In Gabun fanden vor knapp zwei Wochen Präsidentschaftswahlen statt. Als “offizieller” Sieger ging Amtsinhaber Ali Bongo hervor, mit 49,80 Prozent der Stimmen, während Oppositionskandidat Jean Ping auf 48,23 Prozent kam. Bongo sicherte sich mit einem Vorsprung von knapp über 5.000 Stimmen den Machterhalt seiner Familie in dem kleinen, erdölreichen Staat in Zentralafrika.

Doch wie so oft bei Wahlen auf dem afrikanischen Kontinent, wurde auch diese von massiven Korruptions- und Manipulationsvorwürfen, sowie gewaltsamen Protesten und staatlicher Gewalt begleitet. Wie geht es nun also weiter in Gabun?

Opposition sieht sich als Wahlsieger

Betrugsvorwürfe wurden insbesondere aufgrund der Wahlbeteiligung laut. Bei einer bundesweiten Beteiligung der Bevölkerung von 59 Prozent, erreichten die Werte in Bongos Heimatprovinz an die 100 Prozent. Oppositionsführer Jean Ping, ehemaliger Vorsitzender der Kommission der Afrikanischen Union, erklärte sich daher nach der Wahl zum Sieger eben dieser. Er hoffe die Wahrheit über den Wahlbetrug würde bald an die Öffentlichkeit gelangen, rief seine Mitstreiter aber zum Verzicht auf Gewalt auf. Gleichzeitig forderte der Diplomat eine Nachzählung der Wahlstimmen unter Aufsicht der Vereinten Nationen und der Europäischen Union.

Nach Verkündung des knappen Wahlergebnisses kam es zu massiven gewaltsamen Ausschreitungen in Gabun. Das Parlament wurde in Brand gesetzt, insgesamt starben ein dutzend Menschen bei Zusammenstößen mit den staatlichen Sicherheitskräften. Die Regierung unter Bongo ließ das Oppositionshauptquartier mit Hubschraubern bombardieren, am Boden gingen Präsidentengarde und Polizei gegen Demonstranten vor. Die Lage bleibt äußerst angespannt.

Bongo-Clan hat Land in der Hand

Der Familienclan der Bongos hat Gabun nahezu ununterbrochen seit der Unabhängigkeit im Jahr 1960 beherrscht. Der Vater Ali Bongos, Alain Bernard Bongo, kam 1967 an die Macht und regierte das Land über 40 Jahre. Als Patronage seines Vaters setzt sich Ali schließlich im innerfamiliären Machtkampf gegen seine Schwester durch und übernahm die Regierungsgeschäfte im Jahr 2009. Noch in den 1980er und 90er Jahren galt Ali als Reformer der das autoritäre System wenigstens durch Wahlen zu legitimieren versuchte. Die seit 1990 stattfindenden Parlaments- und Präsidentenwahlen haben seither aber herzlich wenig an der Vorherrschaft der Familie Bongo geändert. (Notiz am Rande: Ali Bongo soll nach einem Besuch in Libyen zum Islam konvertiert sein, um sich die wirtschaftliche Gunst Muammar al-Gaddafis zu sichern).

Einzig der Preisverfall von Rohstoffen, insbesondere Öl, brachte nun das System der Bongos ins Wanken. Gabun ist wie viele andere afrikanische Staaten größtenteils vom Export seiner natürlichen Ressourcen abhängig. Durch den Preisverfall verloren tausende Menschen ihren Arbeitsplatz. Auch diverse Systemgünstlinge können nicht mehr großzügig mit den Petro-Francs bei Laune gehalten werden. Der Unmut in der Bevölkerung erreichte nun seinen (vorläufigen) Zenit.

Wie geht es weiter?

Um die (ausländischen) Interessen zu wahren, wird aller Voraussicht nach Bongo weiterhin Präsident in Gabun bleiben. Bisher hatte man ja auch kein Problem mit demokratiepolitisch bedenklichen Vorgängen in dem kleinen Zentralstaat. Zu riskant erscheint ein lange andauernder Bürgerkrieg, würde der Westen nun Ping unterstützen und Bongo zum Kampf gegen ihn mobilisieren.Ob letztlich eine Intervention der Afrikanischen Union oder gar Frankreichs notwendig sein wird, wie 2013 in Mali, bleibt abzuwarten.

Mittlerweile deutet aber vieles auf eine weitere politische und soziale Eskalation hin. So wurde das Internet in Gabun kurzfristig gesperrt und das Transportsystem von Waren teilweise durch die Proteste lahmgelegt. Auch der UN-Sicherheitsrat brachte tiefe Besorgnis” über die derzeitigen Entwicklungen in dem Land zum Ausdruck. Der für 2017 angesetzte “Africa-Cup” soll dennoch stattfinden…

Beitragsbild: Manuel Dohmen/Wikimedia (CC BY-SA 3.0)

Kommentieren Sie den Artikel