Brasilien hat wahrlich schon bessere Zeiten erlebt. Grassierende Korruption und die Verflechtung von Politik und Wirtschaft führten zu einer Amtsenthebung Dilma Rousseffs vom Präsidentenamt, die Wirtschaft wurde während der linken Regierungsperiode, aber auch schon davor, auf fragile Standbeine gehoben die nun zusammenbrechen und Gewalt ist mehr denn je traurige Alltagsrealität. Der nun in den Präsidententhron gehievte Wirtschaftsliberale und ehemalige Vizepräsident unter Rousseff, Michel Temer ist bei Volk ebensowenig bliebt wie andere Repräsentanten einer verkommenen Politelite. Möglicherweise auch deswegen, weil gegen ihn ebenfalls Korruptionsermittlungen laufen.

Doch wo bleiben die Alternativen für Brasiliens Bevölkerung? Möglicherweise in einer libertären Richtung nach Mises und Hayek.

Proteste wenden sich von Marx ab

Die daher seit Jahren immer wieder landesweit aufflammenden (Massen-)Proteste orientieren sich in jüngster Zeit weniger an in Lateinamerika weit verbreiteten, marxistischen Grundideologien, sondern vermehrt an libertären Denkweisen. Gadsden-Flaggen, hier ein Beitrag zur Bedeutung dieser, sind ebenso wie Schilder mit der Aufschrift „Weniger Marx, Mehr Mises“ zu sehen.  Auch der christliche, rechts-konservative Philosoph Olavo de Carvalho ist in aller Munde. Dieser gilt als einer der schärfsten Kritiker des lateinamerikanischem, speziell des brasilianischen, Marxismus, war er doch selbst in jungen Jahren für kurze Zeit ein Mitglied der kommunistischen Partei in Brasilien.

Dieser intellektuell neue Unterton der Proteste ist das Ergebnis eines Jahrzehnte langen Strebens nach einem ideologischen Wandel in Brasiliens Politkultur. Jedoch nicht in erster Linie über den Politiker, sonder über den Intellektuellen, so wie Mises es vertrat. In Zeiten von Massenarbeitslosigkeit, Inflation und wachsender Ungleichheit, werden bei vielen Brasilianern Erinnerungen an die Zeiten der Militärdiktatur der 1980er Jahre wach. Die in Übersee studierten und ausgebildeten Brasilianer, welche mit den Ideen individueller Freiheit zurückkamen und sie in Form von Buchübersetzungen bis hin zu Institutsgründungen propagierten, stehen mittlerweile an der Spitze dieses Wandel.

Olavo contra Gramsci

Es war vor allem Olavo der den geistigen Pluralismus öffentlich am Leben erhielt und an den Universitäten auch konservative wie libertäre Philosophien vertrat und lehrte. Die linke Dominanz wurde als gramscianische Strategie der kulturellen Revolution enttarnt. Durch das Internet verbreiten sich seine Ansichten rasch und eröffneten somit ein breiteres Publikum. Er bot mehrere private Fernkurse an und etablierte eine Webseite voller liberaler und konservativer Inhalte. Es war dies eine der wenigen Kollektionen, die Brasilianern damals überhaupt zugänglich war. Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Konservative durch die massive Korruption innerhalb der brasilianischen Arbeiterpartei. So wurden auch die Ideen anderer konservativer Vordenker immer populärer.

Auf der anderen Seit etablierte sich auch der Libertarismus als eigenständige Bewegung. Mittlerweile zählt Brasilien zum schnellstwachsenden „Markt“ dieser Idee. Als Beispiel ist etwa das „Mises Institute Brazil“ zu nennen, welches zahlreiche Werke der österreichischen Schule übersetzt hat. Die Estudantes pela Liberdade ist wiederum die größte Studentenvertretung des Landes und stark an liberalen wie libertären Werten orientiert.

Freiheit in der brasilianischen Politik

Entgegen den Ur-Prinzipien des Libertarismus und in Anlehnung an US-amerikanische Modelle, hat sich auch in Brasilien ein politische Partei geformt. Die „neue Partei“ (The Novo) vertritt klassische liberale Standpunkte, lehnt staatliche Zuwendungen ab und finanziert sich privat und stellt immerhin vier Stadträte in vier wichtigen Regional Hauptstädten. Die „Partido Social Liberal“ befindet sich wiederum in einem Richtungskampf zwischen links-progressiven und libertäre-liberalen Positionen. Wie auch immer sich diese Parteien weiterentwickeln werden, die Gesellschaft bewegt sich größtenteils immer noch zwischen marxistischen, positivistischen und modernisierungstheoretischen Positionen. Gespeist wird dies vor allem aus einem elitären Denken, wonach die Mehrheit der Bevölkerung nicht fähig ist für sich selbst zu sorgen und richtungsweisende Entscheidungen zu treffen („Ordnung und Fortschritt“). 

