Anlässlich eines Vortrages im November 2016, erläuterte die renommierte Nahostexpertin Dr. Karin Kneissl ihre Thesen zur bedrohlichen und ernst zu nehmenden Lage im Arabischen Raum, sowie die aktuellen Auswirkungen des islamistischen Terrorismus auf Europa.

Die Expertin zog einen breiten Bogen vom Beginn der terroristischen Attacken in Paris am 13. November 2015, dem grauenvollen Attentat in Brüssel am 22. März 2016, dem Anschlag in Nizza am 14. Juli 2016 und den jüngsten Attentaten in Würzburg und Ansbach im Juli dieses Jahres. Alle Ideologien versagen gegenwärtig, das sei klar zu beobachten und deshalb entstehe derzeit ein Macht-Vakuum.

Ein militanter Islam auf dem Vormarsch

Dieses Potential hat der „Islamische Staat“ (IS) im Nahen Osten versucht zu nutzen und auch großenteils erfolgreich füllen können, so Kneissl. Die Menschen suchen nach einer festen Orientierung und die Wortherkunft steht nicht umsonst mit dem Begriff „Orient“ in Verbindung. Deshalb ist im Arabischen Raum und vor allem im Nahen Osten eine national-religiöse Bewegung entstanden.

Der IS ist ursprünglich aus einer irakischen Al Quaida Filiale entstanden und es handelt sich dabei de facto um „Vigilantismus“, einer Mischform des Terrorismus, weil explizit ein territorialer Anspruch besteht. Es herrscht das Dogma vor, dass mit Ungläubigen nicht einmal verhandelt werden darf.

In den Jahren 1923 und 1924 wurde das Osmanische Kalifat abgeschafft und durch Mustafa Kemal Atatürk die Republik Türkei begründet. Frau Kneissl teilte die Auffassung mit, dass es in der Gegenwart eine Rückbesinnung auf die „glorreiche“ alte Zeit gäbe und eine militärische Rückeroberung der Türkei stattfindet.

„Der militante Islam hat eine Re-Ideologisierung im Sinne“, so die Expertin.

Dass derzeitige Bestehen der zurück gedrängten IS-Terroristen liegt darin, ein „digitales Kalifat“ aufgrund des territorialen Kontrollverlustes in jedem Fall zu erhalten. In diesem Bereich sind die religiös-motivierten „Glaubenskrieger“ enorm disponiert. Es gibt professionelle IT-Hacker und sogar einen Absolventen des renommierten MIT (Massachusetts Institute of Technology), also Experten dieses Sektors die für den „Islamischen Staat“ tätig sind.

Die Ironie eines „All inclusive Terrorismus“

Ein sogenannter „All inclusive Terrorismus“, eine ironische Wortschöpfung der Vortragenden, entsprungen aus dem Schlagwort „All inclusive Tourismus“. Dabei geht es darum, dass Europol festgestellt hat, dass es sich bei den dschihadistischen „Foreign Fighters“, um radikalisierte Migranten-Europäer handelt, die für den IS im Nahen Osten in den Krieg ziehen. Diesen ist oftmals nicht Bewusst, wo sie sich auf der Landkarte befinden, erläuterte Kneissl.

Die Expertin geht mit hoher Sicherheit davon aus, dass seit dem September des Vorjahres durch den extremen Zuwanderungsstrom, auch potentielle Terroristen eingeschleppt wurden, weil dies ein Teil der Strategie sei. Diesbezügliche Gefahren wurden von den Nachrichtendiensten bestätigt und speziell in Deutschland hat der deutsche Nachrichtendienst gegenüber den Asylbehörden wie folgt informiert:

„Merkel hat uns mit der unverantwortlichen Grenzöffnung gegenüber dem Migranten-Ansturm zehn Jahre harte Arbeit zunichte gemacht!“

Bürgerkriegsähnliche Zustände durchaus wahrscheinlich

Weiteres erläuterte die erfahrene Analystin, dass der Islam gegenwärtig die weltweit am schnellsten wachsende Religion darstellt. Laut zuverlässigen Angaben, wurde erklärt, dass durch die Sicherheitsbehörden in Frankreich und Deutschland im letzten Jahr circa 40 gröbere Anschläge vereitelt werden konnten.

Bürgerkriegsähnliche Zustände, wie sie ein Theo Faulhaber schon vor über einem Jahr prophezeit hatte, schließt auch die Nahostexpertin nicht mehr aus.

Frau Kneissl erläuterte ein konkretes Szenario, dass beinahe zu solchen Umständen geführt hätte. Ein grausiger terroristischer Anschlag in Frankreich konnte verhindert werden. Geplant war bei einem Messgang in mehreren Kirchen 400 Menschen in die Luft zu sprengen. Wäre das nicht vereitelt worden, hätten Moscheen gebrannt und es wäre in einem Ausnahmezustand gemündet, so die Expertin.

