an deren Platz. So zog es den chinesischen Philosophen in den bewaffneten Guerilla-Kampf gegen die “Fremdherrscher” im ehemaligen Gebiet der Ming-Dynastie. Nach Jahren des Kampfes gegen die Qing-Dynastie, verzichtete Zongxi auf weitere Agitationen gegen die neuen Herrscher, verweigerte im Gegenzug aber auch jegliche Kooperation oder politische Posten, die dem mittlerweile angesehenen Gelehrten angeboten wurden. Stattdessen widmete er sich den Rest seines Lebens dem Studium der Geschichte, der Politik und der Philosophie. Während seines Rückzugs aus dem öffentlichen Leben, produzierte Zongxi 1663 sein wohl schönstes Werk, “Warten auf die Morgendämmerung: Ein Plan für den Prinzen”, eine umfassende Kritik am vergangenen Ming-Regime und eine umfassende Reihe von Reformvorschlägen für die aktuelle Herrschaftsdynastie.

Huang Zong-Xi.jpgVon ​zh Benutzer 曳杖行歌意欲仙, CC BY-SA 3.0, Link

Huang Zongxi – ein “libertärer” Pholosoph?

Was machte nun aber das Denken und Schreiben von Huang Zongxi einzigartig und was qualifiziert in aus heutiger Betrachtung als “Libertären”? In erster Linie basierte Zongxis politisches Verständnis auf dem Glauben, dass die Menschen, bevor sie sich staatlich organisierten und in Regierungsformen verwalteten, zuvorderst ihre eigenen Angelegenheiten verfolgten, ohne ein abstraktes Theorem wie das “Gemeinwohl” anzuerkennen. Somit beschrieb er keinen idealisierter Naturzustand, aber auch keine vollständige “Anarchie”. Laut Zongxi ist es nämlich ganz natürlich, das Eigenwohl als Maxime seines Handelns auszugeben, daher hielt er Selbstlosigkeit für eine seltene und launische Tugend.

In seinen kritischen Betrachtungen der vergangenen Ming-Dynastie, macht Zongxi primär die übermäßige Gier der damaligen Machthaber als Hauptproblem des Niedergangs aus. Regieren heißt in der Philosophie Zongxis, die Interessen anderer zu berücksichtigen und selbstlos zu verfolgen, was sich die Bürger wünschen. Dies ist jedoch in der Praxis schwierig, da “die Liebe zur Leichtigkeit und die Abneigung gegen anstrengende Arbeit immer die natürliche Neigung des Menschen war”. Die ersten Regierenden (Chinas) herrschten daher mit äußerster Zurückhaltung und Demut, da sie wussten, wie schwierig es wäre, im gemeinsamen Interesse aller zu herrschen. Die ersten Herrscher begriffen, dass es eine immense Anstrengung war, richtig zu herrschen und das Herrschaft größtenteils eine undankbare und riskante Aufgabe war.

Nach der zeit und mit steigendem Wohlstand bzw. einer gewissen Verfestigung von Machtstrukturen, wandelte sich die Demut der Herrscher in Hochmut. Sie instrumentalisierten den Staat und seine Instrumente der Kontrolle und des Zwangs, um sich letztlich selbst zu nützen. Diese Selbstsucht der Herrscher ging immer zu Lasten ihrer Untertanen. Zongxi zufolge ist daher „derjenige, der den größten Schaden in der Welt anrichtet, kein anderer als der Prinz.“ Die Lösung für die miserablen Zustände seiner Zeit bestand für ihn darin, dass die Fürsten gerecht mit wahren Gesetzen regieren sollten.

Das wahre Gesetz?

Zongxi gibt an, dass es seit dem Ende der drei Dynastien vor mehr als tausend Jahren kein wahres Gesetz in China gegeben habe. Seitdem hatten sich alle Machthaber nur darum gekümmert, ihre Dynastie zu bewahren, sich jedoch konsequent geweigert, auf das Gemeinwohl der Menschen zu achten. Huang bezeichnete die nach den drei Dynastien aufgestellten Gesetze daher als “Dynastisches Gesetz”. Er glaubte nicht, dass das dynastische Gesetz als wahres Gesetz bezeichnet werden könne, da es eng auf den Interessen der Herrscher beruhte und “das, was sie Gesetz nannten, Gesetze zum Wohle einer einizgen Familie” waren.