Entwicklung in seiner modernen Bedeutung, in Anlehnung an merkantilistische und keynesianische Ideen von Wirtschaft und Staat, ist in Lateinamerika immer noch mit einem starken, interventionistischen Staat verknüpft. Dieser Staat tendiert nun entweder zwischen extremen Linken, Populismus, utopischen Vorhaben oder rechtsgerichteten Militärdiktaturen und unkontrollierten Neoliberalismus-Agenden. Möglicherweise sollten sich Libertäre wie Konservative in Brasilien stärker an John Locke orientieren. An einem Selbstbestimmungsrecht des Individuums, Regierten ihre Zustimmung zu entziehen wenn diese Naturrechte wie Leben, Freiheit und Eigentum nicht beschützen und garantieren. Sind diese Bedingungen nicht erfüllt, haben die „Untertanen“ ein Recht auf Widerstand gegen die Regierenden. Dieses Rechtes sollten sich nicht nur die Brasilianer stärker bemächtigen…

Beitragsbild: Agência Brasil/Wikimedia (CC BY 3.0 BR)

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4 Kommentare

  1. Die Wirtschaftstheorien sind nichts weiter als intellektuelle Modelle, die sich die Frühstücksdirektoren und „schlauen“ Vasallen ausgedacht haben, um, von dem abzulenken, was sie selber, hier, kritisieren. Dem herrschenden Finanzsystem. Eine um sich selbst drehender „Think Tank“, wie es so schön verbrämt heißt!?
    Eine patriotische Führung beinhaltet, natürlich, einen „frommen“ Wunsch, nichts weiter. Eine Führung, wenn schon, muss insbesondere, einfach, menschlich sein. Dies ist aber eine Utopie in einer pyramidalen Machtstruktur, zu denen auch die „sogenannte“ Demokratie oder andere „Ismen“ gehören. Jede wirkliche „Demokratie“ (wir nennen sie, lieber, Selbstverwaltung) , die von unten nach oben, wo nur der Bürger über eine Mittelverwendung entscheidet, die er selber oder seine spezifische Gemeinschaft (Kommune) eingezahlt hat! Darüber hinaus gehende Mittelentscheidungen werden von einem flexiblen Kollektiv entschieden, je und entsandt nach Bedarf, durch einzeln beauftragte
    Bürger des Vertrauens!
    Nach unserem Modell müssen sich die Bürger qualifizieren, wenn sie mehr Stimmen haben wollen, d.h., ihre Meinung höher gewichtet sein sollte. Wobei es ausdrücklich klar gestellt werden muss, dass das Gehalt (Einkommensgröße), sowenig, wie möglich, ins Gewicht fällt. Das Mehrstimmenwahlsystem kann nicht „unterlaufen“, vererbt oder gekauft werden!
    Ein paralleles Machtsystem, wo jeder Bürger aufsteigen und absteigen kann, welches sich selber, durch Mehrheiten reguliert. wo bestimmte Minderheiten durch qualifizierte Quoten geschützt sind. Liberalität in menschlicher Qualität und Gemeinschaft. Ein Selbstverwaltungssystem, dass stark das Internet als Kommunikationsmedium nutzt. Die „Direkte Kommunale und Nationale und Internationale Selbstverwaltung“, unter der Gewichtung und Priorität der menschlichen und sozialen Qualität der Individuen. Natürlich, mit einem Vollgeld! Der schlanke Staat und die Abschaffung aller unnötigen Theoriendrescher eingeschlossen!
    Ihre angesprochene „Evolution“ kann und wird bei der derzeitigen pyramidalen Macht und FIAT Schuldgeld Geissel nicht passieren. Alle „schönen“ Theorien sind Gewäsch! Alle Beteiligten, die das System, ach so intelligent, kritisieren sind Mitschuldige, weil sie es durch diese „Beschäftigung“, damit, fördern!
    Wir Alle sind Mittäter im Schuldgeldsystem, dem Kernproblem, weil wir doktriniert sind, nach unten zu treten und nach oben die Hand auf zuhalten, um Karriere zu machen! Ein „geniales“ und zugleich, morbides „Perpetuum Mobile“ der Dominanz!
    Das muss eliminiert werden! Dabei unterschätzen die Theorien alle, die Hintergründe, weil es so einfach ist. Kein staatsabhängiger, jeweder Couleur, wird den Ast absägen auf dem er „bequem“ sitzt, noch werden es die Linken, jemals, zugeben, dass sie nichts weiter als „nützliche Idioten“ für die Finanzeliten/Bankster sind. Niemandem fällt auf, das die „sogenannte“, gefeierte Demokratie: „One Man, One Vote“, ein Ableger des Kommunismus ist! Eine Gleichmacherei, die dazu dient die Macht der Eliten zu sichern! Wer in der Demokratie schläft, wacht in der Diktatur auf!
    Die Entscheidungsmasse/-mehrheit wird so, entsprechend der gaus`schen Verteilungkurve, von manipulierbaren Bürgern ausgemacht. Die notwendige politische Qualifikation (Erziehung/Aufklärung/Transparenz), auch der Wähler, wird von der diktatorialen Macht (MSM/TV/Kirche) manipuliert! (Beweis: Keine, in etwa so entscheidungstragende Berufsgruppe braucht weniger Ausbildung) Sorry, Schauspieler- und „mächtige“ Redekunst, schon!
    Die meisten Linken und Theorienschwätzer streuben sich, wie der Teufel vor dem Weihwasser, diese Wahrheit zu erkennen!
    Sie lieben die Zentralwirtschaft und/oder libertäre Wichserei.
    OHNE die menschliche Qualität wird unser Aller Zukunft nicht stattfinden! Mutter Erde macht vieles, aber nicht alles mit!

