Geboren am 02.08.1923 als Szymon Perski in Wiszniew, damals Ost Polen, im heutigen Weißrussland gelegen, als Sohn eines Holzhändlers. Die Familie wandert 1934 nach Palästina aus. Der in Polen verbliebene Großvater wurde bei einem, von Deutschen gelegten Synagogenbrand, getötet. Shimon Peres war auch Cousin der US amerikanischen Schauspielerin Lauren Bacall.

Jugend in Kibbuz und Gewerkschaft

Als Jugendlicher lebte er mit seiner Familie im Kibbuz Gewa bei Tel Aviv. Er trat der Aweda Partei bei und schloss sich der Gewerkschaft Histadrut an. Von 1941 bis 1945 war er deren Generalsekretär der gewerkschaftlichen Jugendbewegung.

Von Ben Gurion persönlich rekrutiert

Vom Staatsgründer David Ben Gurion persönlich wurde er 1947 zum Personal- und Waffenbeschaffer der Hagana gemacht, die als Vorläufer des israelischen Militärs gilt. 1950 wurde er als Delegationsleiter des Verteidigungsministeriums in die USA entsandt. Während seines dortigen Aufenthaltes studierte er an der Harvard Universität, Verwaltungswissenschaften. Zurück in Israel wurde er 1952 Generaldirektor des Verteidigungsministeriums und somit maßgeblich für die Waffenbeschaffung des jungen Staates Israel.

1959 wurde er als Abgeordneter der Mapai Partei in die Knesset gewählt. Als Generalstabschef zeichnete er im Juni 1967 für den Sechstage Krieg mitverantwortlich. 1969 wurde er zum Minister für Einwanderung und Integration, ein Jahr darauf zum Verkehrs und Kommunikationsminister. In der Regierung Jitzchak Rabin wurde er 1974 zum Nachfolger des legendären Mosche Dajan, als Verteidigungsminister. 1977 bis 1992 war er Präsident der sozialistischen Internationale, wie auch in den Jahren 2003 bis 2005.

Drei Mal Ministerpräsident ohne „Wählervotum“

In seiner Karriere war Peres auch drei Mal, ohne je gewählt worden zu sein, als Ministerpräsident „eingesprungen“. 1977 nach dem Rücktritt Rabins, 1984 bis 1986 in Rotation mit Jitzchak Schamir und 1995 bis 1996 nach der Ermordung Jitzchak Rabins durch einen ultrareligiösen israelischen Studenten.

Friedensnobelpreis für den „Oslo Friedensprozess“

Zeit seines Lebens galt Peres als Verfechter einer politischen, nicht militärischen Lösung des Palästinenser Konfliktes. Er wurde zu einem glühenden Verteidiger einer „Zwei Staaten Lösung“. 1994 erhielt er zusammen mit Palästinenser Präsident Jassir Arafat und Jitzchak Rabin den Friedensnobelpreis für seine Verdienste im Oslo Friedens Prozess.

Nach einem 1996 von Peres angeordneten Artillerie Angriff gegen die Hisbollah, 106 libanesische Zivilisten getötet wurden und das UNIFIL (United Nation Interim Force in Lebanon) Hauptquartier zerstört wurde, erntete er nicht nur harsche internationale Kritik. Als Favorit gehandelt unterlag er bei den Präsidentschaftswahlen knapp gegen Benjamin Netanjahu.

1997 gründete er das Peres Center of Peace und unterstützte trotz erster und zweiter Intifada weiterhin den Friedensprozess mit den Palästinensern. Bei der Präsidenten Wahl 2000 unterlag er gegen Mosche Katzav.

Keine Anerkennung des armenischen Völkermordes als Genozid

Als Außenminister unterstützte Peres die strategische Allianz mit der Türkei. Aus offenbar gerade diesen strategischen Gründen, um unter anderem das für Israel höchst lukrative Waffengeschäft mit der Türkei nicht zu gefährden, weigerte er sich, die Gräueltaten am armenischen Volk, als Genozid ein zu stufen.

Im Juli 2007 schließlich trat er 85 jährig, als Nachfolger Mosche Katzavs, das Amt des Präsidenten erneut an.Pothead-1

Vater des israelischen Atomprogramms

Peres gilt nicht nur als Vater des israelischen Atomprogramms (siehe dazu den konterrevolution.at-Artikel), er wusste auch stets die israelische Sicherheitspolitik punkto Terrorismusbekämpfung, sowie die Errichtung der israelischen Sperranlagen, gegen internationale Kritik, zu verteidigen. Zur Präsidenten Wahl 2010 trat er nicht mehr an, sein Nachfolger wurde Reuven Rivlin.

Der Privatmann Shimon Peres

Peres war 66 Jahre mit Gattin Sonja verheiratet, die 2011 verstarb. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor, die jedoch kein politisches Amt bekleiden.

Am Morgen des 28. September 2016 verstarb Shimon Peres an einer Hirnblutung, infolge eines Schlaganfalls im 94. Lebensjahr.

Beisetzung unter großer internationaler Anteilnahme

Peres wurde unter Anteilnahme von 90 internationalen Vertretern und den schärfsten Sicherheitsvorkehrungen die Jerusalem je gesehen hat, am 30. September auf dem Friedhof des Herzlberges, bestattet. Als Trauerredner fungierten sowohl der aktuelle US Präsident Obama, als auch Expräsident Clinton, sowie Englands Prinz Charles.

Auch Palästinenser Präsident Mahmoud Abbas erwies dem großen israelischen Staatsmann, als einziger arabischer Vertreter, die letzte Ehre. Als Zeichen an den verstorbenen „Friedens Versucher“, reichten einander Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Palästinenser Präsident Mahmoud Abbas, die Hand. Eine posthume Erinnerung an die, von Peres unerledigt hinterlassene Aufgabe des Friedensschlusses, wie US Präsident Obama in seiner Rede ermahnte. Für Abbas galt dies als Geste an das israelische Volk.

Worte der Hoffnung für einen Nahen Osten ohne Aussicht auf Frieden

Worte der Hoffnung und des Friedens prägten die Abschiedsworte der Redner für den letzten Vertreter von Israels Gründer Generation. Peres der „nie aufhörte zu träumen“ und laut seiner engsten Mitarbeiter selten mehr als vier Stunden pro Nacht schlief, ein Workaholic für die Versöhnung. Die Welt begleitet seinen letzten Weg und es mag wohl durch die Gedanken der

Trauergäste eine düstere Ahnung geweht haben, wie die leicht Brise, die vom Herzlberg herab über die Gräber Israels großer Männer, wie Jitzchak Schamir und Jitzchak Rabin, weht.

Wird hier auch Abschied von einem Israel genommen, das sie alle kannten und schätzten? Ein Naher Osten, in dem es kaum noch Hoffnung auf Frieden gibt, wurde vom letzten Friedenswilligen verlassen. Eine neue Generation von Arabern ist heran gewachsen, die von Israels versöhnlichen Gesten nichts mehr zu wissen scheint.

Dieser Gastkommentar wurde von der in Wien tätigen, freien Publizistin Michaela Kolade-Imrich verfasst.

Beitragsbild: U.S. Embassy Tel Aviv/flickr (CC BY-SA 2.0)

Artikelbild: zeevveez/flickr (CC BY 2.0)

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