Robert Gabriel Mugabe, geboren am 21.2.1924 in Masvingo, rund 300 Kilometer südlich der Hauptstadt Harare. Als Angehöriger der Volksgruppe der Shona, die mit 70 Prozent die zahlenmäßig stärkste Ethnie des Landes stellt. Als ältestes Staatsoberhaupt weltweit und mehr als 30 Jahren an der Spitze seines Landes, wurde der Diktator am 15.11 dieses Jahres unter Hausarrest gestellt. Das Militär hat in Simbabwe die Macht übernommen. Doch die Lage in dem ressourcenreichen Binnenstaat im südlichen Afrika ist immer noch unklar. 

Geboren in der Kolonialzeit, erzogen von Jesuiten

Der Landstrich in dem Robert Gabriel Mugabe geboren wurde, trug zu jener Zeit noch den klingenden Kolonialnamen „Fort-Viktoria“. In einer Mission nordwestlich von Harare, das damals noch Salisbury hieß, wuchs der derzeitige Machthaber auf. Erzogen wurde er in katholischen Jesuiten-Schulen. Den irischen Pfarrer der Schule nannte Mugabe einmal einen der wichtigsten Mentoren seines Lebens. Dass die Jesuiten einer der umstrittensten Zweige katholischer Geistlichenvereinigungen darstellt, zeigt die turbulente und mit Skandalen gesäumte Historie dieses Ordens. Auch Papst Franziskus ist ein Jesuit. Die Geisteshaltung der Ordensanhänger ist bis heute kontrovers. Seine beiden Brüder kamen unter mysteriösen Umständen ums Leben als Mugabe 10 Jahre alt war. Der eine starb an einer Vergiftung, der andere unter ungeklärten Umständen kurz nachdem der Vater die Familie 1934 verließ. 

In Südafrika, Ghana, Tansania und Simbabwe (damals noch Süd-Rhodesien) studierte Mugabe schließlich Philosophie, Pädagogik und Wirtschaftswissenschaften. Seine Haft im kolonialen Rhodesien nutzte er zu einem Fernstudium der Rechtwissenschaften an der Universität London. Im Laufe seines Lebens sammelte er insgesamt sieben Universitätsabschlüsse. Unter seiner Regenschaft wurde Simbabwe eines der Länder Afrikas, mit der niedrigsten Analphabetenrate. Auch weil Mugabe vor seiner Zeit als Revolutionär als Lehrer in Ghana und Simbabwe arbeitete. 

Als Leiter der 1963 gegründeten militanten und antikolonialen ZANU (Zimbabwe African National Union) wurde er 1964 wegen subversiver Aktivitäten unter der Regierung des schottisch-stämmigen, Apartheid befürwortenden rhodesischen Präsidenten Ian Smith zu elf Jahren Haft verurteilt. Die ZANU hatte sich unter anderem dem Kampf gegen die weiße Minderheitsregierung von Smith, aber auch jenem gegen die weiße Bevölkerung im Allgemeinen verschrieben, wie die späteren, blutigen Enteignungen weißer Farmer zeigten. Zu jener Zeit galt Mugabe als bekennender Marxist. Als politische „Inspiration“ galt ihm damals Samora Machel, der Anführer der Unabhängigkeitsbewegung des Nachbarlandes Mosambik, wohin er nach seiner Haft floh.

Ausschluss aus dem Commonwealth – Jahre der Diktatur

Mugabe war nach seiner Haft in den Wirren der Unabhängigkeitsbestrebungen von Großbritannien Leiter der Delegation der Waffenstillstandsverhandlungen für eine Beendigung des „Buschkrieges“ zur Erlangung der Unabhängigkeit 1979 in London. Seit den ersten freien Wahlen 1980 war Robert Mugabe Ministerpräsident seines Landes, das damals noch als Kornkammer Afrikas galt. Er selbst war als Sprecher des südlichen Afrikas geschätzt und anerkannt. In den 90er-Jahren trat ein altes “afrikanisches Phänomen” auch in Simbabwe ein, denn seine seine Politik wurde mit zunehmender Amtsdauer auch von zunehmender Korruption geprägt. Mit dem Beginn des neuen Millenniums schlitterte Simbabwe unter Mugabe vollends in die klassische Ein-Mann-Diktatur.

Das Land war von Korruption, Hungersnöten und groben Menschenrechtsverletzungen geprägt. Immer wieder marodierten bewaffnete Milizen in dem bitterarmen Land und finanzierten so ihren letztlich erfolglosen Kampf gegen Mugabe. Schlussendlich führte der Regierungsstil zum Ausschluss des Landes aus dem Commonwealth und einem Einreiseverbot für Mugabe in die Europäische Union. Nur aus Anlass seiner Wahl 2015 zum Präsidenten der Afrikanischen Union (AU), wurde diese Einreisesperre kurzfristig aufgehoben.Mining Assets Feed Mugabe CorruptionFamilie und Privatleben

Entgegen der „Tradition“ afrikanischer Machthaber, war Mugabe nur zwei Mal verheiratet. In erster Ehe mit der Ghanesin Sally Francesca Hayfron, die er bereits während seines Studiums in Ghana kennen gelernt hatte und 1961 ehelichte. Nach dem Tod seiner ersten Frau 1992, heiratete er 1996 seine Sekretärin, die 1965 in Simbabwe geborene Grace Ntombizodwa, geborene Marufu. Noch zu Lebzeiten seiner ersten Ehefrau hatte im Grace Ntombizodwa eine Tochter und einen Sohn geboren, nach der Eheschließung wurde ein weiterer Sohn geboren. Sein 1963 geborener Sohn aus der Ehe mit Francesca Hayfron verstarb während Mugabes Haft 1966 im Alter von drei Jahren an Malaria.

