Und wieder schlittert ein europäischer Staat langsam und nahezu unbemerkt in eine Finanzkrise. Diesmal trifft es Italien und dessen Banken. Diese sitzen auf faulen Krediten und können ihre Schuldner nicht mehr bedienen. Der Euro als Gemeinschaftswährung, sowie die Austeritätspolitik der EU tragen ihr übriges zu der Misere bei. Aber auch international agierende Finanzgiganten wie Goldman Sachs und Blackrock haben wieder einmal ihre Hände mit im Spiel und „pokern“ mit der Wirtschaft eines gesamten Staates. Déjà-vu! Dieses Szenario kommt uns doch aus Griechenland und Argentinien bekannt vor, oder?

Bankenrettungen als moderne Raubzüge

Für Bankenrettungen (die Frage stellt sich wovor man eine Bank überhaupt retten muss – Geld kann es nicht sein, da dieses selbst aus dem Nichts erzeugt wird) nimmt man in Europa nur zu gerne das Geld der Steuerzahler in die Hand. In Griechenland kamen die EU-Nettozahler-Staaten zum Handkuss, um für Verbindlichkeiten, „Hilfspakete“ und Rettungsfonds zu bürgen. Ebenso kamen die griechischen Steuerzahler an die Kandare, mussten drastische Einschnitte in ihre Sozialsysteme, Wertverluste und den „Billig-Ausverkauf“ des Landes an ausländische Investoren und Geldgeber hinnehmen. Die links-populistische Syriza-Regierung schuf etwa auf Druck des IWF und der EU hin, gesetzliche Grundlagen für die Erleichterung der Zwangsenteignung von Haus- und Wohnungsbesitzern.

In Italien droht nun ein ähnliches Desaster. Alleine im Mai hatten italienische Banken Kredite um fast 200 Milliarden Euro an insolvente Schuldner verliehen, so die offiziellen Informationen der Notebank in Rom. Das macht rund 20 Prozent des Bruttoinlandsproduktes Italiens aus, die öffentliche Verschuldungsquote beträgt bereits 130 Prozent des BIP´s. Die schwächelnde Wirtschaft in Italien und im gesamten Euroraum verschlechtert zudem die Liquidität der Finanzinstitute. Wieder einmal bringt sich der IWF ins Spiel und fordert nun eine aus Steuergeldern finanzierte Banken-Rettung für Italien, zusätzlich zur Erhöhung der privaten Kreditvergabe. Natürlich erhöht der Währungsfond den Druck mit dem „Brexit“-Argument. Das Votum in Großbritanniens habe „die Schwankungsanfälligkeit der Finanzmärkte vergrößert und die Rückschlagsgefahr für Italien erhöht“. Insgesamt seien die italienischen Banken mit 360 Milliarden Euro an faulen Krediten belastet, also etwa Hypothekarkrediten die nicht getilgt werden können und ähnlichem. Sollte nun der geplante Bankenstresstest der EZB zeigen, dass Italiens Banken „gefährdet“ sind, wird rasch der Ruf nach einer Bankenrettung laut werden. Natürlich erfolgt die Rekapitalisierung mit öffentlichen Geldern . Geld wächst schließlich nicht auf den Bäumen (sondern wird ohne jeden Wert milliardenfach von der EZB und anderen Zentralbanken gedruckt und von Banken elektronisch vervielfacht…).

Italien könnte der Todesstoß für die EU sein

Italiens Regierung setzt hingegen vorerst auf die Gründung einer „Bad-Bank“, um die „failed investments“ aus dem Bankensektor auszugliedern. Ebenso wir eine Erhöhung der Unternehmensbesteuerung angedacht. Beide Maßnahmen werden die Situation noch verschlimmern. Unternehmen weiter zu besteuern, wird langfristig Arbeitsplätze kosten und Standortabwanderungen auslösen. „Bad-Banks“, das zeigt die Geschichte, sind wiederum nichts anderes als buchhalterische Tricks um Geld zu verschieben und faule Kredite aufzupolieren, also Korrekturen um Dinge besser aussehen zu lassen als sie in Wirklichkeit sind. Die EU wird auch den von Italien angedachten Investorenschutz nicht durchgehen lassen. Mittel an die Banken weiterzugeben, ohne das Anleger einen Teil ihres Geldes dafür verlieren, ist durch die sogenannten „bail-in rules“ nicht möglich. Auch in Investoren müssen ihren Teil zur Rettung der Banken beitragen. In der Theorie sinnvoll, in der Praxis trifft es jedoch meist Kleinanleger und keine Großaktionäre wie Fonds oder andere Banken. Nun Fordern bereits Banken aus ganz Europa eine Kapitalspritze für ihre italienischen Kollegen, anstatt die Banken sich selbst sanieren zu lassen. Von 150 Milliarden Euro ist die Rede. Die selben Fehler wie 2008 werden wiederholt.