  2. Brasilien und Deutschland haben etwas gemeinsam, was die meisten schlauen Kommentatoren nicht sehen wollen! Sie sind beide Vasallen, „Kolonien“ der Finanzeliten in WallStreet und der City of London. Jeder in seiner Art, natürlich. Deutschland ist die westl. „Cash Cow“ schlechthin!
    Auch in Brasilien wird kräftig nach unten getreten und geplündert. Nicht nur der größte staatliche Korruptionsapparat und Behördengulag, nein, auch die höchsten Zinsen und die größte Steuerquote wird, rücksichtslos, zelebriert! Ausser, die 4. größte Gefängnisbevölkerung, in 4-ter Welt Zuständen, wie Schweine, gehalten, rühmt sich Brasilien in den Ballungsgebieten einer der größten Mordraten. Aufklärung wozu!?
    Das Gefasel des Autors ist unerträglich, wenn man das wirkliche menschliche Leiden, seit Jahrzehnten, der „noch“ fröhlichen Bevölkerung anschaut. Zu allem tragischen Sklaventum kommt noch die Tatsache, dass die Ärmsten der Armen von ihren eigenen Gewerkschaftsführern Lula/Dilma der PT (Arbeiterpartei) betrogen wurden. 12 Millionen Arbeitslose, 50 Milliarden Euro Haushaltsdefizit geplünderte Staatsfirmen und Pensionskassen und 450% Kreditkartenzinsen, bei, jetzt, ca. 6% Inflation. Welchem Bankster und Multi-MBA wird es da nicht weich in den Knien !? Man kann sich in Brasilien, ungestraft, die Taschen vollstecken. Das „Gute“ kommt immer von oben, von Washington!
    Hier geht es nicht um „feine“ Wirtschaftstheorien, lieber Autor, sondern um endemisches Banditentum! Brasilien könnte in den letzten 5x Jahrzehnten, heute problemlos, ein 4 mal größeres Bruttosozialprodukt aufweisen! Man läßt es, aber, im Hinterhof der Entwicklung, weil es so schön Finanzgef**** (Ein Mises neues Wirtschaftstheorem!) werden kann!
    Dazu eine Anekdote: Als ich vor 40 Jahren, erstmals BR betrat und den Unternehmer Größen vorschlug, endlich eine gerechtere Einkommensverteilung und Vermögensbildung einzuleiten, in die Modernität einzutreten, damit dieselbigen, nicht, eines schönen Tages, im „eigenen“ Gefängnis sitzen würden, wurde ich als verdammter Kommunist beschimpft! Dies sagte ich nicht als „Linker“, sondern als Unternehmer, Vertreter eines erfolgreichen Weltmarktführers in vierter Generation!
    Bis heute habe ich keinen Präsidenten in Brasilien kennengelernt, (derer 7 x) der nicht unter 1 bis 2 Milliarden, „gestohlenen“ Dollar aus dem Amt ging! Soweit zum Geschwafel !
    Die Banken feierten im ersten Jahr der Regierung Lula (Arbeiterpartei !!!) den höchsten Bilanzgewinn seit Bestehen. Lula erhöhte die Staatsverschuldung von 45% auf 90%. Wie Obama verdoppelte er die Lasten der Brasilianer. Ganz nach Gusto der Dominanz, des FIAT Schuldgeldes.
    Nicht Lula/Dilma/PT wurden „abgeschafft“ im letzten Jahr, allein wegen dieser Verfehlungen, sondern weil der Sozialismus ausgeknipst wurde. Ende der Schuldgeldspirale!
    Zumindest, haben die Brasilianer Dilma/PT zu 90% abgewählt, was die dt. Sklaven, mit Merkel nicht schafften, wollten/konnten! Trotzdem wird BR, wie D gesteuert. Nichts ist, wie es erscheint! Man kann beiden Bevölkerungen nur wünschen, dass sie eines Tages aufwachen und patriotische Stellvertreter wählen, NICHT nationalistische, wohlgemerkt!

