Bolivien wird als erstes Land der Welt die Militärstützpunkte der USA in Lateinamerika vor den UNO Sicherheitsrat bringen und dort thematisieren. Ein entsprechendes Vorhaben verkündete der bolivianische Präsident Evo Morales. Dieses Vorgehen birgt einige Brisanz, ist doch Bolivien ab 2017 zwei Jahre lang ein nicht-ständiges Mitglied des höchsten UN-Gremiums. Auch wirft es neues Licht auf den US-Militärimperialismus, der via hunderten militärischen und semi-militärischen Anlagen weltweit betrieben wird.

Kein Grund für US-Basen außerhalb der USA

Morales, und dabei spricht er nicht nur für Bolivien sondern für gesamt Lateinamerika, sieht keinen Grund nach dem Ende des kolumbianischen Bürgerkrieges eine Militärpräsenz der Vereinigten Staaten in der Region zu dulden. Überhaupt gebe es keinen Grund für die USA außerhalb ihres eigenen Staatsterritoriums militärische Anlagen zu betreiben. Des weiteren möchte Bolivien in seiner Rolle als Sicherheitsratsmitglied die umstrittene Thematik Puerto Ricos ansprechen. Die karibische Insel wurde im Jahr 1898 von den USA okkupiert und wird seither wie eine Kolonie verwaltet.

Präsident Morales schätzte die Wirkungsmöglichkeiten seines Landes aber gleichzeitig niedrig ein. Es sei eine realistische Erwartung, dass Bolivien als nicht-ständiges Mitglied des Sicherheitsrates nicht viel erreichen könne. “Mit einer einzigen Stimme werden wir wohl keine Interventionen und Invasionen stoppen können”, erklärte das bolivianische Staatsoberhaupt. Dennoch wäre es ein wichtiges Zeichen vor der Weltgemeinschaft und ein Signal für andere Staaten. US-Militärbasen gibt es nämlich nicht nur in Lateinamerika zur genüge, sondern auf dem gesamten Globus.

800 US-Militärbasen weltweit

Die USA verfügen mittlerweile auf jedem Kontinent dieses Planeten über (mindestens) einen militärischen Stützpunkt. Viele von ihnen sind geheim und scheinen in offiziellen Datenbanken und Statistiken nicht auf. Von dort aus betreiben die USA nicht nur physische Politik, in der Gestalt von Militäreinsätzen, sondern auch psychische. Das Land kann praktisch von jedem Gebiet der Erde aus militärisch agieren. Natürlich fließt dies Faktum in diverse regionalpolitische Politiken ein. Es ist, so das Buch Base Nation: How U.S. Military Bases Abroad Harm America and the World, die größte, exterritoriale militärische Präsenz eines Staates in der Geschichte. Bis 2015 waren in 135 Staaten sogenannte “special operations forces” aktiv. US-Außenminister John Kerry dazu bezeichnenderweise beim diesjährigen “Aspen Ideas Festival”:

[…] The United States of America is more engaged in more places with greater impact today than at any time in American history. And that is simply documentable and undeniable.”

Wie das “Engagement” der USA aussieht, sah man bei den jüngsten Regimewechseln in Libyen, Afghanistan, dem Irak oder im Jemen. Hinter den politischen Unruhen in Venezuela und Brasilien vermutetet man zudem ebenso US-Interessen, wie in Nigeria oder der Demokratischen Republik Kongo. In Asien mischen die USA neuerdings im Streit rund um das südchinesische Meer mit.

Gerade in Afrika verfügt die USA mit AFRICOM über ein wirkmächtiges Instrument, um gezielt Einfluss auf Regierungen und Staatschefs, aber auch Rebellen zu nehmen. Über 60 solcher “Posten” gibt es mittlerweile im afrikanischen Raum. Von dort aus werden- wie im deutschen Rammstein, dem größten US-Stützpunkt Europas – Drohnenangriffe gestartet, Truppen in den Nahen Osten verlegt, Spionageanlagen betrieben, Waffen verschoben oder Islamisten bekämpft.

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Umstritten sind aber nicht nur die Stützpunkte in Lateinamerika und Afrika, sondern auch in Japan, einem Verbündeten der USA. Immer wieder demonstrieren tausende Menschen in der Stadt Okinawa gegen den dortigen US-Militärstützpunkt. Hintergrund ist die Rechtsfreiheit von US-Soldaten in Japan. Diese müssen sich lediglich vor dem Militärgericht der Vereinigten Staaten verantworten, nicht aber der japanischen Justiz. Daher kommt es immer wieder zu Vergewaltigungen an Einheimischen und anderen Verbrechen durch amerikanische Soldaten.

USA größter Landbesitzer der Welt

Durch dieses globale Netz an Stützpunkten stieg die USA zum größten Landbesitzer der Welt auf. Im Jahr 2014 wurden an die 10 Milliarden Dollar für den Betrieb und den Ausbau der Basen von Seiten der US-Regierung ausgegeben. Die wichtigsten neueren Vertretungen befinden sich in Ländern wie Bahrain, Djibouti, Türkei, Katar, Saudi-Arabien, Kuwait, Irak, Afghanistan, Kosovo und in Kirgistan, hinzu kommen bereits länger dienende Basen in Deutschland, Japan, Süd Korea, Italien und Großbritannien. Die NATO-Expansion in Richtung Osteuropa wird ebenfalls maßgeblich durch die USA forciert und finanziert.

Momentan sind die USA in 74 Konflikte weltweit in irgendeiner Art und Weise involviert. Ausländische Militärbasen gibt es übrigens keine auf US-amerikanischem Staatsgebiet. Und auch in der “näheren Umgebung” sind keine zu finden. Der letzte Versuch in diese Richtung (Stichwort: Schweinebucht) führte nahezu in den dritten Weltkrieg. Übrigens: Barack Obama ist der einzige Präsident in der amerikanischen Geschichte, der sein Land in beiden Amtszeiten im Kriegszustand führte.

Beitragsbild: sanjitbakshi/flickr (CC BY 2.0)

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