Für die EU wird es trotzdem weiter eng, da mit Italien das Schiff nun wirklich zu sinken droht. Im Herbst wählen die Italiener, die EU-kritische Fünfsterne-Bewegung dürfte gute Chancen auf einen Sieg haben. Die Bewegung will unter anderem ein Referendum über die Position Italiens zum Euro und zur EU abhalten lassen. Kommt also der „ITEXIT“?

Auch Österreich und Deutschland drohen Bankenpleiten

Auch in Österreich drohen, nach der Hypo Alpe-Adria und den Volksbanken, einer weiteren Bank massive Zahlungsschwierigkeiten. Nicht verwunderlich, dass es sich dabei um die Tochterbank der italienischen UniCredit, die Bank Austria, handelt. Nach den Milliardenverlusten mit Geschäften in Osteuropa, muss die Bank Austria ihre Töchterbanken an die Muttergesellschaft nach Mailand abtreten. Durch die Abspaltung reduziert sich die harte Kernkapitalquote auf 11,3 Prozent, was zu wenig für ein krisenfestes Finanzinstitut erscheint. Auch hier könnte, wie schon bei der Hypo, der österreichische Steuerzahler in die Pflicht genommen werden. Bei der Hypo geschah dies letztlich über die Verstaatlichung der Bank.

Ähnliche Szenen spielen sich in Deutschland ab. Die Aktien der Deutschen Bank haben nach dem „Brexit“  historische Tiefststände erreicht und der Marktwert der größten deutschen Bank hat sich im Jahr 2016 fast halbiert . Die Deutsche Bank schaffte es seit 2014 unglaubliche 30 Billionen Dollar an Derivatschulden aufzuhäufen (das 10-fache BIP Deutschlands)! Die lediglich auf Investment ausgerichtete Bank will nun einige ihre Sparten verkaufen. Die Credit Suisse in der Schweiz befindet sich übrigens in selbiger Position. Sogar der IWF sprach in Bezug auf die Deutsche Bank von der „fragilsten“ aller großen Banken weltweit, die durch Liquiditätsschwierigkeiten das gesamte Finanzsystem zum Kollaps bringen könnte. Dazu auch der britische BBC Deutsche Bank is „the most dangerous bank in the world.“ Die libertäre und anarchokapitalistische Finanzseite Dollar DollarVigilante.com (sie sei jedem Leser empfohlen) berichtet jüngst von einem ungewöhnlichen Vorhaben der Deutschen Bank: Den Verkauf von Schiffskrediten im Wert von einer Milliarde Dollar. Den gleichen Schritt setzte Lehman Brothers kurz vor der Pleite im Jahr 2008, die eine der schlimmsten globalen Finanzkrisen der jüngeren Geschichte auslöste, so DollarVigilante.com

Die EZB und das immer gleiche Spiel

Als „Retter in der Not“ wird wie in Griechenland, auch in Italien wieder die Europäische Zentralbank einspringen. Als wahrscheinlichste Variante der Hilfe wird eine Art „Rekapitalisierung“ der Banken über EZB-Mittel in Frage kommen. Offiziell wird die italienische Notenbank eingreifen, doch das läuft am Ende auf das gleiche hinaus. Und das perfide Finanzsystem wird sein Spiel ungehindert weiter treiben. Die EZB druckt einfach Geld und lässt die Staaten dafür weiter verschulden. Letztlich haften ja die nationalen Notenbanken, die Regierungen und schließlich die Bürger. Für die EZB selbst verlängert sich lediglich ihre Bilanzsumme durch das frisch gedruckte Geld um weitere, letztlich ungedeckte, Forderungen. Das spielt aber für eine Notenbank keine Rolle, da sie ihre eigene Währung nach Belieben herstellen kann. Im Endeffekt geht es immer nur darum „kreditwürdig“ gegenüber dem Finanzsystem zu erscheinen. Weder Banken noch Staaten werden jemals ihre aufgehäuften Schulden zurückzahlen können. Nur der Bürger wird gepfändet und beraubt, sollte er seine „Schuld“ nicht mehr tilgen können.

Empfehlung der Redaktion:

Ein gigantischer Betrug am griechischen Volk hat stattgefunden

http://www.bloomberg.com/news/videos/2016-01-25/what-s-behind-the-trouble-with-italy-s-banks-

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2016/07/13/die-einzige-loesung-italiens-banken-muessen-sich-aus-eigener-kraft-retten/

Beitragsbild: Stephan Jockel/flickr (CC BY-SA 2.0)

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