Damit ein Gesetz ein wahres Gesetz ist, muss es dem Gebot “alles unter dem Himmel (oder was allgemein als der Wille des Volkes bezeichnet werden kann) entsprechen. Huang schreibt, dass “in alten Zeiten alle unter dem Himmel als Meister galten und der Prinz der Pächter war.” Der Staat existierte, um dem Volk zu dienen, nicht umgekehrt. Hier offenbarte sich eine minarchistische Betrachtungsweise des Staatswesens. Wahre Gesetze dürfen für Zongxi keine bestimmte Volksgruppe oder Ethnie einer anderen vorziehen. Stattdessen müssen Gesetze einem höheren Maß an Gerechtigkeit entsprechen, das ursprünglich eben von den weisen Königen der Vergangenheit verkörpert worden war. Wenn das Gesetz nicht einem höheren Gerechtigkeitsstandard entspricht, kann es kaum als wahres Gesetz bezeichnet werden. Hier verdeutlicht sich wiederum die stark anarchistische Tendenz Zongxis, der geltendes Recht durchaus als Unrecht brandmarkt, wenn es einzig dazu dient, Despotie und Willkürherrschaft zu legitimieren.

Regieren durch Gesetze

Für Zongxi war klar, dass man in einer funktionierenden Gesellschaftsform in erster Linie Gesetze braucht, bevor man an Führer denken kann. Ähnliches Credo gilt für heutige libertäre Gegenkonzepte, wie die Privatrechtsgesellschaften. Im Gegensatz zu früheren chinesischen Philosophen wie Xunzi im dritten Jahrhundert v. Chr., der schrieb „Es gibt nur eine Herrschaft von Männern, keine Herrschaft von Gesetzen.“, antwortete Zongxi: „Nur wenn es eine Herrschaft von Gesetzen gibt, kann es eine Herrschaft von Männern geben.” Das Gesetz ist allerdings unzulänglich. Denn er selbst hatte gesehen, wie sachkundige Männer wie sein Vater wegen korrumperiter Macht und willkürlichen Gesetzen von Regierungspositionen verdrängt wurden. Daher könne man sich nicht darauf verlassen, dass tugendhafte Herrscher das wahre Gesetz wahren. Viel eher plädierte Zongxi für einen Institutionalismus, der die Macht kontrollieren sollte und die Herrschaft eines Individuums über alle anderen verhindert.

Während er jedoch weder das Kaisertum ganz abschaffen, noch die göttliche Herrschaft komplett in Frage stellen wolllte, bemühte er sich dennoch redlich darum, den Staat als Instrument der Herrschaft zu desakralisieren und zu entmysthifizieren. Der Staat ist weder quasi göttlich, noch sollte er den totalen Gehorsam seines Volkes befehlen. Wie wir bereits gesehen haben, ist das Verhältnis zwischen Souverän und Bürger für Zongxi tatsächlich umgekehrt. Das Volk ist der Herr, und der Staat ist der Diener. Im Idealfall natürlich.

Zongxi und der Konstitutionalismus

Theoretisch wurde die Ming-Dynastie von einem Kaiser regiert und von einem Gericht unterstützt, das sich aus Ministern und Mitgliedern des öffentlichen Dienstes zusammensetzte. Die Realität bot allerdings eine Abweichung von diesem Ideal. Die Kaiser widersetzten sich in der Praxis jeder Kontrolle über ihre Macht. Um ihre Position zu festigen, pflegten die Kaiser nur diejenigen Beamten zu befördern, die vollständig unterwürfig waren, insbesondere Eunuchen, die lange Zeit ein entscheidender Bestandteil des kaiserlich-chinesischen Regierungssystems gewesen waren. Sie kümmerten sich um den Haushalt des Kaisers und seine persönlichen Bedürfnisse, was ihnen einen immensen Einfluss verlieh, da sie von Natur aus eng mit dem Kaiser verbunden waren.

