Viel wird dieser Tage wieder über Einschnitte in die bürgerlichen, aber auch natürlichen, Freiheiten des Menschen diskutiert. Neben der zunehmenden und größtenteils bereits akzeptierten Überwachung via den Informationstechnologien, ist auch der „Dauerbrenner“ des Waffenverbotes in aller Munde. Amokläufe, Terrorakte und jegliche andere durch systemische und psychologische Unterdrückung hervorgerufene Verbrechen, können durch die Entwaffnung der Bürger verhindert werden, so der Plan der Eliten, welcher in den Politiken und Aktionismen Linker und Liberaler wiederhallt. Kürzlich verbreitete sich dazu eine Allegorie im Internet:

„Eine Gruppe von Kindern, in der ein Kind einen Stock besitzt. Das Kind im Besitz des Stockes beginnt auf die anderen Kindern einzuschlagen. Der »vernünftige« Beobachter würde nun dem bewaffneten Kind den Stock wegnehmen, um die wehrlosen Kinder zu beschützen, anstatt jedem Kind einen Stock zu geben, um ihnen die Möglichkeit zu geben, sich selbst zur Wehr zu setzen.“

Hier liegen gleich mehrere Denkfehler sämtlicher Forderungen nach einem Mehr an Kontrolle, Überwachung und Regulierung zum Zwecke der „Sicherheit“ begraben.

Erster Gedanke:
Nimmt man an, dass der Beobachter als Staat fungiert und die Kinder als Gesellschaft, wandert folgerichtig das gesellschaftlich geschaffene Gewaltmonopol des „Stockes“ in dessen Hände. Die Kinder sind nun nicht mehr der Willkür ihresgleichen ausgesetzt, sondern einer Willkür die in der Lage ist sich jenes Monopol anzueignen, ohne den Kinder die Möglichkeit zu geben sich auch gegen dieses Monopol zu verteidigen. Die Gewalt wandert lediglich zu einer zentralen Stelle.

Zweiter Gedanke:
Es wird nicht der Versuch unternommen, den Kindern Eigenverantwortung beizubringen, da ihnen verwehrt wird, sich selbst einen Stock anzueignen. Wir gehen nämlich davon aus, dass sämtliche Stöcke in den Besitz des Beobachters wandern, warum sollte es auch anders sein. Wäre jedes Kind im Besitz eines Stockes, würde sich der potentielle Aggressor mit Sicherheit mehr Gedanken über mögliche Konsequenzen seiner Taten machen. Jedes Kind lernt durch den Besitz des Gewaltmonopols und dem Umgang damit Eigenverantwortung, dies zeigt sich insbesondere in den Sozialstrukturen indigener, ursprünglich lebender Völker. Zudem ist die Verteidigung des Selbst ein Naturrecht. Wird die Bedrohung größer, etwa durch Terrorakte, muss eine Adaption der Verteidigung geschehen. Verwehrt man diese Möglichkeit, wird der Weg in die Unfreiheit geebnet.

Dritter Gedanke:
Warum sollte es dem Kind in den Sinn kommen auf seine Mitmenschen loszugehen? Die Antwort dafür liegt nicht im Zufall. Sie ist in den vom Beobachter (Staat) ausgeübten Zwängen zu finden. Der Beobachter schafft die Rahmenbedingungen die ihn gleichzeitig legitimieren. Knappheit schafft Unsicherheit, Unsicherheit Misstrauen, Misstrauen wird zu destruktiver Konkurrenz. Destruktive Konkurrenz mündet in Gewalt und Gewalt legitimiert den Staat wiederum einzugreifen. Auf der Strecke bleiben dabei Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Der von Thomas Hobbes beschriebene „anarchische Urzustand“ des Menschen, war nichts anderes als Freiheit, gespeist eben durch diese Selbstbestimmung und Eigenverantwortung. Der Staat ist lediglich eine subtile, irrational mutierte und freiheitsberaubende Form der natürlichen Gewalt. Und somit schließt sich der Bogen zu dem diskutierten Waffenverbot, egal ob nun in Europa oder den USA. Eine entwaffnete Gesellschaft ist eine kontrollierbare Gesellschaft. Niemand außer man selbst, sollte sich das Recht herausnehmen über seine eigene Freiheit und dessen Verteidigung zu bestimmen. Übt eine Übermacht wie der Staat Gewalt gegen das Individuum aus, die Form dafür variiert je nach Interessenlage, muss es dem Individuum gestattet sein, sich in entsprechender Weise auf Augenhöhe zu wehren. Das, und nur das, kann eine freie Gesellschaft innerhalb staatlicher Konzepte bedeuten. Eigenverantwortung ist und bleibt das höchste Gewaltmonopol. Um einer Idealisierung des Naturzustandes zuvorzukommen, wird am Ende dieses Beitrages auf John Locke verwiesen: „Im Naturzustand gibt es moralische Naturgesetze, die uns ohne Bedingung gebieten, den anderen zu achten. Wir haben auch natürliche Rechte auf Leben, Freiheit, Gesundheit und Eigentum.“

»A government that does not trust it’s law abiding citizens to keep and bear arms, is itself unworthy of trust.« –  James Madison

»Wenn du jedoch die Untertanen entwaffnest, beginnst du, sie zu beleidigen; du zeigst nämlich, dass du ihnen gegenüber Misstrauen hegst, sei es aus Feigheit, sei es aus zu geringem Vertrauen; und beides erregt Hass gegen dich.« – Niccolo Machiavelli

Beitragsbild: Einschiffung nach Kythera – Jean-Antoine Watteau, 1717, (Öl auf Leinwand), gemeinfrei

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