Die tödlichen Ordnungen des Systems und der Ausweg der Utopie
Chaos: Das neue Zeitalter der Revolutionen, Gesellschaftskritisches Werk von Fabian Scheidler (2017)

Der freischaffende Autor Fabian Scheidler legt nach seinem Erfolg des Buches „Das Ende der Megamaschine: Geschichte einer scheiternden Zivilisation“ aus dem Jahr 2009 nun in seinem neuen Werk nach und präsentiert die Gefahren und Chancen der gegenwärtigen “Übergangszeit”. Er bietet einen Kompass für politisches Engagement in Zeiten der wachsenden Unübersichtlichkeit. Es ist im Jahr 2017 beim Verlag Promedia erschienen. Das Buch ist nach der Einleitung in drei große Bereiche eingeteilt und inkludiert einen ausführlichen Anhang. Auf 13 Kapitel und insgesamt 209 Seiten schildert Scheidler, dass sich weltweit zunehmend Chaos ausbreitet. In Teil I geht es um das Chaos und die tödlichen Ordnungen des Systems. Im zweiten Teil wird die Reorganisation behandelt und hier werden auch das „Tor zur Utopie“ sowie die Medien-Welt beschrieben. In Teil III werden schließlich der Aufstieg von China und die Möglichkeit einer innovativen friedlichen Neuordnung der Weltpolitik dargestellt. Im Anhang wird sogar ein 16-Punkte-Programm angeführt, wie man aus der „Megamaschine“ aussteigen kann. Weiters beschreibt der Autor im Buch auch, dass der Klimawandel immer realer wird und sich die Weltwirtschaft konstant bewegt zwischen Niedergang und Zusammenbruch bewegt. Immer mehr Staaten werden zu „Failed States“ oder gehen zumindest finanziell Bankrott.

Die heutigen und aktuellen Krisen bringen die traditionellen politischen Systeme, die keine angemessenen Antworten darauf finden, in Bedrängnis und führen zu weltanschaulichen Verwerfungen, so Scheidler. Der Autor zeichnet in “Chaos” ein skeptisches Bild, welches von Angst und Unsicherheit geprägt ist. Scheidler geht davon aus, dass nach 500 Jahren Expansion die kapitalistische Megamaschine in die tiefste Krise ihrer Geschichte geraten ist. Seine These ist, dass „Wir“ uns nun in eine chaotische Übergangsphase hineinbewegen. Diese wird einige Jahrzehnte andauern und das Ergebnis daraus ist noch offen. Die alten Ordnungen werden jedoch brüchiger.

Scheidler geht davon aus, dass es eine „Krise des Lebens“ auf der Erde gibt, auf die man angemessen reagieren müsste. Dies bedeutet, dass nicht nur einige Infrastrukturen, sondern das gesamte Wirtschaftssystem vollständig umgebaut werden sollte. Der Aufbau einer neuen Ökonomie wird benötigt, weil auf Gemeinwohl statt Profit gesetzt werden müsste, um auf gerechte Verteilung statt auf ein endloses Wachstum zu setzen, so der Autor. Dies scheint umso dringender, als das derzeitige System nur einem ganz geringen Teil der Weltbevölkerung zu enormen Reichtümern verhilft. Vor allem via dem vorherrschenden Geldsystem. Nicht von ungefähr hungern rund 800 Millionen Menschen weltweit und Milliarden müssen um ihre Existenz bangen.

Wie sieht die Zukunft aus und welche Akteure werden diese bestimmen? Werden sich autoritäre Kräfte durchsetzen oder können soziale und ökologische Bewegungen die systemischen Probleme nutzen? Ist es möglich, dass eine gerechtere und friedlichere Welt aufgebaut wird? Welche Rolle spielt Chinas Aufstieg in der neuen Weltunordnung? Wo zeichnen sich neue Wege des Wirtschaftens und Zusammenlebens ab, die das gegenwärtige System der “globalen Apartheid” überwinden könnten? Diese Fragen versucht Fabian Scheidler in “Das neue Zeitalter der Revolutionen” zu beantworten, um die Gefahren und Chancen dieser Übergangszeit auszuloten. Gleichzeitig bietet der Autor einen Kompass für politisches Engagement in Zeiten wachsender Unübersichtlichkeit an.

Beitragsbild: George Frederic Watts – Chaos (1875)/Wikimedia, gemeinfrei


Gastbeitrag, T. Eisenhut ist politischer Autor und Blogger

 

Kommentieren Sie den Artikel