Die omnipräsente Thematik verschärfter Waffengesetze, besonders in den USA und in Westeuropa, gebietet es einen Blick auf Konzepte zu werfen, die einen liberalen Umgang mit Waffen propagieren und auch umsetzen. Wie verändert sich das gesellschaftliche Zusammenleben, wenn das Recht auf Selbstverteidigung und Eigenverantwortung frei ausgelebt werden kann?

Kennesaw und die Pflicht Waffe zu tragen

Vor geraumer Zeit schaffte es die US-Kleinstadt Kennesaw in Georgia (ein Vorort Atlantas) in diverse Medien. Der Grund: In der Stadt ist das Tragen einer geladenen Schusswaffe in der Öffentlichkeit seit rund 30 Jahren Bürgerpflicht. Jeder Erwachsene trägt diese bei sich wenn er sein Haus verlässt. In mehrheitlich links-liberale Medien schaffte es das Städtchen durch eine dadurch ausgelöste Waffendebatte.  Dabei ist Kennesaw ein einzigartiges Beispiel gelungener Eigenverantwortung. 

Denn entgegen sämtlicher Schreckensszenarien und Unkenrufe, sank die Kriminalitätsrate in der Südstaaten-Stadt auf einen der niedrigsten Werte der gesamten USA. Heute gilt Kennesaw als eine der lebenswertesten Regionen der Vereinigten Staaten. Denn Fakt ist: Ein bewaffneter Bürger, ist ein wehrhafter Bürger. Folglich löst diese Wehrhaftigkeit auch positive Denkprozesse in potentiellen Kriminellen aus. Doch was ist der Hintergrund dieses “ungewöhnlichen” Gesetzes?

Die Historie

Anfang der 1980er Jahre uferte die Kriminalität in den USA bundesweit aus. Auch der Bundesstaat Illinois war vor dem organisierten Verbrechen nicht gefeit. Der Stadtrat in dem Ort Morton Grove ging schließlich einen bis dahin ungewohnten Weg und schrieb seinen Haushalten den Besitz einer Schusswaffe vor. Auch im konservativ regierten Georgia fand diese Idee rasch Anklang. Der damalige Bürgermeister von Kennesaw, J.O. Stephenson, ging aber noch einen Schritt weiter: Er plädierte für ein Gesetz, das nicht nur jede Familie verpflichtet, mindestens eine registrierte Waffe im Haus zu haben. Der Revolver sollte überdies schussbereit sein und in der Öffentlichkeit bei sich getragen werden. Das Stadtparlament stimmte dem Vorschlag schließlich mit einer klaren Mehrheit zu.

Gegner des Vorhabens und der mächtigen Waffenherstellerlobby “National Rifle Association (NRA)” malten damals vor allem das Schreckensszenario des archaischen, wilden Westens, wo sich die Nachbarn aufgrund von Kleinigkeiten erschießen würden. Eingetreten ist jedoch das Gegenteil. Die Zahl der Waffendelikte ging kontinuierlich zurück, die Kriminalitätsrate sank um ganze 90 Prozent. Seit 25 Jahren gab es zudem keinen einen einzigen Mord mit einer Schusswaffe.

Mehr Waffen, sinkende Kriminalität

Kennesaw gilt also als gutes Gegenargument für geplante und immer wieder diskutierte Waffenbesitzverschärfungen und generell jegliche (staatliche) Eingriffe in die Privatsphäre. Wer wehrhaft ist, gilt unweigerlich als positives, abschreckendes Beispiel. Auch der Staat muss wehrhafte Bürger fürchten und achten. In den USA befinden sich mittlerweile zwischen 270 und 310 Millionen Schusswaffen in Privatbesitz. Also auf nahezu jeden Amerikaner entfällt eine Waffe. Die bundesweiten Kriminalitätsstatistiken verdeutlichen: Je mehr Waffen sich in einer Region im privaten Umlauf befinden und und je liberaler die gesetzlichen Vorgaben, desto weniger Verbrechen. Während die Verbreitung der Waffen in den USA stetig zunimmt, sinkt zugleich die Zahl der durch Schusswaffen getöteten Menschen. Das gilt übrigens auch für Morde, bei denen andere Waffen eingesetzt werden, vom Messer über Schlagwerkzeuge bis hin zu Gift.

In Bundesstaaten mit sehr strikten Waffengesetzen, wie etwa Kalifornien, steigt die Kriminalitätsrate hingen. In Florida, wo liberale Waffenbestimmungen ihre Anwendung finden, sinkt sie hingegen. 

Bleibt anzumerken: Wer Wehrhaft ist, muss weniger fürchten. 

“An armed society is a polite society.” – Robert A. Heinlein

 

Beitragsbild: Daniel Oines/flickr (CC BY 2.0)

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