Zu diesem Zweck argumentierte Zongxi, dass das zuvor aufgehobene Amt des Premierministers wieder eingesetzt werden sollte. Während ein Mann als Premierminister fungieren sollte, hätte er mehrere gelehrte Vizepremiers, mit denen er sich beraten würde. Zongxi hatte drei kritische Gründe, sich für die Wiedereinsetzung des Ministerpräsidenten einzusetzen: Erstens, ungeachtet dessen wie weise oder fleißig ein Mann ist, niemand kann alleine herrschen. Während Prinzen ursprünglich erzogen wurden, um zu regieren, “konnte nicht alles unter dem Himmel von einem Mann allein regiert werden.” Um dem abzuhelfen, galt der Premierminister als Pnedant zum Prinzen. Zweitens wurde der Kaiser immer durch Erbfolge bestimmt. Zongxi erklärt hingegen, dass in der Antike “die Nachfolge nicht von Vater zu Sohn, sondern von einem würdigen Mann zu einem anderen übergegangen ist.”

Eine Person, die aufgrund ihrer Abstammung eine Position innehat, ist kein Garant für “gutes Herrschen”. Während er nicht genau spezifiziert, wie der Premierminister gewählt werden sollte, glaubte er, dass die politische Position als Puffer fungieren würde, falls der Kaiser kein kompetenter Herrscher ist, da die Macht des Premierministers gleich der des Kaisers gewesen wäre. Drittens bekräftigt die Regierung durch die Wiederbelebung der Position des Premierministers den Grundsatz, dass niemand die höchste Macht innehaben und diese stattdessen geteilt werden sollte, um den Menschen am besten zu dienen. Zongxis Reformen zielten aber nicht nur darauf ab, die Regierung effektiver zu gestalten, sondern auch, durch die Machtübernahme qualifizierter Leute die Macht des Kaisers zu beschränken, der ohne Einschränkungen kaum daran gehindert werden konnte, tyrannisch zu herrschen. Somit kann Zongxis Ansatz in seiner fundamentalen Natur als konstitutionell bezeichnet werden. Der Konstitutionalismus ist, als weit gefasste Idee, eine von Regeln, Prinzipien und Normen geleitete Idee, die die Grenzen staatlicher Autorität definiert, um willkürlichen Despotismus zu vermeiden. Natürlich können aber auch Verfassungen von Staaten mit der nötigen Vehemenz durch die Politik “zurechtgebogen” werden, wie die Neuzeit und der Umgang mit Konstitutionalismus sowohl im Westen als auch im globalen Süden eindrücklich beweist. 

Zongxi und das Privateigentum

Neben dem Aspekt der Herrschaftsbegrenzunf- und Kontrolle, ist auch die Achtung des Privateigentums von Individuen ein zentrale Grundsatz Zongxis Denkens. Für ihn war es daher auch ein essenzieller Akt der Gerechtigkeit, dass die Regierung nicht in Eigentumsrechte ihrer Untertanen eingreift. Laut Zongxi gab es in der Antike kein Privateigentum. Die Weisen Könige verteilten Land über das sogenannte Brunnenfeldsystem. Er erklärte, dass in dieser Zeit “dem Volk Land vom König gewährt” wurde. Nach den Weisen Königen verteilten nachfolgende Herrscher jedoch kein Land mehr an das Volk. Stattdessen erwarben die Menschen Land durch Kauf und Verkauf.

Bis zum zweiten Jahrhundert war damit privates Eigentum in China hergestellt worden. Weil das Land vom Volk gekauft und nicht von einem König gewährt wurde, kam Zongxi zu dem Schluss, dass das Land nur ein “Land des Volkes” und nicht des Königs sein kann. Für ihn war daher alles Land entweder hoheitlich oder privat. Der Unterschied zwischen den beiden ist, dass hoheitliches Land im Besitz des Staates und daher weder gekauft noch verkauft werden kann, während privates Land gemäß den Prinzipien des freien Marktes gehandelt werden kann und Privatpersonen gehört. Zongxi argumentierte daher, dass das Privateigentum unter allen Umständen geschützt werden sollte, da die Menschen ein moralisches Recht haben, das zu behalten, was sie besitzen. Er hörte hier jedoch nicht auf. Er argumentierte auch, dass Eigentumsrechte der Regierungsmacht Grenzen setzen. Durch den Schutz des Eigentums wurde der Grundsatz untermauert, dass Kaiser “die Welt nicht als einen riesigen Besitz” betrachten können, der an ihre Nachkommen weitergegeben werden kann, um ihr beständiges Vergnügen und Wohlergehen zu gewährleisten.” Sie hatten durch das Privateigntum der Bürger dieses zu respektieren und es daher zu unterlassen, sich beständig Eigentum anzueignen. Somit wäre durch die Achtung des Privateigentums auch dem Expansionsdrang damaliger Herrscher eine natürliche Grenze gesetzt worden.

