Der völkerrechtswidrige Angriff der USA auf einen Luftwaffenstützpunkt in Syrien – hier ausführlich nachzulesen – war nur der Beginn eines Reigens von Kriegsschauplätzen, die Donald Trump unter seiner Präsidentschaft eröffnen wird. Nicht einmal 3 Monate schaffte es Trump in seiner Amtszeit, ohne das Gleiche wie seine Vorgänger zu vollführen: Bomben für den Frieden abzuwerfen. Nun drohen die USA dem kommunistischen Staat Nordkorea mit einer militärischen Invasion, sollten diese einen neuerlichen Atomwaffentest durchführen. Die Beweislage und Auslegungsmacht liegt jedoch wiederum ausschließlich bei US-Geheimdiensten und deren Verbündeten. Folgt nach Syrien und Libyen nun der dritte große Kriegsschauplatz innerhalb eines Jahrzehnts?

Nordkorea sprengt das Pulverfass Südost-Asien

Wie Donald Trump ankündigte, wären die USA bereit Nordkorea mit militärischen „Präventivschlägen“ zu attackieren, sollte das Land einen Atombombentest durchführen. Ein bewaffneter Flugzeugträger wurde bereits in Richtung koreanische Halbinsel entsandt. Ebenso sind zwei Tomahawk-Raketen in Südkorea etwa 300 Meilen weit vom möglichen Ort des Atomtests positioniert. Boden-, Luft-, Marine- und Sonderoperationen für den Krisenfall werden aktuell mit bis zu 17.000 US-Truppen durchgeführt. In Südkorea sind aktuell 70.000 US-Armeeangehörige stationiert. Die Raketentests der jüngeren Vergangenheit, sowie der möglicherweise bevorstehende, verstoßen gegen die von der UNO verhängten Sanktionen und gegen mehrere Resolutionen des Sicherheitsrats. Dies genügt den USA momentan als fadenscheinige Legitimation möglicher Erstschläge. Im vergangenen Jahr soll Nordkorea nach eigenen Angaben zwei Atomwaffentests sowie eine Reihe von anderen Raketentests durchgeführt haben. Unklar ist jedoch bis heute, ob das Land überhaupt in der Lage ist waffenfähiges Plutonium herzustellen. Zudem sind die Drohgebärden Nordkoreas nichts neues. Seit Jahrzehnten erpresst das ostasiatische Land die Weltgemeinschaft mit vermeintlichen Raketentest und einer atomaren Aufrüstung, um Zugeständnisse in Verhandlungen zu erreichen. Fakt ist: Nordkorea hat von sich aus noch nie einen Krieg mit einem anderen Staat angezettelt. Es waren gerade die USA als einzige Nation in der Welthistorie, die bisher von Nuklearwaffen Gebrauch machten. Warum also gerade jetzt der letzte stalinistisch geführte Staat der Welt eine Bedrohung für den ohnehin obsoleten Weltfrieden sein soll, vermag niemand so genau zu beantworten.

Diverse geheimdienstliche Quellen gehen aber noch weiter. So soll Nordkorea seit einigen Jahren an der Herstellung einer Wasserstoffbombe (H-Bombe) arbeiten und diese nun zum 105. Jahrestag des Republikgründers Kim-Il-Sung, dem sogenannten „Sonnentag“, innerhalb des bewohnten Landes zünden. Angeblich wurde ein atomarer Sprengsatz in die Versuchsanlagen gebracht. Zur Auslösung einer H-Bombe benötigt man aber einen nuklearen Sprengsatz, um die Fusion auszulösen. Ob Nordkorea dazu in der Lage ist, bleibt unklar. Satellitenbilder von „38 North“ – einem Programm des U.S.-Korea-Instituts an der Johns Hopkins Universität, das sich für die „bestmögliche Analyse von Veranstaltungen in und um Nordkorea“ einsetzt – sollen vermehrte Aktivitäten auf einem nordkoreanischen Militärstützpunkt zeigen. Wie gesagt, die Deutungsmacht liegt hier innerhalb des „Erzfeindes“ USA.

Dennoch, ein möglicher H-Bombentest soll wiederum die Nervosität Chinas nähren, dass momentan klar gegen ein militärisches Eingreifen in Nordkorea eintritt. Fraglich ist, inwieweit China aber tatsächlich dem kommunistischen Nachbar im Falle einer Invasion beistehen wird. 150.000 Mann der chinesischen Streitkräfte wurden an die Grenze zu Nordkorea entsandt, möglicherweise aufgrund bevorstehender Migrationsströme. Nordkorea soll wiederum 600.000 Menschen – vornehmlich dem Regime nicht genehme Personen – aus der Hauptstadt Pjöngjang evakuiert haben. Möglicherweise will Kim-Jong-Un diese Leute als Kanonenfutter in einem bevorstehenden Krieg einsetzen oder einfach nur Menschen in der Hauptstadt haben, die weniger weniger bereit sind ausländische Truppen während einer Invasion zu unterstützen. Chinas Außenminister Wang Yi warnte indes im Rahmen des Zusammentreffens mit dem französischen Außenminister Jean-Marc Ayrault vor einer „jederzeit möglichen Eskalation der Situation“ und deutete den möglichen Ausbruch eines flächendeckenden Krieges in Ostasien an.

