Seit Jahrzehnten wird das fast schon religiöse Mantra aus wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Kreisen gepredigt, wonach die Erde unter einer Überbevölkerung leide und die rasant anwachsende Menschheit ein Hauptverursacher bzw. Treiber des Klimawandels sei. Ebenso geht mit dieser scheinbar unkontrollierten Vermehrung auch ein nicht unerhebliches soziales Risiko einher, nämlich jenes der Grundversorgung, sei es nun im Gesundheits- oder im Grundbedürfnisbereich angesiedelt. Dieses Denken hat sich mittlerweile in den Köpfen vieler Bürger festgesetzt und wird weitgehend unkritisch übernommen. Daher gibt es wie beim zumindest fragwürdigen “menschgemachten” Klimawandel auch hier unzählige mehr oder minder fragwürdige Prognosen, Studien sowie Pläne und Maßnahmen, diese Überbevölkerung und die damit einhergehenden Probleme zu “bekämpfen”. Federführend seien hier die Programme der UNO erwähnt, etwa im viele Maßnahmen subsumierenden Bereich der Entwicklungshilfe. Doch ist die scheinbare Überbevölkerung tatsächlich ein so großes Problem, wie uns von gesteuerten Medien und Regierungen versucht wird zu suggerieren? Und was steckt tatsächlich hinter dieser Panikmache? Ist gar die Depopulation ein viel größeres, allerdings noch verschwiegenes Bedrohungsszenario?

Ein etwas anderer Blick auf die Überpopulation

Seit den 1960ern wächst die Weltbevölkerung alle zehn bis 15 Jahre um eine Milliarde an. Schätzungen gehen davon aus, dass die derzeit circa 7,7 Milliarden Menschen umfassende Weltbevölkerung in den nächsten 15 Jahren auf knapp 9 Milliarden anwachsen wird. Bis 2100 könnte es sogar 11,2 Milliarden Menschen auf der Erde geben. Und auch die gefühlte Zunahme an Menschen im Alltag ist nicht von der Hand zu weisen, vor allem in urbanen Bereichen und Ballungszentren. Doch es lohnt sich einen anderen Blick auf diese Zahlen zu richten. Die gesamte derzeitige Weltbevölkerung hätte beispielsweise alleine im US-Bundesstaat Texas platz, würde man von einer Siedlungsdichte wie in der Stadt New York ausgehen. Geht man von einer geringeren Siedlungsdichte aus, wo jeder Mensch genügend Platz hätte, sich nicht unbedingt in die Quere zu kommen, hätte die gesamte Menschheit immer noch auf Kontinentaleuropa platz. Der Rest der Welt wäre damit menschenleer! So viel zur Relation dieser großen Zahlen. Ähnlich sieht es mit der Nahrungsmittelproduktion aus. Die Menschheit produziert Nahrung für 14 Milliarden Menschen, auf gesamt gesehen verschwindend geringen Flächen, dennoch wird diese Nahrung im derzeitigen Wirtschaftssystem ineffektiv und verschwenderisch genutzt.  

Aber nicht nur die Anzahl der Menschen ist bei dieser Thematik von besonderer Relevanz. Auch der demographische Übergang muss betrachtet werden. Während durch den Fortschritt der Menschheit die Lebenssituation dieser immer weiter verbessert wird, nimmt natürlich auch deren Zahl nicht so rasch ab wie früher. Doch was viele aus der natürlichen Balance geraten sehen, nämlich höhere Lebenserwartung und niedrige Sterberate, gleicht sich in Wirklichkeit nach Jahren des Ungleichgewichts wieder an. Das verrät ein Blick auf die globale Geburtenrate. Diese ist im Sinken begriffen und geht in Richtung zwei Kinder pro Frau, hat sich somit in den letzten 35 Jahren nahezu halbiert. Durch höhere Bildung in weiten Teilen der Welt, kombiniert mit Kampagnen zur Verhütung und Impfaktionen, welche nachweislich die Fertilität reduzieren, sowie einer propagierten Selbstbestimmung der Frau via Feminismus, kommt es, dass auch in der sogenannten dritten Welt immer mehr Familien Kinder planen und Schwangerschaften nicht der Natur überlassen. Ein weiterer Faktor ist auch die zunehmende Urbanisierung und Industrialisierung ehemals agrarisch geprägter Gesellschaften. Die reine Manneskraft in Form von möglichst vielen helfenden Kindern wird in Städten und abseits der landwirtschaftlichen Subsistenzwirtschaft kaum mehr benötigt. Und die Trends zeigen klar: In Zukunft lebt ein Großteil der Weltbevölkerung in Megastädten, während ganze Landstriche dadurch entvölkert werden.