Das größte Manko der europäischen Geheimdienste ist die Sprachbarriere, denn man verstehe die vielfältigen Dialekte und Vorstadt-Slangs der Terroristen nicht.

Viele Anschläge in letzter Sekunde abgewandt

Insgesamt konnten im Jahr 2015 rund 211 sogenannte „Faith Foreign Attacks“ von den Behörden verhindert werden. Darunter befanden sich auch vereitelte Attentate auf Flughäfen.

Ein weiteres Drama ist die Tatsache der „Proliferation“. Nach dem Zerfall einiger kommunistischer Ost-Staaten wurde radioaktives Material aus der Zeit des Warschauer Paktes in arabischen Länder geschmuggelt. Dadurch seien Terroristen überhaupt in den Besitz von solchen gekommen, welche wiederum damit Handel treiben.

Ein aktuelles österreichisches Beispiel zeigt die Bedrohung auch hierzulande auf. Ein tschetschenisches Ehepaar wurde im September 2016 in Baden aufgespürt, welches mit 38 anderen potentiellen IS-Terroristen in Kontakt und ständigem Austausch stand. Nach der Festnahme und den Verhören, war ein Selbstmordanschlag auf ein Ministerium geplant.

In seinem letzten großen Interview Anfang des Jahres hat Barack Obama zugegeben, dass der Einmarsch in Libyen sein größter außenpolitischer Fehler war. Denn man habe hier in ein „extremes Wespennest hineingestochen“, und damit die ganze Region destabilisiert. Die Ergebnisse sind enorme Konflikte, kriegerische Auseinandersetzungen, die Erstarkung des islamistischen Terrorismus und unabsehbare Auswirkungen auf Europa.

Aktuelle Bedrohungen

Ein unglaublich lukratives Geschäft der organisierten terroristischen Kriminalität stellen Menschenhandel und Schlepperei dar. Zudem sei der Waffenhandel ein höchst erfolgreiches „Business“ und hier vor allem der Handel mit Messern.

Ein Faktum ist derzeit die Bevölkerungsexplosion und die demographische Problematik im Arabischen Raum. Kneissl hat im Nahen Osten in Schulen Kinder nach der Anzahl ihrer Geschwister befragt und im Durchschnitt wiesen diese zumindest fünf bis acht Personen auf. In Zeiten der Massenzuwanderung und dem Ansturm auf Europa, sind die zu erwartenden Entwicklungen düster.

Die Politische Wissenschaft und vor allem Spezialisierungen wie Arabistik und Afrikanistik, wurden von der Politik und den Behörden leider jahrelang als Orchideenfächer abgetan und heute habe man zu wenige kompetente Spezialisten. Es bestehe hier massiver Bedarf, aufgrund der aktuellen Gefahren, so Kneissl.

In der Verbindung mit der Integrationsproblematik, lehnt die Expertin den Begriff „Integration“ ab und präferiert den Ausdruck „Assimilierung“ als treffender, weil dieser von einer Anpassung ausgehe, so wie dies auch der Soziologe Ruud Koopmans ausdrückt.

Mehrere dramatische Studien aus den Jahren 2013 und 2015 haben nachgewiesen, dass den Muslimen die religiösen Regeln weit wichtiger sind, als staatliche Gesetze.

Beitragsbild: Bernard Gagnon/Wikimedia (CC BY-SA 3.0)


Kfm. Thomas F. Eisenhut, BA MA ist Doktorand und Absolvent des Europa-Studienganges „Europäische Wirtschaft und Unternehmensführung“. Seine Schwerpunkte im Bereich Politische Wissenschaften sind Europäischer Regionalismus und Wahlrechtsentwicklungen.

2 Kommentare

  1. Eigentlich nichts Neues. Nur daß die Sprachbariere für die Dienste hoch ist. Was fehlte, sind Einblicke in die subversiven Aktionen der Dienste selber.

  2. Ja, der Islam ist auf dem Vormarsch, doch keiner will das wahrhaben..
    Es ist wie immer in der Geschichte, die Realität wird erst wahrgenommen, begriffen, wenn es zuspät ist, wenn das Schicksal unaufhaltsam seinen Lauf nimmt. An diesem Punkt stehen wir derzeit auch. Wie heißt es doch: „Wer zuspät denkt, den bestraft das Leben.“ So wird es uns in Deutschland auch erneut ergehen. Aus dem vergangenen Jahrh. nichts gelernt, nichts begriffen. Brot und Spiele Mentalität beherrscht die Gegenwart und macht blind für die Gefahren, die überall sichtbar sind.

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