Immerhin riskiert China mit einem Eingreifen in Nordkorea einen offenen Krieg mit den USA und auch Japan. Vor allem das Säbelrasseln rund um die Gebietsansprüche im südchinesischen Meer könnte ein wichtiger Aspekt künftiger Eskalationen der Großmächte im südostasiatischen Raum werden. Hier ist ein ausführlicher Beitrag dazu nachzulesen. Denn alleine in den letzten zwölf Monaten gab es um knapp 300 mehr Fälle von Gebietsverletzungen durch Kampfflugzeuge zwischen Japan und China als noch ein Jahr zuvor. Beide Nationen streiten um unbewohnte Inseln im südchinesischen Meer. Japan behält sich zudem laut Verteidigungsminister Itsunori Onodera vor, bei einer „nuklearen Bedrohung“ durch Nordkorea militärische Präventivschläge durchzuführen. Mit den USA als Verbündeten im Rücken ist diese Option auch sehr wahrscheinlich.

Ein dubioser Bombenabwurf in Afghanistan

Ebenfalls nicht ganz Recht in das Bild der ambivalenten US-Außenpolitik unter Trump, passt der Abwurf der größten, nicht-nuklear bestückten Bombe durch US-Streitkräfte in Afghanistan. Die GBU-43 / B Massive Ordnance Air Blast (MOAB) enthält 10.000 Kilogramm Sprengstoff und hat einen Sprengradius von über 300 Metern. Angeblich wurden unterirdische Stellungen des Islamischen Staates (IS) bombardiert, obwohl dieser in Afghanistan kaum nennenswerte Aktivitäten nachweisen kann und die Sprengkraft der Bombe in keiner Relation zur angegebenen Zielsetzung steht. So berichteten Augenzeugen einem Journalisten des Wallstreet Journal.

Laut afghanischem Verteidigungsministerium wurden „strategische Verstecke der Islamisten sowie ein tief unter der Erde gelegener Tunnelkomplex zerstört“. Nach 16 Jahren des dauerhaften Krieges in Afghanistan also keine nennenswerte Erfolge. Im Gegenteil. Die Rüstungsindustrie darf sich über satte Gewinne freuen, kostet doch eine einzige dieser Bomben 16 Millionen Dollar. Die für den Irak-Krieg entwickelte Bombe wurde das erste Mal in einem Kampfgebiet abgeworfen. Viel eher kann der Bombenabwurf als Machtdemonstration gegenüber den „Feinden“ und möglicher Test gewertet werden. Vielleicht bereits für einen künftigen taktischen Einsatz in Nordkorea oder auch Syrien?

Kleines Detail am Rande: Im Jahr 2005 berichtete die New York Times über die Tunnelsysteme, welche nun von den USA bombardiert wurden. Die „Tora Bora-Höhlen“ wurden in den Jahren des Krieges der Taliban gegen die Sowjetunion von der CIA für die Mujahedeen-Kämpfer finanziert.

Apropos Waffeneinsatz der USA. Während sich die ganze Welt über angebliche Giftgas-Angriffe in Syrien empört, verstummt die Kritik am dauerhaften Einsatz der sogenannten Uranmunition westlicher Streitkräfte. Denn die beiden Eigenschaften der Munition, Stahl mühelos zu durchdringen und dann explosionsartig zu verbrennen, macht diese Waffe bei den Militärs so beliebt. Sie wurde deshalb in allen vergangenen Kriegen der USA und der NATO eingesetzt: in Bosnien, im Kosovo, in Somalia, im Irak, in Libyen, in Syrien und in Afghanistan bis heute. Die kurzfristigen wie langfristigen Schäden dieser radioaktiven und hochgiftigen Waffe sind verheerend, sowohl für die Zivilbevölkerungen als auch die Soldaten. Im Irak gibt es durch den Einsatz der Uranmunition mittlerweile bis zu 30 unbewohnbare Regionen.

Sollten die USA Nordkorea angreifen, so droht insbesondere Südkorea eine Katastrophe, sind sich Analysten einig. Denn gerade die 30 Kernkraftwerke in Südkorea könnten zum Ziel nordkoreanischer Vergeltungsangriffe werden, mit unabsehbaren Folgen für die ganze Region. Ein Mitglied der nordkoreanischen Generalität verkündete bereits, dass man im Falle militärischer Aggression gegen das Land ebenfalls „Präventivschläge“ vorbereite. Als mögliche Ziele wurden US-Militärbasen in Japan und Südkorea erwähnt.

Medien schreiben Weltkrieg herbei

Angesichts der aktuellen Bedrohungslagen auf der ganzen Welt, samt dem Potential einer nuklearen Eskalation, lechzen die Medien in gewohnter Manier nach Krieg. Mittlerweile ist das Bedrohungsszenario eines möglichen dritten Weltkrieges auch in der Populärkultur angekommen, in vielen Internetforen und Plattformen werden Witze und ironische Meldungen diesbezüglich gemacht. Leider. Denn all das bereitet die Menschen tatsächlich auf ein bald über uns hereinbrechendes Bedrohungsszenario unbewusst vor. Steht der Krieg vor der Tür, haben wir zumindest von den Medien lange genug davor entsprechende Propaganda konsumiert.

Der Neustart des US-Imperialismus könnte den Weg in den nächsten großen Weltkrieg ebnen. Und die Medien schreiben wie gewohnt eine Bedrohung herbei, wo eigentlich keine zu finden ist. So war es mit Saddam Hussein im Irak und seinen „Massenvernichtungswaffen“, mit Muammar al-Gaddafi in Libyen und seinem „Völkermord“, so ist es mit Bashar al-Assad in Syrien und seinen „Giftgas-Angriffen“, so ist es möglicherweise bei der instabilen innenpolitischen Lage in Venezuela – um auch in Lateinamerika für Unruhe zu sorgen – und nun auch mit Kim Jong-Un in Nordkorea und seiner „nuklearen Bedrohung“.

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Beitragsbild: Phillip Maiwald (Nikopol)/Wikimedia (CC BY-SA 1.0)

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