Nicht alle Herrscher in der Geschichte versuchten, Eigentum zu enteignen und sich zum Selbstnutz anzueignen. Viele wollten aufrichtig Wohlstand umverteilen (Achtung Sozialismus!), um den Armen zu helfen. Um allgemeinen Wohlstand zu erreichen, glaubten die Herrscher schon damals daran, die Verteilung des Eigentums zu begrenzen oder auszugleichen. Zongxi antwortete auf diese Vorhaben mit der Forderung, dass es nicht erlaubt sein sollte, “auch nur eine Handlung zu setzen, die moralisch nicht richtig ist”. Die Menschen hätten ein Recht auf ihr Eigentum und dieses sollte unter keinen Umständen verletzt werden, auch wenn die Motivation darin bestehen mag, den Bedürftigen zu helfen. Er schlägt stattdessen vor, dass der Staat das offizielle Eigentum, das für die Familie und die Verbündeten des Kaisers errichtet worden war, umverteilt und es weitergibt für die Armen. Somit eine klassisch libertäre Forderung, Staatsbesitz und nicht Bürgerbesitz umzuverteilen. Für ihn war es, wie oben beschrieben, nämlich eine Selbstverständlichkeit und Tugend, das eigene Interesse zu verfolgen und Eigentum anzusammeln. Zongxi war immer ein Verfechter von Individuen, die autonom ihre eigenen Interessen verfolgten.

Alternatives Denken aus Fernost

Was sich am Beispiel Huang Zongxis zeigt, ist die Tatsache, dass Denkmuster des klassischen Liberalismus, wie Naturrecht, gesellschaftlicher Konsens und Privateigentum, aber auch libertär-anarchistische Elemente, wie die fundamentale Herrschaftskritik, der uneingeschränkte Schutz des Privateigentums und die Begrenzung staatlicher Macht, nicht nur in Europa erdacht und theoretisiert wurden, sondern auch in Fernost keimten.

Zongxi glaubte, dass das “wahre Gesetz” dem Gemeinwohl dienen würde und somit keine bestimmte Gruppe innerhalb eines Staates bevorzugt. In ähnlicher Weise, aber etwas später, argumentierte auch der europäische Staatstheoritiker und Aufklärer John Locke, der postulierte “Das Wohlergehen des Volkes sei das ultimative Gesetz”. Sowohl Zongxi als auch Locke begründeten die Legitimität des Gesetzes darauf, wie gerecht es den Interessen der Regierten diente und nicht den Herrschern.

Obwohl Zongxi und Locke an entgegengesetzten Enden der Welt lebten, kamen sie zu sehr ähnlichen Ergebnissen in Bezug auf die eigentlichen Staatsziele. Möglicherweise, weil beide Väter gegen amtierende Regime kämpften und beide Männer zivile Konflikte durchlebten, die zu Regimewechseln führten. Huang Xongxi ist in jedem Falle ein hervorragendes Beispiel dafür, wie ganz unterschiedliche philosophische Traditionen zu weitgehend klassischen liberalen Ideen werden können, ohne Teil derselben sogenannten “westlichen Tradition” oder “westlichen Werte” zu sein.

In der westlichen Tradition der Philosophie gibt es viel zu bewundern, aber das bedeutet nicht, dass wir andere Traditionen nicht loben und beleuchten können. Denker wie Zongxi erinnern uns letztlich daran, dass alle Kulturen, Religionen und Völker Traditionen haben, die für die Freiheit des Einzelnen eintreten.

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