    • Lieber Globalvoter,

      vielen Dank für den Kommentar und die Kritik. Zunächst muss ich sagen, dass es sehr wohl um Wirtschafts- bzw. Gesellschaftstheorien, wie eben den Libertarismus, gehen muss. Auch ich lehne die neoliberalen Ideen eines Mises und Hayek weitestgehend ab, da ich nicht der Meinung bin, der Markt sei etwas Natürliches, dass sich evolutionärbedingt entwickelt und somit einen höheren moralischen Anspruch als etwa die Freiheit hätte. Jedoch ist der Libertarismus, wie alle Theorien, vielfältig und das Kernkonzept der Eigenverantwortung und Freiheit ist etwas unterstützenswertes. Wenn sie nun wie im letzten Absatz darauf hoffen, „patriotische“ Vertreter würden an dem Dilemma in Brasilien, oder sonst wo, etwas ändern, sehen sie selbst das fundamentale Problem nicht. Demokratische Wahlen werden nie etwas ändern, sondern lediglich Staatsapparate und dahinter agierende Eliten bewusst und unbewusst legitimieren und den Menschen gleichzeitg die Verantwortung, für ihr eigenes Wohl zu sorgen, rauben (Stichwort Plutokratie) Siehe dazu auch der Artikel: „Die Ära des neuen Totalitarismus“. Oder denken sie, dass die von ihnen richtigerweise angesprochene „Finanzelite“, mit all ihrer Macht und Kontrolle, etwas zulassen würde das ihren eigenen Interessen entgegenläuft? Der erste Wandel muss daher im Individuum selbst stattfinden. Die Erkenntis, dass sie ihre Lebenswelt gestallten und verändern können. Nur sie! Erst dann kann man durch Eigenverantwortung ein Leben in Autarkie, Autonomie und größtmöglicher Freiheit leben. Dafür brauchen sie aber weder einen Staat noch Wahlen oder patriotische Vertreter, die ihnen das eigenen Denken abnehmen. Ebensowenig nützt Einkommensgleichheit etwas, in einem System das auf Ungleichheit ausgelegt ist und davon lebt. Sie ändert nichts an der Tatsache eines ungerechten und zur Unterdrückung erschaffenen Geldystems, in dem Geld aus der Luft geschöpft wird (Siehe dazu: 45 Jahre in der Geiselhaft von Fiat-Money). Theorien können hingegen ein Hilfsmittel sein, um das eigenen Denken und Handeln zu reflektieren und ggf. zu ändern, vor allem alternative Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle, auf die hier künftig verstärkt eingegangen wird. Erst wenn ein unterdrückendes Wirtschaftssystem im kleinen Rahmen und später im größeren Rahmen unterminiert und schließlich überwunden wird, können wir über diverse Definitionen und Fragen von Gleichheit und Gerechtigkeit diskutieren, die sich in dieser Form dann aber wohl kaum mehr stellen werden. – konterrevolution.at

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