Die römisch-katholische Kirche kann einerseits als gemeinnützige Organisation sowie andererseits auch als Unternehmen betrachtet werden. Diese spezielle Sonderstellung dieser einzigartigen Institution bringt daher immer wieder sehr viele gesellschaftliche Diskussionen mit sich.

In Österreich nimmt die Kirche nach wie vor einen wichtigen Platz in der Gesellschaft ein. Der Kirchenbeitrag wird oft als Kritikpunkt angesehen und man vergisst die vielfachen Leistungen wie beispielsweise Caritas, Pflegeheime, Spitäler, Apotheken usw, die von der Kirche betrieben werden. Auch in der medialen Diskussion wird selten auf diese wichtigen Teilorganisationen der Kirche verwiesen. Die Kirchenaustritte steigen stetig an, dennoch gibt es gleichzeitig weltweit gesehen so viele Kircheneintritte wie nie zuvor. Dies hängt damit zusammen, dass die römisch-katholische Kirche in Europa eine vielfältige Krise zu bewältigen hat aber weltweit gesehen einen Boom erlebt, vor allem im sogenannten “globalen Süden”.

Einfluss auf den öffentlichen Sektor (Außenwirkung)

Das Interessante daran besteht darin, dass die Kirche zwar aus vielen NPOs besteht, jedoch die Kirche in ihrer Gesamtheit eher keine Nonprofit-Organisation darstellt. Somit ist die Sonderstellung in mitten des Staates und des Marktes sehr kritisch zu betrachten. Auf jeden Fall kann der übergeordnete Begriff Kirche als staatliche Institution gesehen werden, welche gleichzeitig auch einen wichtigen Arbeitgeber darstellt. Dieser Widerspruch in sich macht diese wichtige Institution gerade so interessant. Meiner Meinung nach ist die Kirche mehr NPO als Unternehmen, da sie zu einem überwiegenden Teil gemeinnützig ist. Der sogenannte Dritte Sektor wird als Abgrenzung zu wirtschaftlichen und zu öffentlichen Organisationen definiert. Bei der Kirche könnte man so weit gehen und diese als Ausnahme bezeichnen, welche alle drei Sektoren ineinander vereint

Soziales Engagement im kirchlichen Bereich (Wandel der Zivilgesellschaft)

Ein wichtiger Aspekt im kirchlichen Bereich betrifft die des Ehrenamts und die der Freiwilligenarbeit. In der Hinsicht der Messdienerschaft, muss man hier den städtischen Bereich vom ländlichen Gebiet differenziert betrachten. Das Engagement ist generell am Land stärker vertreten. Dies sieht man in der Praxis, wenn man eine Heilige Messe besucht und die Anwesenheit der Ministranten vergleicht, welche am Land in eindrucksvoller Anzahl vorhanden und in der Stadt teilweise gar keine Messdiener mehr vorhanden sind. Dies liegt auch zu einem Großteil am gesellschaftlichen Wandel, welchen ich analysieren möchte.

Ökonomische Relevanz und Diskussion des Kirchenbeitrages

Ein weiterer Kritikpunkt in der öffentlichen Diskussion ist nach wie vor der Kirchenbeitrag. Meiner Meinung nach ist diese Kritik prinzipiell unverständlich. Wenn man betrachtet welche teils erheblichen Leistungen (wie bereits vorher beschrieben) die katholische Kirche erbringt, stellen sich ganz andere Fragen der Finanzierung. Jedoch wird die Kirche grundsätzlich von Seiten der „linken österreichischen medialen“ Landschaft nicht gerade in Schutz genommen. Es wird hier seit Jahren ein „bashing“ betrieben und die Kritik färbt folglich auf die Gesellschaft ab.

Abschließend möchte ich zusammengefasst anführen, dass der katholischen Kirche speziell in Österreich eine außergewöhnliche Rolle zu Teil wird. Eine Sonderstellung von einerseits religiöser Institution und auf der anderen Seite Unternehmen und Arbeitgeber für viele Menschen. Zugleich leiten sich viele soziale Einrichtungen und kleinere NPOs von ihr ab. Allen Unkenrufen zum Trotz bin ich davon überzeugt, dass die kirchliche Moral und die Glaubensangelegenheiten nach wie vor entscheidenden Einfluss auf die Gesellschaft haben. Auch wenn man die Kirche selbst schwer als NPO bezeichnen kann, so steuert sie als Großinstitution mit ihren vielen Vereinen und Verbänden den größten Beitrag im Dritten Sektor insgesamt betrachtet. Es gibt hohe Mitgliederzahlen bei den Pfadfindern, bei den Maltesern, bei katholischen Studentenverbindungen sowie bei der wohl wichtigsten NPO, der Caritas, um nochmal einige Beispiele hervorzuheben.

Zusätzlich leistet sie auch einen massiven Beitrag in der Kindererziehung, den Pflegeheimen und durch Fürsorgeeinrichtungen. Vorenthalten darf man auch nicht, dass viele Gebäudesanierungen und kirchliche Restaurationen durch die „Kirchensteuer“ finanziert werden können. Auch dadurch leistet die Kirche einen gesellschaftlichen sowie kulturellen Beitrag.

Würde es diese eben aufgezählten Leistungen nicht geben und müsste dies rein hypothetisch betrachtet künftig der Staat alleine übernehmen, dann würde er wohl oder übel kläglich scheitern.
Anmerken möchte ich auch die nach wie vor stark vorhandene Freiwilligenarbeit, welche in den „kirchlichen NPOs“ vonstattengeht. Meiner Meinung nach sollten wir versuchen dieses wertvolle geschichtliche Erbe und die Institution Kirche wieder mehr schätzen zu lernen und nicht übermäßig viel Kritik bei ihr suchen.

Beitragsbild: Thomas Ledl/Wikimedia (CC BY-SA 3.0 AT)


Gastbeitrag, T. Eisenhut ist politischer Autor und Blogger

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