Grace Mugabe, die in der Bevölkerung auf Grund ihres ausschweifenden Lebensstils auch gerne Simbabwes „First Shopper“ genannt wird, hat seither großen politischen Einfluss auf ihren greisen Ehemann, dem oft bereits Demenz nachgesagt wird. Nicht zuletzt auf Grund dieser Tatsache und ihrem politischen Engagement in Simbabwes Diktatur, wurde sie als seine Nachfolgerin gehandelt. Letztlich war es auch Grace Mugabe, die aufgrund ihrer offensichtlichen Vetternwirtschaft, den Unmut des mächtigen und bisher treu Mugabe ergebenen Militärs auf sich zog. 

Unblutiger Militärputsch beendet Ära Mugabe

Robert Mugabe hatte im Herbst 2015 bekannt gegeben, bei den Präsidentschaftswahlen 2018 erneut kandidieren zu wollen. Aus seiner Partei ZANU-PF mehrten sich allerdings, nicht zuletzt auf Grund seines altersbedingt schlechten Gesundheitszustandes die Stimmen zur Wahl eines Nachfolgers. Unter anderem galt hierbei auch seine Frau als mögliche – jedoch unbeliebte – Kandidatin.

Als Mugabe nun Anfang November dieses Jahre auf Betreiben seiner Frau seinen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa entließ, führte das zu Protesten, vor allem aus den Reihen des Militärs, wo Mnangagwa hohes Ansehen genießt. Mnangagwa ist ein 73-jähriger Rechtsanwalt und Kriegsveteran des Unabhängigkeitskampfes. In der Nacht von 14. Auf 15. November kam es schließlich zu einem unblutigen Putsch des Militärs, im Zuge dessen Robert Mugabe und seine Frau Grace unter Hausarrest gestellt wurden.

Morgan Richard Tsvangirai, von 2009 bis 2013 Ministerpräsident von Simbabwe und ebenfalls aussichtsreicher Spieler im Machtpoker um die Herrschaft im Land, soll sich momentan zur Chemotherapie in Südafrika aufhalten, er ist an Krebs erkrankt.

Mugabe selbst erklärte in einem Telefonat mit Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma, er sei lediglich unter Hausarrest gestellt worden. Er wurde weder offiziell für abgesetzt erklärt noch wurde das Kriegsrecht im Land verhängt. Die Armee hat unter anderem die Kontrolle über das Parlamentsgebäude und den staatlichen Rundfunksender ZBC übernommen. Mugabes Partei ZANU-PF forderte mittlerweile offiziell seinen Rücktritt von den Regierungsgeschäften. Von Seiten des Militärs sickerte durch, man strebe an eine Regierung der „besten Köpfe“ des Landes unterstützen zu wollen.

Noch trotzt Mugabe dem Ultimatum der Partei

Die Opposition im Lande fordert bereits seit langem faire Wahlen und einen geordneten Machtwechsel. Am Wochenende demonstrierten zehntausende Einwohner Simbabwes friedlich für einen Machtwechsel. Auch Mugabes eigene Partei musste diesem Druck nachgeben, andernfalls würde man einen Bürgerkrieg riskieren, der geradezu symptomatisch für Machtwechsel in Afrika wäre. So wurde der Präsident kurzerhand als Parteichef abgesetzt und Mnangagwa als Nachfolger nominiert. Noch am Sonntag hat Staatschef Mugabe bei einer Fernsehansprache jedoch nicht wie erwartet seinen Rückzug angekündigt. Vielmehr wolle er den Parteitag der Regierungspartei ZANU-PF im Dezember leiten. Flankiert wurde Mugabe bei seiner Ansprache von hochrangigen Militärs. Ob diese die letzten gekauften Getreuen bilden oder das Militär doch befriedet werden konnte, bleibt unklar. 

Nun muss seine Partei ein Amtsenthebungsverfahren – wie angekündigt – gegen Mugabe einleiten. Die Südafrikanische Entwicklungsgemeinschaft (SADC) – deren Mitglied Simbabwe ist – setzte unterdessen für Dienstag einen Krisengipfel in Angola an, um die Lage zu erörtern. Erwartet wurden die Staatschefs aus Südafrika, Sambia, Tansania und Angola. Südafrika ist seit längerer Zeit unzufrieden mit der Lage im Nachbarland, nicht zuletzt aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und den duzenden Wirtschaftsmigranten aus Simbabwe im eigenen Land.

Übrigens gilt der aussichtsreiche Erbe Mugabes, Vizepräsident Emmerson Mnangagwa, als Freund der Wiederansiedelung weißer Farmer im Land. Diese sollen maßgeblich wieder zu einem wirtschaftlichen Aufschwung beitragen. Was nach der Vertreibung der Farmer geschah, kann hier “Südafrika: Regierungskrise und Enteignungsphantasien” nachgelesen werden. Dennoch wird Mnangagwa weder von den USA noch von der EU unterstützt, wie es aus Expertenkreisen heißt. Lediglich Großbritannien dürfte ihn stützen. 

Beitragsbild: Al Jazeera English/flickr (CC BY-SA 2.0)

Artikelbild: Democracy Chronicles/flickr (CC BY 2.0)


Dieser Gastkommentar wurde von der in Wien tätigen, freien Publizistin Michaela Kolade-Imrich verfasst.

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