Die Omnipräsenz des Überwachungsstaates und seiner “Whistleblower”

Wie kaum ein anderer Film zuvor, verdeutlicht Sydney Pollacks Klassiker “Die drei Tage des Condor” dem Zuschauer die Auswüchse eines allmächtigen, skrupellosen- und unverantwortlich agierenden Staatsapparates, samt Geheimdiensten. 

Hintergrund der (Film-)Thematik ist die angespannte Phase des kalten Krieges und dessen Auswüchse, die insbesondere den Behörden und Administrationen in den USA weitreichende Überwachungs- und Interventionsmöglichkeiten einräumte. Geheimdienste verfügten damals, wie auch heute, über nahezu uneingeschränkte Wirkungsmöglichkeiten, unabhängig der Konsequenzen. Gewährt wurden diese vom Staat. Der Film selbst basiert auf dem Roman “Die sechs Tage des Condor” von James Grady.

Robert Redford, Hauptprotagonist und Anti-Held, gerät als CIA-Agent mit dem Decknamen “Condor” in eine geheimdienstliche Intrige, bei der sämtliche seiner Kollegen ermordet werden. Condor überlebt nur durch Zufall. Seine Aufgabe für den Auslandsgeheimdienst bestand bis dahin darin, in einer als American Literary Historical Society getarnten New Yorker Dienststelle internationale Literatur zu sichten und danach auszuwerten, ob darin Strategien und Hinweise enthalten sind, die für die CIA von Nutzen sein könnten. Eine seiner Recherchen dürfte jedoch zu tief in die Machtspiele rund um Interventionen der USA in anderen Staaten vorgedrungen sein, weshalb die Auslöschung der gesamten Abteilung von “ganz Oben” befohlen wurde. 

Als Condor schließlich hinter die Verschwörung des Geheimdienstes gelangt, wird er erbarmungslos zur Zielscheibe seines ehemaligen Arbeitgebers. Nach einem langen und turbulenten Katz- und Mausspiel, gelingt es Condor schließlich die ganze Tragweite der Intrige an die renommierte New York Times weiterzugeben, damit diese den Skandal veröffentlicht. Doch es bleibt unklar ob die Zeitung diese Geschichte überhaupt jemals veröffentlichen wird, da der Staat und dessen Organe und Hintermänner auch hier massiv ihre Finger im Spiel zu haben scheinen. 

Gerade im Zeitalter der “Whistleblower” (Snowden, Assange, WikiLeaks, etc.) ist dieser Film von erfrischender Aktualität. Letztlich ist die “Verschwörung” des allmächtigen Überwachungsstaates längst keine Fiktion mehr. Das Paranoide und Wahnhafte wird zum Normalzustand, in einer Welt die mittlerweile keinerlei Privatsphäre mehr kennt. 

“Der Paranoide ist derjenige, der die Wahrheit kennt” – William S. Burrough

Trotz dieser Erkenntnis gibt es dennoch kaum ein Entrinnen aus der Maschinerie. Zum einen weil sie leise im Hintergrund agiert und dabei immer tiefer in alle Lebensbereiche eindringt und zum anderen weil wir nicht mehr bereit sind unseren damit scheinbar einhergehenden Pragmatismus für ein freieres Leben aufzugeben…

Die drei Tage des Condor (113 Min.) – Regie Sydney Pollack (1975, USA)

Beitragsbild: https://www.avforums.com/review/three-days-of-the-condor-review.12474


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