Erneut lässt die Europäische Union mit drastischen Maßnahmen zulasten ihrer Bürger aufhorchen. Und erneut betrifft es den durch und durch korrumpierten Finanzsektor, der mit seinen Schuldenorgien und seinem Giralgeld- und Zinssystem einen riesigen Umverteilungs- und Unterdrückungsmechanismus am Leben erhält. Konkret handelt es sich um Informationen, die aus einem Dokument der estnischen EU-Ratspräsidentschaft stammen und vorsehen, durch Zugriffsverweigerungen auf Bankkonten künftige „Bank-Runs“ zu verhindern. 

Geldschöpfung aus dem Nichts wird um jeden Preis am Leben erhalten

Gerade hoch verschuldete und marode Banken die kurz vor dem Bankrott stehen, in der EU mittlerweile zuhauf anzutreffen (Italien, Spanien, Österreich etc.), sollen vor sogenannten „Bank-Runs“ bewahrt werden. Darauf einigte man sich bei Gesprächen am 13. Juli. Bei „Bank-Runs“ handelt es sich um massenhafte Abhebungen hoher Bargeldbeträge durch Kunden von ihren Konten bei der jeweiligen Bank. Da Banken nur verpflichtet sind Mindestreservesätze zwischen 1 und 10 Prozent ihrer Spareinlagen (Basel und Tier-Bestimmungen), ebenso wie ihrer vergebenen Kredite, zu halten, können sie die meisten Einlagen ihrer Kunden in Wahrheit nicht mit Bargeld vergüten, wenn es darauf ankommt. Lediglich die Zahlen auf dem Computer, generiert durch verlängerte Buchhaltungsvorgänge, können als „Garantie“ vorgewiesen werden. Es ist das berühmte Spiel mit der Geldschöpfung aus dem Nichts, das vorrangig durch diese niedrigen Kernkapitalquoten und Mindestreservesätze erst ermöglicht und dank der ungedeckten Kreditvergabe immer weiter potenziert wird. Genaueres zur Giralgeldschöpfung ist im Artikel „45 Jahre in der Geiselhaft von Fiat-Money“ nachzulesen. 

Das jüngste Beispiel der spanischen „Banco Popular“, die aufgrund von Liquiditätsengpässen durch einen solchen Bank-Run der Kunden in den Ruin getrieben wurde, veranlasste also die Finanzstrategen in der EU Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Dass diese nicht im Sinne des Allgemeinwohls und der Freiheit der Bürger, sondern im Sinne des Bankenkartells ausfallen, war abzusehen. 

Konten sollen künftig bis zu 20 Tage eingefroren werden

Was sieht nun der Plan der EU eigentlich genau vor? In dem von der Nachrichtenagentur Reuters zitierten Dokument werden zweierlei gravierende Einschnitte in die individuelle Finanzfreiheit gefordert. Einerseits sollen Bankkonten für eine Frist von 5 (und in Sonderfällen bis zu 20) Tagen EU-weit eingefroren werden dürfen. Andererseits betrifft dies nicht nur, wie ursprünglich noch im November 2016 postuliert, Konten mit einem Guthaben von über 100.000 Euro. Auch Konten die ein niedrigeres Kapital aufweisen, sollen von den Maßnahmen nicht ausgenommen werden. Bei einem Probelauf in Zypern im Jahr 2013, als ebenfalls Guthaben von Bankkontenbesitzern eingefroren wurden um einen Bank-Run zu verhindern, war dies noch ein Tabu. All das soll künftig den Kollaps von Banken verhindern, so die Ratspräsidentschaft. 

Unklar ist, welche Art von Konten tatsächlich betroffen sein werden. Einem Bericht der Deutschen Wirtschaftsnachrichten ist zu entnehmen, dass keine Spar- und Girokonten, sondern nur „andere Formen von Konten und Auszahlungen“ betroffen sein sollen. Was immer damit auch im Konkreten damit gemeint sein wird. Die Quelle zu dieser Behauptung fehlt ebenso wie ein Verweis auf das EU-Dokument. Dieses lässt sich auch auf der Homepage der EU-Kommission nicht auffinden und wird weder bei Reuters, noch anderen Nachrichtenseiten als einsehbare Quelle angegeben. Eine endgültige Entscheidung über die Implementierung wurde allerdings noch nicht getroffen. Man trifft sich erneut zwecks Konsolidierung im September.

Zumindest Deutschland hat bereits grünes Licht für das Vorhaben signalisiert. Kaum verwunderlich, ist doch gerade der deutsche Steuerzahler seit der Euro-Einführung zur „Melkkuh“ Europas geworden. Auch existiert in Deutschland bereits ein Moratorium für Bankauszahlungen bei Insolvenzverfahren auf nationaler Ebene. Gerde der deutschen Finanz- und Politelite ist es also ein Anliegen, Zugriff auf die Guthaben der Bürger zu haben. Zwar vertrauen die meisten Deutschen immer noch auf Bargeld, doch sinkt der Anteil der Nutzung von Jahr zu Jahr kontinuierlich. Das anonyme Bezahlen ohne Datenaustausch und ohne Nachverfolgung soll ehestmöglich unterbunden werden. 

Kreditblase kurz vor dem Platzen

Woher die plötzliche Angst vor „Bank-Runs“ und einem möglichen Platzen der Kreditblase im Euroraum herrührt, verdeutlicht ein Blick auf die sogenannten „non-performing loans“ – also faule Kredite, deren Rückzahlung womöglich nie stattfindet. Der Anteil dieser faulen Kredite liegt offiziellen Statistiken zufolge bei ganzen 5,1 Prozent des gesamten Kreditvolumens in der Euro-Zone. Die Dunkelziffer dürfte mindestens das doppelte betragen. Euro-Länder wie Griechenland und Zypern weisen gar Raten von bis zu 50 Prozent auf. Bulgarien, Kroatien, Ungarn, Irland, Italien, Portugal und Slowenien und Rumänien haben NPL-Raten zwischen 10 und 20 Prozent. Insgesamt handelt es sich um Summen in der Höhe von weit über 1000 Milliarden Euro. Eine Kreditsumme die nie jemand bedienen, aber dennoch den Schuldnern in Rechnung gestellt wird. 

Letztlich bleibt angesichts dieses desaströsen Finanzssystems der letzte Anker des Bürgers Ziel aller Gegenmaßnahmen: Das Bargeld. Ungeachtet der negativen Auswirkungen auf das Vertrauen in Banken und einem erodierenden Kundenverhältnis, versucht die EU immer offensiver gesetzliche Grundlagen für eine massive Enteignung europäischer Bürger zu schaffen. Dabei soll nicht nur verschleiert werden, dass das europäische Bankensystem von der EZB mafios und intransparent kontrolliert wird und das EU-Bankensystem faktisch zahlungsunfähig ist. Es soll auch die schleichende und immer rapidere Entrechtung des Bürgers verborgen und umgedeutet werden. Indem man den Menschen den Zugang zu Geld erschwert und reguliert, erlangt man schließlich die totale Kontrolle. Letztlich sind all diese Maßnahmen und Einschränkungen auf ein Grundübel zurückzuführen: Unser Geldsystem und sein inhärentes, unterdrückendes Zins- und Kreditwesen. 

Beitragsbild: Ggia/Wikimedia (CC BY-SA 4.0)


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