Wer vor zu vielen Menschen auf der Welt warnt und Argumente der fehlenden Versorgung ins Feld führt, übersieht nicht nur den rasanten Rückgang der extremen Armut auf der Welt und das Überangebot an Nahrung, sondern muss gleichzeitig auch Lösungsvorschläge präsentieren. Und die sind im Falle einer Depopulation nicht nur ethisch fragwürdig, sondern oftmals grundlegend amoralisch. Als Beispiel wäre etwa der als “Fortschritt” angepriesene Zugang zu Abtreibungsmöglichkeiten für immer mehr Frauen auf der Welt zu nennen. Man sieht, dass das Argument der Überbevölkerung rasch in eines für den Mord an Menschen münden kann, natürlich nett verpackt in ideologisch aufgeladene Konzepte wie Selbstbestimmungsrechte und Emanzipation. Jene die keine Stimme haben, werden dabei als erste ins Visier genommen.

Der leere Planet

Einen empirischen Blick auf das künftig auftretende Problem der Depopulation werfen die Autoren Darrell Bricker und John Ibbitson in ihrem Buch  Empty Planet: The Shock of Global Population Decline. Darin wird festgehalten, dass der politisch gewollte Rückgang der Weltbevölkerung diese vor ungeahnte Herausforderungen stellen wird, die weitaus größer sind als das derzeitige Scheinproblem der Überbevölkerung. Denn selbst wenn der Rückgang der Bevölkerung innerhalb eines Staates von den Menschen scheinbar aus freiwilligen Stücken geschieht, wie man in vielen Ländern Europas und deren niedrigen Geburtenraten sieht, hat dies einen grundlegenden sozio-kulturellen sowie wirtschaftlichen Wandel zur Folge. Nicht nur werden ineffektive und äußerst konfliktbehaftete Lösungsmaßnahmen im sozio-kulturellen Bereich präsentiert, wie die Einwanderung von Menschen aus gänzlich anderen Kulturkreisen, sondern das gesamte neoliberal geprägte staats- und monopolkapitalistische Wirtschaftssystem steht vor dem Kollaps, da es auf der stetigen Reproduktion des Menschen basiert. Wachstum benötigt eben Wachstum. Eine stetig wachsende Bevölkerung schafft nämlich die Grundlage für eine stetig steigende Konsumnachfrage: Eltern geben Geld für ihre Kinder aus, die Kinder werden wiederum selbst zu eifrigen Konsumenten. Zudem garantiert eine junge und wachsende Bevölkerung auch die Innovationskraft eines Staates, zumindest erhält sie die Produktivkräfte und versorgt den Staat mit willigen Steuerzahlern, um ihn am Leben zu erhalten. Auf politischer Ebene wird der Generationsvertrag in Hinblick auf die Depopulation schlagend. Sowohl junge als auch alte Menschen sind in hohem Maße von einander abhängig, aber vor allem ältere Menschen sind in der Lage mächtige Interessengruppen zu bilden und die Zukunft der jüngeren Generationen zu bestimmen. Wenn allerdings die Bedürfnisse der Älteren Vorrang vor denen ihrer Kinder haben, geht die Gesellschaft in Richtung einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Somit wird auch die Politik immer “kinderfeindlicher”, was wiederum dazu führt, dass weniger Kinder zur “innoffiziellen” Maxime einer Gesellschaft werden. Wiederum kann Europa oder der Westen im Allgemeinen hier als Beispiel herhalten, wobei diese Entwicklungen laut Bricker und Ibbtson auch in der dritten Welt immer häufiger nachweisbar sind. 

Bricker und Ibbitson weisen aber darauf hin, dass der Bevölkerungsrückgang auch weniger greifbare Auswirkungen hat. Beispielsweise sterben die Sprachen der Welt rascher aus, was vor allem kleineren Kulturen massiv zusetzt. Und auch die finanzielle oder soziale Altersvorsorge gerät durch die Depopulation und die Kinderlosigkeit in Schieflage. Eltern mit nur einem oder zwei Kindern haben ein deutlich höheres Risiko gegen Ende ihres Lebens mit Einsamkeit und Armut konfrontiert zu werden, insbesondere diejenigen, die ihr Kind oder ihre Kinder auch noch überleben. Die Autoren warnen daher vor einer zu unreflektierten Schuldzuweisung globaler Probleme an das “unkontrollierte Bevölkerungswachstum”, wobei hier erneut die Frage gestellt werden sollte, wer das Bevölkerungswachstum mit welchen Mittel überhaupt kontrollieren soll oder darf…

Die Depopulation ist somit eine gefährliche politische wie kulturelle Abwärtsspirale und setzt Gesellschaften massiv zu, sobald die Fertilitätsrate unter 1,5 Kinder pro Frau sinkt. In hochentwickelten Staaten wie Japan ist dies bereits der Fall und dort sind die damit einhergehenden Probleme frappant. Zudem sinken die Geburtenraten in Entwicklungsstaaten wie Indien, China und Brasilien weit schneller als in Industrienationen des Westens, wenn auch von einem hohen Niveau ausgehend. Wenn die Ergebnisse der Autoren und ihrer Untersuchungen stimmen, wird die Weltbevölkerung in wenigen Jahrzehnten ihren Höhepunkt erreichen und dann auf unbestimmte Zeit zurückschrumpfen. Dieses Szenario unterscheidet sich freilich stark von allen bisher geläufigen Szenarien, welche die Weltbevölkerung ins Unendliche wachsen sehen, bis unsere Spezies an der Überbevölkerung letztlich implodiert. 

Die Lösungsansätze der Autoren bleiben freilich ebenso fragwürdig, wie jene der Menschen die vor einer Bevölkerungsexplosion warnen. Denn Staaten und Gesellschaften zwangsweise in Einwanderungsgesellschaften umzuwandeln und dabei kulturelle Identitäten zum Zwecke der Aufrechterhaltung eines parasitären Wirtschafts- und Staatssystems zu opfern, birgt enorme Konfliktpotentiale, die ein friedliches Zusammenleben wahrscheinlich mehr gefährden als alles andere. 

Die Abwärtsspirale der Kinderlosigkeit

Wenn der Bevölkerungsrückgang letztlich zu einem dauerhaften Zustand und das Muster klar erkennbar wird, ist es laut Autoren längst zu spät, wirksame soziale Gegenmaßnahmen zu initiieren. Werden junge Menschen und Eltern beispielsweise mit sehr hohen Steuern belegt, um für die Finanzierung älterer Generationen aufzukommen und den Staatsbetrieb aufrechtzuerhalten, wird dies die Kinderlosigkeit nur weiter verstärken. Von Regierungen initiierte Gegenprogramme, wie Kindergeld, sind meist nur teuer und in der Regel nicht sehr erfolgreich, da der finanzielle Anreiz zu gering ist und nicht über das gesellschaftlich verbreitete Narrativ “wenig Kinder, mehr Reichtum” hinwegtrösten kann.

Der Staat ist jedenfalls nicht in der Lage, eine Neutralität in Bezug auf die Geburt von Kindern einzunehmen, da er dazu tendiert Kinderlosigkeit zu favorisieren und seine Entscheidungen lediglich in Bezug auf effektive Steuerpolitik, öffentliche Bildung usw. trifft. Altersversorgungssysteme in Industrieländern wären mit sehr viel geringerer Wahrscheinlichkeit auf einmal zusammengebrochen, wenn die Altersvorsorge als individuelle finanzielle Verantwortung und nicht als Anspruchsprogramm behandelt worden wäre. Senioren wären nicht in der Lage gewesen, gemeinsam eine unangemessene Menge an politischer Macht auszuüben, wenn es keine steuerfinanzierten Goodies gegeben hätte. Zudem sind die hohen Erwartungen an die Bildung, den Erfolg und das materielle Wohlergehen von Kindern ein weiterer Treiber, weniger in die Welt zu setzen und im Gegenzug mehr staatliche Eingriffe und Programme zu favorisieren.

Natürlich kann auch eine stark libertär geprägte Gesellschaft nicht alle Probleme, welche eine Depopulation mit sich bringt, vermeiden. Jedenfalls kann aber festgehalten werden, dass eine geringere Beteiligung von Regierungen und deren Maßnahmen am Leben der Menschen mehr Eigenverantwortung und Selbstbestimmung bedeutet, auch und gerade in Hinblick auf die Familienplanung.

Beitragsbild: Ashutosh Jaiswal/pexels.com, gemeinfrei